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pekuu Original · Reportage · Lesezeit 3 Min.

Tettnang · Oberschwaben

Citra Hopfen: Die Sorte, die IPAs nach Zitrus schmecken lässt

Es gibt zwei Welten im Aromahopfen. In der einen ist der Tettnanger zu Hause, hochfein, würzig, dezent, ein Juwel und ein Feinkostladen, wie Theresa Locher ihn nennt. In der anderen ist die…

Es gibt zwei Welten im Aromahopfen. In der einen ist der Tettnanger zu Hause, hochfein, würzig, dezent, ein Juwel und ein Feinkostladen, wie Theresa Locher ihn nennt. In der anderen ist die Pflanze laut. Sie schmeckt nach Grapefruit, nach Mango, nach Maracuja. Theresa erklärt das Prinzip dieser anderen Welt an einer Sorte, die der Hüller Forschung entstammt. Es gebe zum Beispiel die Sorte Mandarina Bavaria. Da seien die Zitrusfrüchte herauszuschmecken.

Wenn man dieses Prinzip aus Tettnang hinaus über den Atlantik trägt, landet man bei Citra. Citra ist der amerikanische Klassiker der lauten Aromasorten.

Was Citra ist

Citra ist eine US-Aromahopfensorte, gezüchtet von der Hop Breeding Company in Yakima, Washington, und 2007 freigegeben. Die Sorte ist eine Hybride mit Anteilen verschiedener Eltern, darunter auch Hallertauer Mittelfrüher. Was sie unverwechselbar macht, ist ein intensives Zitrus- und Tropenfrucht-Aroma: Grapefruit, Limette, Mango, Maracuja. Wer ein modernes American IPA trinkt, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit Citra im Glas.

Alphasäure-Wert: 11 bis 14 Prozent. Deutlich höher als beim klassischen Tettnanger (3 bis 6 Prozent). Citra eignet sich also nicht nur fürs Aroma, sondern auch zur Bitterung. Die meisten Brauer setzen ihn aber gezielt im Späthopfen-Bereich ein, um die fruchtigen Aromen zu erhalten.

Wie die Welt der Brauer sich gespalten hat

Bis in die 1980er-Jahre waren amerikanische Massenbiere hopfen-arm und aromatisch unauffällig. Was dann passierte, war die Craft-Beer-Bewegung. Brauer wie Sierra Nevada in Kalifornien fingen an, mit fruchtbetonten amerikanischen Sorten zu arbeiten. Cascade war die erste solche Sorte. Citra kam später und brachte die Intensität auf eine neue Stufe. Heute ist Citra eine der meistverwendeten Aroma-Sorten weltweit.

Während Sierra Nevada in den USA experimentierte, blieb Tettnang seinem Stil treu. Theresa beschreibt den Tettnanger als hochfein. Eine Sorte, die nur subtil wirkt und gerade darum von Brauereien geschätzt wird, die Premium-Lager und klassisches Pils brauen. Die Sorte werde sehr geschätzt als Juwel, sagt sie. Citra dagegen ist nicht subtil. Citra ist plakativ. Das ist nicht negativ gemeint. Es ist eine andere Geschmackswelt.

Welche Biere Citra prägen

Typische Bierstile mit Citra: American IPA, New England IPA, Pale Ale, Hazy IPA, sour beers mit Fruchtnote. Im klassischen deutschen Pilsner-Stil ist Citra eher selten, weil das Aromaprofil dort als zu auffällig gilt. Wer ein deutsches Pils trinkt und Grapefruit schmeckt, hat keinen Tettnanger im Glas, sondern wahrscheinlich einen Anbau-Versuch mit amerikanischer Sorte.

Citra in Deutschland: Ausnahme statt Regel

Eine Frage, die im Hopfenanbau-Kontext oft auftaucht. Wird Citra auch in Deutschland angebaut?

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Die Antwort ist überwiegend nein. Citra ist als Sorte in den USA züchterisch geschützt. Der Anbau außerhalb der USA ist eingeschränkt oder lizenzpflichtig. In Deutschland gibt es daher keine nennenswerten Citra-Pflanzungen. Wer in einem deutschen IPA Citra schmeckt, hat amerikanischen Hopfen im Glas, der über den Hopfenhandel importiert wurde. Mehr zu den deutschen Sortenfamilien im Vergleich der Anbaugebiete.

Im Tettnanger Anbaugebiet gibt es keine Citra-Pflanzung. Stattdessen wird seit etwa zehn Jahren mit Flavor-Hops aus dem Hüller Zuchtprogramm experimentiert. Mandarina Bavaria, Hallertau Blanc, Polaris. Diese Sorten sind die deutsche Antwort auf den amerikanischen Trend und bringen ähnliche Aromaprofile aus regionaler Produktion.

Was beim Brauen passiert

Citra wird typischerweise als Späthopfen eingesetzt, gegen Ende des Würzekochens oder als Kalthopfung (Dry Hop) in der Lagerphase. So bleiben die flüchtigen Aroma-Öle erhalten. Die Inhaltsstoffe sind ähnlich strukturiert wie bei allen Aromahopfen, nur in anderer Zusammensetzung. Citra hat hohe Anteile an Linalool und Geraniol, was die Zitrus- und Blumennoten erklärt.

Eine Besonderheit: Citra-Aroma intensiviert sich oft erst nach einigen Tagen in der Lagerung. Frisch aufgebraut wirkt das Bier manchmal noch flach. Nach einer Woche kommen die typischen Tropennoten zur Geltung.

Wie viel Citra im Bier landet

In einem American IPA mit Citra-Schwerpunkt können pro Hektoliter Bier mehrere Hundert Gramm Hopfen zum Einsatz kommen, oft kombiniert mit anderen Sorten wie Mosaic, Galaxy oder Cascade. Das ist deutlich mehr als bei klassischen deutschen Pilsner-Bieren, wo etwa 100 Gramm pro Hektoliter normal sind. Mehr zur Funktion von Hopfen im Bier-Artikel.

Was Theresa im selben Atemzug nennt

Theresa redet im Interview nicht direkt über Citra, weil Citra in Tettnang nicht angebaut wird. Sie redet über Mandarina Bavaria, weil das die Flavor-Sorte ist, die sie aus eigener Anbau-Erfahrung kennt. Das Prinzip ist aber dasselbe. Wenn Bier-Trinker weltweit nach Sorten verlangen, die laut, fruchtig und tropisch schmecken, dann profitiert davon die ganze Branche. Auch die Pflanzer im klassischen Aroma-Segment. Wer einmal die fruchtigen Sorten kennenlernt, kommt vielleicht auch zum hochfeinen Tettnanger zurück und schätzt dann den Unterschied.


Theresa Locher führt den Hopfenpflanzerverband Tettnang und ist Gast in pekuu audiostories.