Pflanzliche Eiweißquellen
Wer nach pflanzlichen Eiweißquellen sucht, landet schnell bei Soja, Erbsen, Linsen und Bohnen. Alles solide Optionen. Aber eine Hülsenfrucht, die in Deutschland auf dem Acker wächst und trotzdem kaum jemand kennt, toppt die meisten davon: die Süßlupine.
Linda Kelly baut sie seit 2013 auf ihrem Biolandhof in Herdwangen-Schönach am Bodensee an. Wenn sie über die Nährwerte spricht, merkt man, dass sie die Zahlen schon hundertmal aufgesagt hat und trotzdem begeistert ist. „Sehr viel Eiweißanteil, wenig Kohlenhydrate. Sie ist basisch, hat alle essentiellen Aminosäuren.“
Was pflanzliche Eiweißquellen leisten müssen
Das Problem vieler pflanzlicher Proteine ist die Vollständigkeit. Der menschliche Körper braucht zwanzig Aminosäuren, neun davon kann er nicht selbst herstellen. Die müssen über die Nahrung kommen. Bei tierischem Eiweiß ist das kein Problem. Fleisch, Eier, Milch liefern alle neun. Bei pflanzlichen Eiweißquellen gibt es oft Lücken.
Reis hat zu wenig Lysin. Weizen hat zu wenig Lysin und Threonin. Erbsen sind arm an Methionin. Deshalb heißt es immer: pflanzliche Proteine kombinieren. Hülsenfrüchte mit Getreide, Reis mit Bohnen, Hummus mit Brot. Das funktioniert, aber es setzt Wissen voraus und zwingt zu komplizierten Mahlzeiten.
Die Süßlupine macht es einfacher. „Sie hat alle essentiellen Aminosäuren“, sagt Linda Kelly. Kein Kombinieren nötig. Ein Lebensmittel, das den gesamten Bedarf abdecken kann. Für Veganer und Vegetarier macht das die Lupine zu einer der stärksten pflanzlichen Eiweißquellen überhaupt.
Lupine vs. Soja
Der naheliegende Vergleich ist Soja. Soja ist ebenfalls eine Hülsenfrucht mit vollständigem Aminosäureprofil. Aber der größte Teil des in Deutschland konsumierten Sojas kommt aus Übersee. Brasilien, USA, Argentinien. Langer Transportweg, große CO2-Belastung.
Linda Kellys Position ist klar. „Alles, was hier regional vor der Haustüre wächst, das ist einfach die bessere Wahl.“ Ihr Slogan: „Soja-Näh-Lupinen.“ Die Lupine wächst auf ihren eigenen Feldern, zehn Kilometer vom Bodensee. Kein Container, keine Rodung, kein Zwischenhändler. Und geschmacklich, sagt sie, „toppt die Lupine die Sojabohne noch ein bisschen.“
Es gibt inzwischen auch deutschen Sojaanbau, und den findet Linda Kelly gut. Aber die Lupine passt besser zum Klima in Süddeutschland und braucht weniger Wärme als Soja. Auf dem Höhenzug im Linzgau, wo ihr Hof liegt, kommt die Süßlupine mit den Böden und dem Wetter gut zurecht.
Wie man die Lupine in den Alltag einbaut
Pflanzliche Eiweißquellen lassen sich mit der Lupine einfach integrieren. Lupinenmehl ersetzt zwanzig Prozent des Weizenmehls beim Backen. Lupinenschrot kocht man in Brühe und macht daraus Couscoussalat oder Bolognese. Lupinenflocken kommen ins Müsli. Und der Lupinenkaffee ist zwar kein Eiweißshake, aber auch er bringt das Protein der Lupine in den Alltag.
Linda Kelly weist immer darauf hin: Lupinen vor dem Verzehr erhitzen. „Roh schmeckt die Lupine bohnig und erbsig.“ Durch Kochen, Backen oder Rösten entfaltet sich der nussige Geschmack, und die Verdaulichkeit verbessert sich. Das Eiweiß bleibt erhalten.
Mehr als nur Eiweiß
Pflanzliche Eiweißquellen sind nicht alle gleich. Die Süßlupine bringt neben dem Eiweiß weitere Vorteile mit: basische Wirkung, wenig Purin für Gichtpatienten und einen niedrigen glykämischen Index, der den Blutzucker schont. „Wenig Purin, was bei Gicht interessant ist, sie lässt den Blutzuckerspiegel langsam ansteigen“, fasst Linda Kelly zusammen.
Eine Pflanze, die Eiweiß liefert, den Boden verbessert und regional wächst. Wer pflanzliche Eiweißquellen sucht, sollte die Lupine ganz oben auf die Liste setzen.
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