Blautopf Blaubeuren – der türkise Trichter und das Höhlensystem dahinter

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Der Blautopf in Blaubeuren ist die spektakulärste Karstquelle Deutschlands. Ein Trichter aus türkisem Wasser, 21 Meter tief, am Fuß eines weißen Kalkfelsens, gespeist von unterirdischen Flüssen aus einem Höhlensystem, das über 23 Kilometer Länge misst und zu den größten Deutschlands gehört. Das Wasser sieht aus, als wäre es eingefärbt. Es ist nicht eingefärbt.

Was der Blautopf geologisch ist

Der Blautopf ist keine Quelle im klassischen Sinne, sondern ein Quelltopf: ein vertikaler Schacht, an dessen Grund Wasser aus dem Gestein tritt und nach oben steigt. Das Wasser kommt aus dem Blauhöhlensystem, einem ausgedehnten Karstsystem unter der Albhochfläche westlich von Blaubeuren.

Die Schüttung schwankt extrem. Im Mittel sind es rund 2.280 Liter pro Sekunde. Nach starken Regenfällen kann die Schüttung auf über 30.000 Liter pro Sekunde ansteigen — dann verwandelt sich der normalerweise fast ruhige Trichter in einen aufgewühlten Strudel.

Die Wassertemperatur liegt ganzjährig bei rund 9 bis 10 Grad Celsius.

Die Farbe und ihr Geheimnis

Das türkise Blau des Blautopfs ist kein Pigment. Es entsteht durch Lichtbrechung und -absorption in außergewöhnlich klarem Wasser. Rotes Licht wird vom Wasser schneller absorbiert als blaues Licht, und weil das Wasser im Blautopf extrem kalkhaltig und kaum getrübt ist, dringt das blaue Licht besonders tief und wird besonders stark gestreut. Je nach Tageszeit und Wetterlage kann das Wasser von Himmelblau bis Tannengrün schillern.

Das Höhlensystem dahinter

Was unter dem Blautopf liegt, ist eine geologische Rarität. Das Blauhöhlensystem erstreckt sich über mehrere Kilometer in der Karsthochfläche der Alb. Der Zugang zum Blautopf selbst ist ein Siphon — ein wassergefüllter Röhrenabschnitt, der nur mit Tauchausrüstung zu durchqueren ist.

Die erste erfolgreiche Tauchexpedition in das Blausystem gelang 1961. Jochen Hasenmayer war einer der ersten Höhlentaucher, die den ersten Siphon überwanden. In den folgenden Jahrzehnten erforschten Taucher des Arbeitskreises Blaukarst immer tiefere Bereiche. 2006 wurde der sogenannte „Mörikedom“ entdeckt — eine riesige Halle von über 125 Metern Höhe, benannt nach dem schwäbischen Dichter Eduard Mörike.

2006 wurde die Hessenhauhöhle bei Sonderbuch entdeckt, ein zweiter natürlicher Zugang zum Blausystem, der ohne Tauchen begehbar ist.

Die Geschichte der Höhlenforschung

Tauchgänge im Blautopf sind gefährlich. Mehrere Forscher sind bei Expeditionen ums Leben gekommen. Das Wasser ist kalt, dunkel, die Orientierung schwierig, die Entfernungen groß. Moderne Tauchexpeditionen dauern oft mehrere Tage.

Die Vereinigung von Höhlenforschern und Tauchern, die das Blausystem über Jahrzehnte erschlossen haben, heißt Forschergruppe Blaukarst. Heute ist das Blausystem eines der am besten erforschten Höhlensysteme Deutschlands.

Der Ort Blaubeuren

Der Blautopf liegt direkt in Blaubeuren, einer kleinen Stadt zwischen Ulm und der Schwäbischen Alb. Der Topf ist Teil eines historischen Ensembles: Direkt daneben steht das ehemalige Kloster Blaubeuren, heute ein Internat mit einer spätgotischen Klosterkirche, deren Hochaltar von 1494 als einer der bedeutendsten Flügelaltäre Süddeutschlands gilt.

Unmittelbar am Blautopf steht die historische Hammerwerk-Mühle, heute ein Museum.

Was Besucher erleben

Der Blautopf ist öffentlich frei zugänglich. Ein Spazierweg führt um den Trichter herum, mehrere Aussichtspunkte erlauben Blicke in verschiedenen Winkeln. Der beste Moment ist der frühe Morgen, wenn keine Busreisen angekommen sind.

Innerhalb der Karstquelle selbst ist Betreten verboten. Für normale Besucher gibt es Führungen im Hammerwerk-Museum.

Blautopf und Laichinger Tiefenhöhle

Beide Orte sind Teil desselben Karstsystems der mittleren Schwäbischen Alb, liegen rund 25 Autominuten voneinander entfernt. Der Blautopf zeigt, wie Wasser wieder aus dem Gestein kommt. Die Laichinger Tiefenhöhle zeigt, wie Wasser durch das Gestein arbeitet.

Alexander Schneider vom Höhlen- und Heimatverein Laichingen hat die theoretische Frage nach einer direkten Verbindung präzise formuliert: „Eine Verbindung von der Laichinger Tiefenhöhle zum Blautopf existiert bisher nur in unserer Fantasie. Es gibt Wasserwege, also Wege, die es Wasser nehmen kann, um zum Blautopf zu gelangen. Allerdings ist noch nichts bekannt, was groß genug wäre, damit ein Mensch durchkommt.“

Anfahrt und Kontakt

Blautopf Klosterhof, 89143 Blaubeuren Frei zugänglich, kein Eintritt

Von Ulm kommend über die B28 nach Blaubeuren, etwa 15 Minuten. Von Stuttgart über A8 und B28, rund 70 Minuten. Der Blautopf ist Teil des UNESCO Global Geopark Schwäbische Alb und als Geopoint besonders gekennzeichnet.

FAQ zum Blautopf

Warum ist der Blautopf blau? Durch Lichtbrechung in extrem klarem, kalkhaltigem Wasser. Rotes Licht wird schneller absorbiert als blaues, blaues Licht dringt tiefer ein und wird stärker gestreut.

Wie tief ist der Blautopf? An der tiefsten Stelle rund 21 Meter. Direkt unter der Wasseroberfläche beginnt ein schräger Schacht, der in das Blauhöhlensystem hineinführt.

Kann man im Blautopf baden? Nein. Schwimmen im Topf ist verboten, auch wegen der Wassertemperatur von 9 bis 10 Grad und der starken Strömung bei hoher Schüttung.

Wie viel Wasser fließt durch den Blautopf? Im Durchschnitt rund 2.280 Liter pro Sekunde. Nach starken Regenfällen kann die Schüttung auf über 30.000 Liter pro Sekunde ansteigen.

Gibt es Führungen im Blauhöhlensystem? Normale touristische Führungen nicht. Das System ist nur für erfahrene Höhlentaucher mit spezieller Ausbildung zugänglich.