Schnecken halten im Garten – Was Rita Goller nach 20 Jahren Zucht rät

·

Rita Goller hat über 20 Jahre lang Weinbergschnecken auf der Schwäbischen Alb gezüchtet. Zu Spitzenzeiten lebten 70.000 Tiere auf ihrem Gelände in Münsingen-Rietheim. Heute hat sie ein kleines Schaubeet, wo Schulklassen die Tiere beobachten können. Wer selbst Schnecken halten will, bekommt von ihr klare Ansagen.

Was Weinbergschnecken zum Leben brauchen

Einen perfekt gepflegten Rasen können Sie vergessen. Die Schnecke will es wild. „Sie braucht auch ein bisschen einen wilden Garten. Ein bisschen Gestrüpp. Sie will sich verstecken können“, sagt Rita. Bretter, Altholz, dichte Sträucher. Das sind die Rückzugsorte, ohne die geht nichts.

Morgensonne ist wichtig. Die Weinbergschnecke sonnt sich gerne am frühen Tag. Mittagshitze meidet sie. Wer Schnecken halten will, braucht also einen Bereich, der morgens Sonne bekommt und mittags Schatten hat.

Rita hat ihre Gehege mit einem speziellen Schneckenzaun gesichert. Das ist kein normaler Zaun, sondern ein feinmaschiges Netz mit überhängenden Lappen. „Da kommt die Schnecke spätestens beim zweiten überhängenden Lappen nicht mehr rüber, ihr geht die Kraft aus und sie fällt ins Gehege wieder rein.“ Für den Hausgarten reicht oft schon ein Schneckenblech.

Was Schnecken fressen und was nicht

Frischen Salat? Eher nicht. Weinbergschnecken mögen ihr Futter angesenkt. Ein halber Tag in der Sonne, leicht welk, das ist perfekt. „Das ist das, was sie dann mag“, sagt Rita.

Die Lieblingsspeisen nach 20 Jahren Fütterungserfahrung: Löwenzahn, besonders die Blütenstängel. Kohlblätter. Karottenschalen. Gurkenstücke. Salatreste. Und dann gibt es noch die Überraschung: „Sie mag aber auch was Süßes. Melonen frisst sie leidenschaftlich gern.“ Wassermelone ist die absolute Delikatesse. Rita sagt, ihre Schnecken hatten einen süßen Zahn.

Alle paar Jahre muss das Gehege komplett neu bepflanzt werden. Rita säte Salat, Thymian und Löwenzahn direkt ins Gehege ein. Dazu zufüttern, wenn das Grünzeug aufgefressen ist.

Schnecken halten bedeutet: beobachten lernen

Was Rita von anderen Schneckenhaltern unterscheidet, ist die Beobachtungstiefe. „Ich habe anfangs die Schnecken nachts beobachtet. Ich habe die im Prinzip den ganzen Tag beobachtet.“ Sie weiß, welche Schnecke welches Futter bevorzugt. Sie erkennt am Verhalten, ob sich ein Tier wohlfühlt.

Manche Menschen markieren ihre Gartenschnecken mit Farbpunkten und geben ihnen Namen. „Wenn die Schnecken dann nach dem Winterschlaf wieder im Garten erscheinen, dann ist doch das schön, wenn die Gartenschnecke wieder da ist“, findet Rita.

Wer Schnecken halten will, muss auch wissen: Wenn man sie streichelt, reagieren sie. Sie fühlen sich wohl bei sanftem Kontakt. „Wenn man sie streichelt und sie sich dabei wohlfühlen, das ist faszinierend“, sagt Rita. Kinder lernen das sofort.

Warum es heute schwerer ist als früher

Rita Goller hatte Pläne, ihren Betrieb zu vergrößern. 20 Jahre lang hat sie es versucht. Baugenehmigungen, Gutachten, Naturschutz, Tierschutz, Ernährungssicherheit. Jede Behörde wollte etwas anderes. „Und dann natürlich, wenn sie 20 Jahre versuchen, ihren Betrieb zu erweitern und sie merken, das ist einfach nicht gegeben, dann müssen sie selber sich eingestehen, es gibt nur noch ein Zurück.“

Für den Hausgarten gelten diese Hürden nicht. Wer ein paar Weinbergschnecken im Garten hat und ihnen Lebensraum bietet, braucht keine Genehmigung. Einfach machen lassen. Die Schnecken danken es mit einem nacktschneckenfreieren Garten.


Rita Gollers komplette Schneckengeschichte gibt es im pekuu audiostories Podcast.

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert