Lupine Gründüngung: Wie die Süßlupine den Boden verbessert

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Lupine Gründüngung

Die meisten Kulturen nehmen dem Boden etwas weg. Weizen entzieht Stickstoff, Mais entzieht Nährstoffe, Kartoffeln verdichten den Boden. Die Lupine macht das Gegenteil. Sie hinterlässt den Boden besser als sie ihn vorgefunden hat. „Die Lupine ist eine absolute Superkultur“, sagt Linda Kelly. Und das Wort Superkultur bezieht sich bei der Bio-Landwirtin aus Herdwangen-Schönach am Bodensee nicht auf den Ertrag, sondern auf den Boden.

Wie die Lupine als Gründüngung funktioniert

Die Süßlupine ist eine Leguminose. An ihren Wurzeln sitzen Knöllchenbakterien der Gattung Bradyrhizobium. Diese Bakterien haben eine Fähigkeit, die keine andere Pflanzengruppe mitbringt: Sie binden Luftstickstoff und wandeln ihn in eine pflanzenverfügbare Form um. „Sie hat die Fähigkeit, Luftstickstoff über ihre Knöllchenbakterien im Boden anzureichern und den Stickstoff für sich selber zu verwenden und auch für die Folgekultur zu hinterlassen“, erklärt Linda Kelly.

Im Ökolandbau, wo kein synthetischer Stickstoffdünger eingesetzt wird, ist die Lupine als Gründüngung deshalb besonders wertvoll. Sie macht das, was im konventionellen Anbau der Mineraldünger erledigt. Nur langsamer, natürlicher und ohne Abhängigkeit von Lieferketten und Energiepreisen.

Mehr als Stickstoff

Die Lupine bringt als Gründüngung nicht nur Stickstoff mit. Ihre Pfahlwurzel dringt tief in den Boden ein und lockert verdichtete Schichten auf. Nährstoffe, die für Flachwurzler unerreichbar sind, werden nach oben geholt. Nach der Ernte verrotten die Wurzelreste und lassen Kanäle zurück, die Wasser und Luft in tiefere Schichten leiten.

Das Bodenleben profitiert ebenfalls. Regenwürmer finden organisches Material, Mykorrhiza-Pilze breiten sich entlang der Wurzelkanäle aus, Mikroorganismen zersetzen die Erntereste und setzen dabei Nährstoffe frei. Ein Lupinenfeld ist nach der Ernte kein leerer Acker, sondern ein Boden in Aufbruchstimmung. Die Lupine ist auch bienenfreundlich, was die Wirkung über den Boden hinaus erweitert.

Lupine in der Fruchtfolge

Linda Kelly baut ihre Süßlupinen bewusst in die Fruchtfolge ein. „Fruchtfolgen muss man einhalten, um Unkraut zu unterdrücken, um keine Krankheiten zu verschleppen und um die Bodenfruchtbarkeit zu fördern“, betont sie. Die Lupine steht idealerweise vor einer stickstoffzehrenden Kultur wie Weizen oder Dinkel. Der Weizen nach Lupine bringt in der Regel bessere Erträge als Weizen nach Weizen, weil er den im Boden hinterlassenen Stickstoff nutzen kann.

Anbaupausen von mindestens vier Jahren empfehlen sich, um Pilzkrankheiten wie die Anthraknose in Schach zu halten. Wer die Lupine als Gründüngung nutzt, sollte sie also nicht jedes Jahr auf dem gleichen Acker haben. Auf dem Biolandhof Kelly rotieren die Lupinenflächen durch den gesamten Betrieb.

Gründüngung und Lebensmittel gleichzeitig

Was Linda Kellys Ansatz von der klassischen Gründüngung unterscheidet: Sie nutzt die Lupine nicht nur als Bodenverbesserer, sondern auch als Lebensmittel. Die Lupinensamen werden geerntet und zu Kaffee, Mehl, Würze und mehr verarbeitet. Die Stoppeln und Wurzeln bleiben auf dem Feld und wirken als Gründüngung.

Eine Kultur, die gleichzeitig Lebensmittel liefert und den Boden düngt. „Alles, was hier regional vor der Haustüre wächst, das ist einfach die bessere Wahl“, sagt Linda Kelly. Das ist der Grund, warum sie die Lupine Superkultur nennt. Und warum zehn Hektar auf ihrem Biolandhof inzwischen der Süßlupine gehören.

Mehr über Linda Kelly im pekuu audiostories Podcast.

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