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pekuu Original · Reportage · Lesezeit 3 Min.

Tettnang · Oberschwaben

Hopfenkönigin Tettnang: Wahl, Aufgaben, was wirklich passiert

Der Saal hat sich gefüllt. Sechs- bis siebenhundert Gäste, Hopfenpflanzerfamilien, Brauereikunden, lokale Politik. Vorne sitzen drei junge Frauen. Jede zieht ein Thema, jede hat fünf Minuten…

Der Saal hat sich gefüllt. Sechs- bis siebenhundert Gäste, Hopfenpflanzerfamilien, Brauereikunden, lokale Politik. Vorne sitzen drei junge Frauen. Jede zieht ein Thema, jede hat fünf Minuten Vorbereitung, jede muss eine Rede halten. Drei Bewerberinnen, eine Hopfenkönigin und zwei Prinzessinnen werden am Ende des Abends gewählt.

Das ist die Wahl zur Tettnanger Hopfenkönigin, alle zwei Jahre auf dem Hopfenball. Theresa Locher hat es 2017 selbst mitgemacht. Bei der Wahl sei das natürlich sehr nervenaufreibend, sagt sie. So vielen Leuten zu sprechen, eine Rede zu halten.

Sie hat gewonnen. Was sie damals nicht ahnte, war, dass dieser Abend ihr beruflich Türen öffnen würde, die sonst zu geblieben wären.

Was die Hopfenkönigin eigentlich ist

Die Tettnanger Hopfenhoheiten sind ein Dreigestern. Eine Königin, zwei Prinzessinnen. Gewählt für zwei Jahre, immer von einer ehrenamtlich tätigen Hopfenball-Jury aus der Region. Alle drei stammen aus Hopfenbaubetrieben im Anbaugebiet Tettnang.

Was die drei tun, ist die Repräsentation des Tettnanger Hopfens und der Hopfenregion. Konkret heißt das Auftritte auf regionalen Festen, auf Messen wie der grünen Woche in Berlin, auf Brauereifesten in ganz Deutschland und international. Theresa hat während ihrer Amtszeit unter anderem Italien und die USA besucht. Sie habe zum Beispiel auch nach Italien dürfen, sagt sie, und nach Amerika.

Die Tradition dahinter

Die Tettnanger Hopfenhoheiten gibt es als organisiertes Format seit Anfang der 1950er-Jahre. Damals nach dem Zweiten Weltkrieg, als sich die Region wirtschaftlich neu aufstellte und das Anbaugebiet sich auch wieder marketingmäßig nach außen orientierte. Es gab dann eine Pause, und seit Anfang der 1990er werden die Hoheiten wieder regelmäßig gewählt.

Vergleichbare Hoheiten gibt es in allen vier deutschen Hopfenanbaugebieten. In der Hallertau, in Spalt, in Elbe-Saale. Außerdem in Žatec, dem böhmischen Saazer-Anbaugebiet. Jede Region pflegt ihre eigene Hopfenhoheit-Tradition.

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Was eine Hopfenkönigin lernt

Was Theresa heute sagt, klingt nüchterner, als das Amt anfangs aussieht. Vor sechshundert Leuten zu sprechen, sei nicht das Hauptthema. Das Hauptthema seien die zwei Jahre danach. In dieser Zeit absolvieren die Hoheiten zahlreiche Schulungen: Rhetorikkurse, Benimmkurse, Hopfenfachwissen, Markenkommunikation für den Tettnanger Hopfen.

Theresa nennt einen Effekt, der den späteren Beruf erleichtert hat. Mit Vorbereitung klappe das einfach. Sie habe danach ihre Bachelorarbeit und ihre Masterarbeit eigentlich easy verteidigen können. Wer mit neunzehn vor sechshundert Leuten gestanden hat, hat in puncto Nervosität schon alles erlebt.

Was die Hoheiten dem Anbaugebiet bringen

Hopfenkönigin ist nicht nur schöne Optik. Es ist eine ehrenamtliche Marketing-Funktion, die der Hopfenpflanzerverband Tettnang seit Jahrzehnten erfolgreich nutzt. Die Hoheiten sind Botschafterinnen einer Marke, die sich nicht über klassische Werbung in den Vordergrund stellt, sondern über Begegnung. Auf Messen, Festen, Politiker-Empfängen. Drei junge Frauen aus echten Hopfenfamilien, die ihr Anbaugebiet erklären können.

Theresa, die in dieser Rolle war, beschreibt, was es heute heißt, die amtierenden Hoheiten zu betreuen. Sie nehme die Termine an, koordiniere die Auftritte, organisiere die Schulungen. Sie sei jetzt in der Position, die früher der Geschäftsführer für sie hatte. Der Kreis schließt sich.

Wer den Schritt geht

Bewerben können sich junge Frauen aus dem Anbaugebiet, die aus einem Hopfenbaubetrieb stammen oder eine direkte Verbindung dazu haben. Das Bewerbungs- und Auswahlverfahren ist nicht kompliziert, aber selektiv. Wer kandidiert, muss auf zwei Jahre Ehrenamt eingerichtet sein, regelmäßige Auftritte, vorher Schulungen.

Wer es geschafft hat, gehört für lange Zeit zur Hopfen-Familie der Region. Theresa ist ein Beispiel dafür. Ehemalige Hopfenkönigin, heute Geschäftsführerin des Verbands.


Die Person hinter dem Amt: Personen-Artikel zu Theresa Locher und pekuu-Podcast.