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Theresa Locher

Sie ist neunzehn. Der Saal hat sich gefüllt. Sechs- bis siebenhundert Gäste sitzen vor ihr. Ihr Name wird verlesen. Fünf Minuten Zeit für eine Rede zu einem Thema, das sie kurz vorher gezogen hat. Es ist die Wahl zur Tettnanger Hopfenkönigin 2017. Theresa Locher beschreibt das heute so. Bei der Wahl sei das schon nervenaufreibend, so vielen Leuten zu sprechen.

Sie gewinnt. Was sie damals nicht ahnt: das ist nicht das Ziel, sondern der Anfang.

Die Pflanze, die der Freund nicht versteht

Aufgewachsen ist Theresa auf dem elterlichen Hopfenhof bei Tettnang. Ihr Leben dreht sich, sagt sie selbst, von morgens bis abends um diese Pflanze. Ihr Freund versteht das nicht ganz. Er habe lange überlegt, erzählt sie, woran es liege, dass eine Familie an einer Pflanze so hängen kann.

Eine kurze Antwort hat sie nicht. Sie hat eine ganze Biografie. Aufgewachsen zwischen tausenden Hopfenstöcken. Im Mai mit der Familie an jedem Stock hocken, drei Triebe behalten, den Rest wegschneiden. Im September Maschinen im Dauerlauf, vier Wochen lang. Hopfenschmaus am Ende. Und immer dieselbe Erde, derselbe Tettnanger Aromahopfen, den weltweit nur sie hier anbauen.

Die Leidenschaft kann tatsächlich in die Wiege gelegt werden, sagt sie. Das meint sie nicht ironisch.

Freising und das Nein der Eltern

Nach dem Abi wollte Theresa direkt eine Landwirtlehre. Die Eltern sagten nein. Schau dir vorher was anderes an, nicht dass du später denkst, du hast etwas verpasst. Sie machte den Kompromiss. Landwirtschaftsstudium in Freising, Bachelor und Master. Das eigentliche Ziel blieb der Hof.

Was sie aus Freising mitnimmt, ist nicht nur das Diplom. Es ist auch die Erfahrung, dass eine Bachelorarbeitsverteidigung nichts ist gegen ein paar hundert Augen auf dem Hopfenball.

Die Wende mit Achtundzwanzig

2019 fing sie beim Hopfenpflanzerverband Tettnang und parallel bei der Außenstelle der Hopfenverwertungsgenossenschaft an. Mehrere Jahre lief sie als rechte Hand des damaligen Geschäftsführers mit. Im letzten Jahr ist sie selbst nachgerückt. Eine der jüngsten Verbandsgeschäftsführerinnen in der deutschen Landwirtschaft.

Über den Wechsel an die Spitze sagt sie einen Satz, der nicht groß klingen will. Hoffentlich wuppe ich das alles. Das ist nicht Koketterie. Das ist die Stimme von jemand, der schneller in eine Verantwortung gewachsen ist als geplant.

Was Theresa hat, was viele auf der Position nicht haben: sie kommt nicht von außen. Sie kenne jeden einzelnen Betrieb, sagt sie. Jeden einzelnen Betriebsleiter. Rund 120 Familienbetriebe gibt es im Anbaugebiet.

Die zwei Welten

Vormittags ist sie auf der Geschäftsstelle. Politische Schiene, Pflanzenschutz, Saisonarbeitskräfte, Marketing, Betreuung der amtierenden Hoheiten. Nachmittags ist sie auf dem elterlichen Hof. Beides hängt zusammen. Sie sehe von A bis Z, sagt sie, was im Anbaugebiet passiert. Vom Hopfenjahr über die politische Schiene bis zur Vermarktung.

Die Frage nach der Frauenrolle in der Landwirtschaft beantwortet sie sachlich. Sie habe nie das Gefühl gehabt, benachteiligt zu sein. Wenn man die Leistung bringt, passe es. Und es kämen mehr Betriebsleiterinnen nach. Das sei eine schöne Entwicklung.

Italien, Amerika, und was danach kam

Während der zwei Hopfenkönigin-Jahre war Theresa in Italien und den USA, auf Messen, Brauereifesten, politischen Veranstaltungen. Sie habe den ein oder anderen Kontakt kennenlernen dürfen, sagt sie. Als sie 2019 beim Verband und der HVG anfing, hatte sie schon Gesichter im Kopf. Das eine, sagt sie, habe das andere ermöglicht.

Wenn der Hof groß genug ist

Den elterlichen Hof eines Tages übernehmen, das ist der Plan. Wann genau, offen. Ihre Eltern seien noch motiviert, sagt sie, sie soll erst noch Erfahrungen außerhalb sammeln. Sie sei ein kompletter Familienmensch, für sie gebe es nichts Schöneres als das Zusammenarbeiten. Das Gute am eigenen Hof sei dann auch, dass er groß genug ist. Wenn es im Streitfall mal nicht harmoniere, könne jeder in eine andere Richtung laufen.

Was bleibt

Tettnang macht rund dreieinhalb Prozent der Welthopfenmenge aus. Klein. Im Aromahopfen-Segment groß. Diese dreieinhalb Prozent bekannter zu machen, ist Theresas Vision. Konkret heißt das: in einer Region weiterarbeiten, in der seit Dezember 2024 jedes Ortsschild den Zusatz Hopfenstadt trägt.

Wenn der Freund von Theresa Locher die Frage stellt, warum eine Familie an einer Pflanze hängt, dann hängt die Antwort an einem Saal im Frühjahr 2017, an einem Mai-Acker und an einem Vater, der sagt sammle erst Erfahrung. Pflanze, Familie und Region sind für sie dasselbe.


Theresa Locher ist Gast in pekuu audiostories. Der Verband, den sie führt, im Unternehmens-Artikel zum Hopfenpflanzerverband Tettnang.