Der erste Eingang zur Laichinger Tiefenhöhle war so klein, dass nur ein vierzehnjähriger Junge hindurchpasste. Heute gehen 30.000 Besucher pro Jahr durch ihn. Dazwischen liegen 132 Jahre Vereinsarbeit.
Alexander Schneider, Vorstand im Höhlen- und Heimatverein Laichingen, beschreibt die Eingangs-Situation präzise: „Wenn man in die Laichinger Tiefenhöhle reingeht, dann sieht man erst einmal einen künstlichen Eingang. Der ursprüngliche Eingang von der Laichinger Tiefenhöhle ist ein kleines Loch, wo sich ein damals 14-jähriger Junge als erster Mensch durchgezwängt hat.“
Wer heute zur Tiefenhöhle kommt, geht durch ein modernes Gebäude mit Kassenbereich, Garderobe und Audioguide-Ausgabe in den eigentlichen Höhlenschacht. Das hat mit dem ursprünglichen Eingang von 1892 nichts mehr zu tun.
Wie der ursprüngliche Eingang aussah
Im Jahr 1892 grub Johann Georg Mack am Ortsrand von Laichingen Dolomit-Sand. Schneider beschreibt, wie der Eingang entstand: Mack bemerkte, dass sein Sand-Haufen über Nacht kleiner wurde. Er grub nach. „Er fand ein Loch, das anfangs nicht größer als ein Mausloch war.“
Mehr zu dieser Entdeckungsgeschichte im Artikel zu Johann Georg Mack und zur Entdeckung der Tiefenhöhle.
Aus diesem Mausloch wurde durch schrittweises Aufgraben ein nutzbarer Zugang. Der vierzehnjährige Ulrich Mack zwängte sich als erster Mensch hindurch, an einem Seil mit einer Kerze in der Hand. Mehr zu Ulrich Mack im eigenen Artikel: Der vierzehnjährige Erst-Befahrer.
Warum der ursprüngliche Eingang nicht der heutige ist
Über die folgenden Jahre und Jahrzehnte erweiterte sich der ursprüngliche Eingang nicht von selbst. Wer eine Schauhöhle aus einem Sand-Schurf-Loch macht, braucht einen anderen Zugang: gerade Treppen, Geländer, einen sicheren Übergang von außen nach innen, eine Möglichkeit, größere Personengruppen einzulassen.
Der Höhlen- und Heimatverein Laichingen baute deshalb einen neuen Eingang. Wann genau das passierte, ist im Detail Vereinschronik. Wichtig ist, dass die ursprüngliche Mack-Öffnung erhalten blieb, aber nicht mehr als Hauptzugang genutzt wird. Schneider deutet das so an: „Der ursprüngliche Eingang von der Laichinger Tiefenhöhle ist ein kleines Loch, wo sich ein damals 14-jähriger Junge als erster Mensch durchgezwängt hat.“ Das Loch ist noch da. Es wird aber nicht mehr regelmäßig betreten.
Was der heutige Eingang ist
Wer heute am Parkplatz der Tiefenhöhle ankommt, sieht ein Eingangsgebäude. Hier wird der Eintritt gezahlt, der Audioguide ausgehändigt, eventuell die Garderobe genutzt. Vom Gebäude führt der Weg in einen ausgebauten, beleuchteten Eingang, durch den man dann in die ersten Treppenstufen der Höhle gelangt.
Schneider beschreibt, was Besucher beim Eintreten zuerst sehen: „Wenn man dann weiter runterkommt, sieht man dann, wie groß so ein natürlicher Hohlraum entstehen kann. Man sieht aber auch enge Passagen, sieht Leitern und Treppen, die künstlich eingebaut wurden.“
Der Übergang vom künstlichen zum natürlichen Teil ist nahtlos. Direkt nach dem Eintreten verlässt man die ausgebaute Schleuse und steht im ersten Schacht. Stahltreppen führen nach unten, Lampen beleuchten Wände und Stufen. Das, was man sieht, ist echt: Naturkalkstein, von Wasser über Jahrtausende ausgehöhlt.
Welche Funktion der heutige Eingang hat
Ein moderner Schauhöhlen-Eingang erfüllt mehrere Funktionen gleichzeitig. Er ist Eintrittsbarriere, also kontrollierter Zugang nur mit Ticket. Er ist Klimaschleuse, damit nicht ständig kalte Luft aus der Höhle nach draußen und warme von außen nach innen wechselt. Er ist Sicherheitsbarriere, damit niemand unautorisiert in den Schacht steigt. Und er ist Aufnahmebereich, in dem die ersten Informationen und der Audioguide vergeben werden.
Der ursprüngliche Mack-Eingang könnte keine dieser Funktionen erfüllen. Ein Mausloch ohne Sicherung, ohne Beleuchtung, ohne Kontrolle wäre weder versicherbar noch praktikabel.
Was im Eingang vor sich geht
Beim Eintreten in den Eingangsbereich passieren mehrere Dinge in kurzer Folge. Erstens: die Temperatur fällt. Die Höhle hat ganzjährig zwischen sieben und neun Grad, deutlich kühler als die Außenluft im Sommer und ähnlich kühl wie die Außenluft im Winter. Wer im Hochsommer hineingeht, friert nach wenigen Minuten. Schneider erwähnt im Interview zwar nur die Höhlen-Temperaturen im Gebirge (etwa zwei Grad), aber auf der Alb sind sieben bis neun Grad typisch.
Zweitens: das Licht wechselt. Von Tageslicht zu künstlicher Beleuchtung mit warmem, eher gelblichem Ton. Die Adaption der Augen braucht ein paar Sekunden.
Drittens: der Klang wechselt. Außen hört man Verkehr und Vogelstimmen, im Eingangsbereich ist es deutlich ruhiger. Tiefer drinnen wird es noch stiller.
Was der Eingang über die Höhle erzählt
Wer an einem Eingang erkennt, was er von einer Höhle erwartet, hat einen Vorteil. Beim Tiefenhöhlen-Eingang sieht man zwei Dinge sofort.
Erstens: Es ist kein ebener Zugang. Schon nach den ersten Schritten geht es nach unten. Das ist nicht in jeder Schauhöhle so. In der Bärenhöhle oder der Nebelhöhle bleibt man weitgehend auf einer Ebene. Hier wird sofort klar: Diese Höhle geht in die Tiefe, nicht in die Breite.
Zweitens: Die Treppen sind aus Stahl, das Gestein ist echt. Eine Mischung aus Industrie-Sicherheit und Naturmaterial. Wer technische Anlagen wie Bergwerke kennt, sieht hier verwandte Strukturen.
Was an besonderen Tagen passiert
Bei besonderen Anlässen, etwa Vereinsfesten oder Höhleforschungs-Veranstaltungen, kann der ursprüngliche Eingang zugänglich gemacht werden. Wer das sehen will, fragt am besten direkt beim Höhlen- und Heimatverein Laichingen nach. Es gibt keinen regelmäßigen Zugang über das alte Mack-Loch.
Für die normale Saison von Palmsonntag bis Ende der Herbstferien Baden-Württemberg ist der ausgebaute künstliche Eingang die einzige Tür in die Höhle. Mehr zu den Öffnungszeiten der Tiefenhöhle.
Was bleibt
Der ursprüngliche Mack-Eingang ist heute mehr ein Denkmal als ein Zugang. Er erinnert an die zufällige Entdeckung 1892 und an den vierzehnjährigen Jungen, der sich als Erster hindurchzwängte. Der heutige ausgebaute Eingang ist eine moderne Schauhöhlen-Infrastruktur, die 30.000 Besuchern pro Jahr einen sicheren und kontrollierten Zugang ermöglicht.
Beide Eingänge zusammen erzählen die ganze Geschichte der Höhle. Wer durch den modernen geht, sollte einmal innehalten und sich vorstellen, dass dort drüben, ein paar Meter weiter, das Mausloch von 1892 immer noch im Boden steht.
Mehr zu Johann Georg Mack, zur Entdeckungsgeschichte und zum Schauhöhlen-Betrieb im Podcast mit Alexander Schneider.
