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Wimsener Höhle: Die einzige Wasserhöhle Deutschlands mit Schiffstour

Eine deutsche Höhle, durch die man mit einem Boot fährt. Es gibt genau eine.

Die Wimsener Höhle im Lautertal ist die einzige befahrbare Wasserhöhle Deutschlands. Während die meisten Schauhöhlen ein Weg zum Begehen sind und manche, wie die Laichinger Tiefenhöhle, sogar 620 Stufen zum Steigen haben, sitzt der Besucher hier in einem flachen Boot, das ein Bootsführer durch die wassergefüllten Gänge stakt.

Alexander Schneider, Vorstand im Höhlen- und Heimatverein Laichingen, geht im Interview nicht direkt auf die Wimsener Höhle ein, aber er beschreibt allgemein, wie unterschiedlich Höhlen der Schwäbischen Alb sein können. „Normalerweise sind Schauhöhlen Horizontalhöhlen, die einigermaßen eben begangen werden können.“ Die Wimsener Höhle ist auch horizontal, aber statt zu gehen, fährt man hier.

Wo die Wimsener Höhle liegt

Die Wimsener Höhle liegt im Großen Lautertal, etwa drei Kilometer westlich von Hayingen im Landkreis Reutlingen. Das Lautertal ist eines der bekanntesten Wandergebiete der Schwäbischen Alb. Es gehört zum Biosphärengebiet Schwäbische Alb und ist für seine Kalkfelsen, Burgen und engen Tal-Verläufe bekannt.

Von Laichingen aus etwa 30 bis 35 Kilometer in nordwestlicher Richtung. Die Anfahrt führt durch die typische Alb-Landschaft mit Karst-Hochflächen und engen Tälern.

Warum sie eine Wasserhöhle ist

Die Wimsener Höhle ist eine Karstquelle, ähnlich wie der Blautopf in Blaubeuren. Wasser, das vorher durch unterirdische Wege geflossen ist, kommt hier an die Oberfläche. Aber im Gegensatz zum Blautopf, der eine punktuelle Quelle ist, hat die Wimsener Höhle einen begehbaren Eingang, durch den man in die wassergefüllten Gänge hineinkann.

Das Wasser, das hier herauskommt, hat seinen Weg durch Karst-Gestein über mehrere Kilometer zurückgelegt. Es kommt aus dem Friedinger Sumpf, einem höher gelegenen Versickerungs-Gebiet, und tritt in der Wimsener Höhle wieder zutage.

Wer sich für Karst-Hydrologie interessiert: Die Wimsener Höhle ist ein lehrreiches Beispiel dafür, wie Wasser auf der Alb seine Wege findet. Mehr zur Karst-Geologie und zu Karst-Quellen.

Was die Schiffstour bietet

Die Bootstour ist kurz, aber bemerkenswert. Etwa 70 Meter weit kann ein flach-bauender Kahn in die Höhle hineingestakt werden. Dahinter wird die Höhle zu eng oder zu niedrig für das Boot. Aber diese 70 Meter sind die einzigen begehbaren Bootsmeter durch eine deutsche Höhle.

Ein Kahn fasst etwa zehn Personen. Der Bootsführer stakt die Gruppe mit einer langen Stange durch das Wasser, ähnlich wie in venezianischen Gondeln. Während der Fahrt erklärt er die Höhle, die Geologie, die Geschichte.

Die Wassertemperatur in der Höhle ist konstant bei etwa 9 bis 10 Grad. Das Wasser ist klar, weil die Karst-Filterung über die unterirdischen Wege fast alle Schwebstoffe entfernt. Wer hinunterschaut, sieht oft den Boden mehrere Meter unter der Wasseroberfläche.

Warum sie nur saisonal befahren werden kann

Wie die meisten deutschen Schauhöhlen ist auch die Wimsener Höhle nicht ganzjährig geöffnet. Im Winter ruht der Betrieb. Das liegt mehrere Gründe.

Erstens: Fledermausschutz. Die Höhle ist wie alle Schauhöhlen wichtiges Winterquartier für Fledermäuse. Mehr dazu im Artikel zur Höhlenfauna und zu Fledermäusen.

Zweitens: Wasserstände. Im Winter und im Frühjahr nach Schneeschmelze kann der Wasserstand in der Höhle so hoch sein, dass eine sichere Bootstour nicht möglich ist. Die Saison startet meist erst nach der Schneeschmelze.

Drittens: Tourismus-Logik. Die Wimsener Höhle ist Teil eines saisonalen Wandergebiets. Im Winter ist die touristische Nachfrage in der Region gering.

Wer die Höhle betreibt

Die Wimsener Höhle wird von einem örtlichen Trägerverein betrieben. Anders als die Laichinger Tiefenhöhle, die durch den Höhlen- und Heimatverein Laichingen getragen wird, hat die Wimsener Höhle ihre eigene Trägerschaft. Vereinsstrukturen sind in deutschen Schauhöhlen häufig, weil sie ehrenamtliches Engagement mit professioneller Wartung verbinden können.

Was rundherum lohnt

Die Wimsener Höhle liegt in einem der schönsten Talzügen der Alb. Wer hierherkommt, sollte auch das Lautertal selbst erleben. Das Tal hat verschiedene Burgen (Burg Wimsen, Burg Derneck), Wanderwege entlang der Lauter und Aussichtspunkte mit Blick auf die Karst-Felsen.

Eine Tageskombination: Wimsener Höhle am Vormittag, Wanderung im Lautertal am Nachmittag. Wer im Sommer kommt, kann das Tal als Wanderziel oder Picknick-Region nutzen.

Wie sie sich von anderen Höhlen unterscheidet

Die Wimsener Höhle ist in vieler Hinsicht eine Anomalie unter deutschen Schauhöhlen.

Erstens: Wasserhöhle statt Trockenhöhle. Die meisten Schauhöhlen haben nur in einigen Bereichen Wasser. Hier ist der gesamte Schauteil unter Wasser, durch das man fährt.

Zweitens: Boot statt Wandern. Wer eine Tour macht, sitzt. Das ist barrierearm und für Menschen mit Bewegungseinschränkungen ein wichtiger Pluspunkt.

Drittens: kurze Tour. 70 Meter sind deutlich weniger als in den meisten anderen Schauhöhlen. Eine Tour dauert nur 15 bis 20 Minuten. Wer einen kürzeren Höhlen-Besuch will, ist hier richtig.

Im Vergleich zur Charlottenhöhle mit ihren 532 Metern Schauteil ist die Wimsener Höhle eine kurze, aber intensiv andere Erfahrung. Wer die Tiefenhöhle mit ihren 620 Stufen kennt, erlebt hier das genaue Gegenteil. Statt körperlich anstrengend ist die Tour passiv. Statt vertikaler Bewegung horizontale.

Was Karstquellen für die Region bedeuten

Wasser-Höhlen wie die Wimsener Höhle sind nicht nur Tourismus-Attraktionen. Sie sind hydrologische Knotenpunkte. Wer hier Wasser sieht, sieht das Ende eines kilometerlangen unterirdischen Wasserweges.

Auf der Schwäbischen Alb gibt es mehrere wichtige Karstquellen. Der Blautopf in Blaubeuren ist die bekannteste, mit Anschluss an das Blauhöhlensystem. Die Wimsener Höhle ist die einzige, in die man hineinfahren kann.

Diese Wasserwege sind für die Trinkwasserversorgung der Region wichtig. Wer in die Wimsener Höhle einfährt, fährt durch einen Teil des Trinkwasser-Systems der Alb. Verständlich, dass strenge Hygienevorschriften gelten und keine Verunreinigungen ins Wasser gelangen dürfen.

Was bleibt

Die Wimsener Höhle ist ein ganz besonderer Punkt auf der Schauhöhlen-Karte der Schwäbischen Alb. Eine kurze Schiffstour durch eine Wasserhöhle, die in keiner anderen deutschen Höhle so möglich ist. Wer einen Tag durch die Alb plant und etwas Ungewöhnliches sucht, sollte sie auf die Liste setzen.


Mehr zum Blauhöhlensystem, zur Tiefenhöhle und zur Vereinsarbeit im Podcast mit Alexander Schneider.