Wenn Rita Goller Besuchergruppen durch ihren Schneckengarten in Münsingen-Rietheim führt, hört sie immer denselben Satz: „Ach, die fressen mir meinen Salat.“ Nach über 20 Jahren Schneckenzucht auf der Schwäbischen Alb kann sie darüber nur den Kopf schütteln. Denn wer Schnecken bekämpfen will, muss erstmal wissen, welche Schnecke er vor sich hat.
Die Weinbergschnecke frisst keinen frischen Salat
Die Gartenbesitzerin kommt morgens raus, sieht eine Weinbergschnecke am Salat sitzen und denkt: Erwischt. Aber Rita Goller weiß es besser. Die Weinbergschnecke frisst das Angesenkte. Das leicht Welke. Den Rest, den andere übriggelassen haben.
„Der Übeltäter war eigentlich nachts unterwegs“, sagt Rita. Die Nacktschnecken. Die kommen in der Dunkelheit, fressen den frisch gesetzten Salat und sind morgens längst wieder verschwunden. Zurück bleibt die Weinbergschnecke mit ihrem auffälligen Häuschen. Die kriegt den Ärger ab.
Rita hat das über Jahre beobachtet. Und Besucher, die vor 20 Jahren zum ersten Mal bei ihr waren, bestätigen es heute: „Das stimmt, was Sie gesagt haben. Die Schnecken fressen den Salat nicht aggressiv ab.“
Warum Weinbergschnecken gegen Nacktschnecken helfen
Hier wird es spannend. Wer Schnecken bekämpfen will, sollte nicht Schneckenkorn streuen, sondern Weinbergschnecken fördern. Das klingt paradox, ist aber die Erfahrung aus Jahrzehnten Gartenbau.
„Viele Weinbergschnecken, dann hat man auch letztendlich fast keine Nacktschnecken“, sagt Rita Goller. In den alten Bauerngärten war das so. Man hatte viele Weinbergschnecken und wenig Probleme. Erst als die Weinbergschnecken durch Sammeln und Klimawandel weniger wurden, explodierten die Nacktschneckenpopulationen.
Das natürliche Gleichgewicht funktioniert. Wo Weinbergschnecken leben, haben Nacktschnecken weniger Raum. Das ersetzt vielleicht nicht jede Maßnahme, aber es hilft. Und es kostet nichts.
So schaffst du Lebensraum für Weinbergschnecken
Die Weinbergschnecke braucht keinen aufgeräumten Garten. Im Gegenteil. Sie will es ein bisschen wild. Etwas Gestrüpp, Sträucher, Bretter oder Altholz als Rückzugsorte. Morgensonne mag sie, Mittagshitze nicht.
Beim Futter ist sie genügsam. Löwenzahn, Kohlblätter, Karottenschalen. Alles nicht ganz frisch, sondern leicht angesenkt. „Das ist das, was sie dann mag“, erklärt Rita. Und wer die Schnecken im Garten findet, sollte sie auf keinen Fall werfen. „Wenn sie eine Schnecke werfen, läuft sie Gefahr, dass das Häuschen kaputt ist, dass sie ein Schädel-Hirn-Trauma kriegt.“
Tragen ist besser. Aber wohin? „Wissen Sie, ob sie über die Straße will oder ob sie nur so getan hat“, sagt Rita mit einem Schmunzeln. Am besten in den Schatten legen, nicht auf den heißen Asphalt.
Schnecken bekämpfen heißt: die Richtigen bekämpfen
Die Weinbergschnecke steht unter Naturschutz. Sie darf nicht gesammelt, getötet oder vertrieben werden. Das ist auch gar nicht nötig. Sie ist keine Plage, sondern ein Nützling.
Wer wirklich ein Nacktschneckenproblem hat, kann gezielt gegen diese vorgehen. Bierfallen, Schneckenzäune, abendliches Absammeln. Aber die Weinbergschnecke in Ruhe lassen. Sie ist der natürliche Verbündete im Garten.
Rita Goller bringt das Kindern bei, seit Jahren. Manche kommen als Erwachsene zurück und erzählen, dass sie seitdem jede Schnecke über die Straße tragen. Das ist vielleicht der größte Erfolg ihrer Arbeit.
Mehr über Rita Gollers Schneckenwissen im pekuu audiostories Podcast.
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