Schnecken Fortpflanzung – Liebespfeil, Zwitter und 21 Tage bis zum Schlüpfen

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Rita Goller hat Tausende von Weinbergschnecken bei der Fortpflanzung beobachtet. Über 20 Jahre lang, in ihrem Schneckengarten in Münsingen-Rietheim auf der Schwäbischen Alb. Was sie erzählt, klingt wie aus einem Liebesroman. Nur langsamer.

Wie die Schnecken Fortpflanzung beginnt

Erst muss die Weinbergschnecke alt genug sein. Mindestens dreieinhalb Jahre. Vorher passiert nichts. Und vorher muss sie noch ein paar andere Dinge erledigen. Im Frühjahr, nach dem Winterschlaf, frisst sie sich erst satt. Dann baut sie an ihrem Haus. „Ich sage immer, das ist ein typischer Schwabe: Schaffe, schaffe, Häusle baue“, sagt Rita Goller.

Erst wenn Bauch voll und Haus fertig, wird es romantisch. Die Weinbergschnecke ist ein Zwitter, also zweigeschlechtlich. Jede Schnecke, die vorbeikriecht, kann ein Partner sein. Das macht die Partnerwahl einfacher als bei den meisten anderen Tieren.

Der Liebespfeil bei der Schnecken Fortpflanzung

Wenn eine Weinbergschnecke eine andere entdeckt, die ihr gefällt, verschießt sie einen Liebespfeil. Das ist keine Metapher. Es ist ein kleiner Kalkpfeil, den das Tier zur Liebesbezeugung in den Partner stößt. Biologen nennen ihn Gypsobelum. Rita nennt es einfach so, wie es ist.

Wenn der Pfeil trifft und beide Schnecken zusammenfinden, beginnt ein Liebesakt, der seinesgleichen sucht. „Das ist ein Tier, das einen langen Liebesspiel hat“, sagt Rita. Mindestens einen ganzen Tag. Manchmal länger. Keine Hektik. Die Schnecke hat ja Zeit.

Von der Geburtshöhle bis zum fertigen Mini-Schneckchen

Nach dem Liebesakt gehen beide Schnecken auseinander. Die Schnecke, die beim Akt die weibliche Rolle übernommen hat, legt die Eier. Dafür gräbt sie ein Loch in die Erde. Nicht irgendwie, sondern präzise, mit der Kriechsohle, wie ein Korkenzieher.

Das Loch wird mit Schleim ausgekleidet, wie eine Geburtshöhle. Dann legt die Schnecke zwischen 20 und 40 Eier hinein, je nach Lebensraum und Ernährungszustand. Das Loch wird verschlossen. Und dann heißt es warten.

Nach genau 21 Tagen schlüpfen die Jungtiere. Fix und fertig mit Häuschen. Klitzeklein, perlmuttgroß. Ab sofort komplett selbstständig. „Die brauchen keine Mutter“, sagt Rita. Aber sie müssen aufpassen. In diesem Stadium sind sie Beute. Mäuse lieben Babyschnecken, weil das Häuschen noch weich ist.

Die ersten Wochen verstecken sich die Kleinen so gut, dass man sie kaum sieht. Nur ab und zu blitzt eine winzige Perle zwischen den Blättern auf. Wer nicht weiß, wonach er sucht, übersieht sie.

Schnecken Fortpflanzung im Jahresrhythmus

Der Zyklus der Schnecken Fortpflanzung folgt dem Rhythmus der Jahreszeiten. Frühjahr: Winterdeckel abstoßen, fressen, Haus bauen. Frühsommer: Partnerwahl, Liebespfeil, Paarung. Sommer: Eiablage, Schlüpfen. Herbst: Die Jungtiere machen ihren ersten Winterschlaf. Und dann beginnt alles von vorne.

Bis eine Schnecke selbst fortpflanzungsfähig ist, vergehen dreieinhalb Jahre. Drei Winter. Drei Mal den Kalkdeckel bilden, drei Mal überleben. Bei jeder milden Winterwoche steigt das Risiko, vorzeitig aufzuwachen und den nächsten Frost nicht zu überstehen.

Rita Goller hat diesen Zyklus dutzendfach miterlebt. Sie weiß, dass jede einzelne geschlechtsreife Weinbergschnecke ein kleines Wunder ist. Drei Jahre Überleben in einer Welt voller Mäuse, Fröste und Rasenmäher.


Rita Goller erzählt den kompletten Lebenszyklus der Weinbergschnecke im pekuu audiostories Podcast.

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