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Brigantia Sherry Cask. Vollreifung im Sherry-Fass

An der Aroma-Bar bei der Whisky-Tour in Kressbronn steht eine Reihe einzelner Duftproben. Nougat ist dabei. Man riecht erst an der Nougat-Probe, dann am Glas mit einem Sherry-Cask-Brigantia. Bei den meisten Gästen fallen die zwei Eindrücke zusammen. Nougat-Töne sind, was Steinhausers Sherry-Whisky prügelt. Moritz sagt das so: „Unser Brigantia hat meistens Nougat-Töne.“

Das ist kein Zufall. Wer in einem Sherry-Fass vollreift, holt sich diese Aroma-Familie über Jahre ins Destillat. Anders als beim Sherry-Cask-Finish, bei dem ein Whisky nur die letzten Monate im Sherry-Fass verbringt, geht der Brigantia Sherry Cask von Anfang an in das Fass und bleibt dort, bis er fertig ist.

Wer den Sherry-Cask-Brigantia brennt

Hinter dem Brigantia steht die Familie Steinhauser. Steinhauser Bodensee Hausbrennerei und Weinkellerei, sechste Generation, Brennrecht seit 1828, Standort Kressbronn zwischen Apfel- und Birnenplantagen. 2008 begann die Familie mit Whisky. Heute liegen über 2000 Whiskyfässer im Lager, das älteste von 2010. 2024 wurde Steinhauser vom Verband der Deutschen Whisky-Brenner als Deutschlands beste Whisky-Destillerie ausgezeichnet.

Im Sortiment ist der Sherry-Cask-Brigantia eine eigene Linie. Daneben gibt es Eilerfass-Vollreifungen (rauchig, Brigantia Peat Lake Edition), Single-Cask-Abfüllungen aus einzelnen Fässern und Multi-Cask-Whiskys, die über mehrere Fasstypen wandern.

Was Sherry-Cask-Vollreifung bedeutet

In der Whisky-Welt werden zwei Konzepte oft verwechselt. Sherry-Cask-Finish und Sherry-Cask-Vollreifung sind nicht dasselbe.

Beim Finish liegt der Whisky den grössten Teil seiner Reifezeit in Bourbon- oder anderen Fässern. Nur die letzten Monate verbringt er im Sherry-Fass. Das gibt eine dünne Schicht Sherry-Aromatik oben drauf, das Grundprofil bleibt ein Bourbon-Profil.

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Bei der Vollreifung geht das Destillat direkt in das Sherry-Fass und reift dort komplett. Das Fass hat dadurch viel mehr Zeit, sein Aroma in das Destillat zu geben. Die Trockenfrüchte, das Nougat, die süßen Bittertöne gehen tief in den Whisky hinein. Das Ergebnis ist runder, weicher, weniger spitzig.

Moritz beschreibt den Unterschied so, dass bei der Sherry-Vollreifung „die Ecken und Kanten“ eines Whiskys nicht gewollt sind. Sie sollen verschwinden. Bei einer Eilerfass-Vollreifung sieht es anders aus, da gehören die Ecken und Kanten zum Stil. Beim Sherry nicht. Wer einen Sherry-Cask-Brigantia öffnet, soll keine Schärfe spüren.

Welche Aromen drin sind

Der Sherry-Cask-Brigantia trägt meistens Nougat-Töne, Trockenfrüchte und eine warme Süße. Das gibt das Fass, nicht das Destillat. Das Destillat selber kommt mit 58 bis 60 Volumenprozent ins Fass, über die Jahre verschiebt sich das Profil komplett. Was am Ende abgefüllt wird, hat mit dem Newmake nicht mehr viel zu tun.

Wer den Brigantia Sherry Cask mit anderen Sherry-Whiskys vergleicht, sieht den Unterschied zur Bodensee-Region am ehesten in der Temperatur. Whisky atmet im Fass mit dem Wetter. Am Bodensee sind die Sommer heiß, der See gibt Feuchtigkeit ab, die Winter sind mild. Diese Bewegung macht das Fass aktiver. Über gleiche Reifedauer kommt am Bodensee mehr Aroma aus dem Holz als in einer kühlen Highland-Lagerung.


Mehr über den Brigantia Sherry Cask, die Brigantia-Familie und die Whisky-Welt der Steinhausers im Podcast pekuu audiostories.