UNESCO Global Geopark Schwäbische Alb – 6.200 km² Erdgeschichte

·

Der UNESCO Global Geopark Schwäbische Alb ist eines der größten Schutzgebiete seiner Art in Europa. 6.200 Quadratkilometer, verteilt über zehn Landkreise, 200 Kilometer lang, im Schnitt 40 Kilometer breit. Aber ein Geopark ist kein Naturschutzgebiet im klassischen Sinn. Er ist ein Konzept, das Geologie, Bildung, Tourismus und regionale Entwicklung verbindet. Die Schwäbische Alb trägt dieses Label seit 2015 und ist einer von 161 UNESCO Global Geoparks weltweit.

Was ein Geopark überhaupt ist

Ein UNESCO Global Geopark ist eine Region, die ein außergewöhnliches geologisches Erbe besitzt und dieses Erbe aktiv schützt, erforscht und der Öffentlichkeit vermittelt. Der Begriff wurde in den späten 1990er Jahren entwickelt und 2015 offiziell zu einer UNESCO-Kategorie gemacht.

Drei Kernaufgaben definieren einen Geopark:

Schutz des geologischen Erbes. Fossile Fundstätten, Höhlen, besondere Gesteinsformationen, Karstquellen dürfen nicht verloren gehen.

Bildung und Vermittlung. Die Geologie der Region muss für die Öffentlichkeit sichtbar und verständlich gemacht werden.

Nachhaltige Regionalentwicklung. Tourismus wird geosensitiv ausgerichtet, lokale Produzenten eingebunden, Partnerschaften mit Schulen und Hochschulen aufgebaut.

Warum die Alb dieses Label bekommt

Die Schwäbische Alb ist geologisch ein Jurassic Park im wörtlichen Sinn. Das Gebirge besteht aus Kalksteinen, die zwischen 145 und 201 Millionen Jahren alt sind. Die wissenschaftliche Unterteilung der Jurazeit wurde hier entwickelt. Begriffe wie „Aalenium“ oder „Pliensbachium“ in der internationalen geologischen Fachsprache stammen aus Orten auf der Schwäbischen Alb.

Die Alb hat mehr als 2.800 dokumentierte Höhlen, darunter zwölf Schauhöhlen. Sie hat weltberühmte Fossilienfundstätten. Dazu kommt das archäologische Erbe der UNESCO-Welterbestätten „Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb“.

Wie der Geopark aufgebaut ist

Der Geopark wird vom Verein UNESCO Global Geopark Schwäbische Alb e.V. betrieben. Mitglieder sind die zehn Alb-Landkreise sowie der Schwäbische Alb-Tourismus-Verband, der Industrieverband Steine & Erden Baden-Württemberg, die Stiftung Kessler + Co für Bildung und Kultur sowie die Kommunen Steinheim am Albuch, Schelklingen und Beuren.

Die Geschäftsstelle sitzt in Schelklingen mit fünf Mitarbeitern. Geschäftsführer ist Dr. Siegfried Roth. Vorsitzender ist Markus Möller, Erster Landesbeamter des Alb-Donau-Kreises.

Infostellen und Geopoints

Das Netzwerk des Geoparks funktioniert auf zwei Ebenen.

Infostellen sind größere Einrichtungen — Museen, Naturschutzzentren, Schauhöhlen, Bildungseinrichtungen. Von diesen gibt es derzeit 28. Die Laichinger Tiefenhöhle ist eine davon.

Geopoints sind kleinere, dezentrale Orte. Sie markieren geologische Einzelobjekte in der Landschaft — eine Karstquelle, einen Vulkanschlot, eine Kalktuffterrasse. Aktuell existieren rund 38 Geopoints (Stand Juni 2024).

Die Rolle der Ehrenamtlichen

Der Geopark funktioniert nur, weil ein großes Netzwerk von Ehrenamtlichen ihn trägt. Höhlenvereine wie der Höhlen- und Heimatverein Laichingen betreuen ihre Schauhöhlen und die Forschung im Umland. Natur- und Landschaftsführer leiten Touren. Schulvereine und -lehrkräfte entwickeln Geopark-Bildungsangebote.

Internationale Partnerschaften

Der Geopark Schwäbische Alb hat zwei offizielle Partnerschaften mit anderen UNESCO Global Geoparks weltweit:

  • UNESCO Global Geopark Rokua in Finnland (seit 2013). Schwerpunkt: Geopark-Schulen.
  • UNESCO Global Geopark Aso in Japan (seit 2023). Schwerpunkt: Geogefahren und Klimawandel.

Was der Geopark für Besucher konkret bedeutet

Wer die Schwäbische Alb besucht, merkt nicht sofort, dass er in einem UNESCO Global Geopark ist. Das Gebiet ist nicht eingezäunt. Was man merkt, ist die Infrastruktur: Geopoints am Wegesrand, Infostellen mit Geopark-Logo, Schilder an Karstquellen und Fossilienfundstätten.

Der praktische Mehrwert: Ein Besuch wird reicher, weil die Zusammenhänge sichtbar sind. Man sieht nicht nur eine Höhle, sondern versteht, wie sie in die Geologie der Region passt.

Für Deutschland ein besonderer Status

Neben der Schwäbischen Alb gibt es in Deutschland nur noch fünf weitere UNESCO Global Geoparks: Bergstraße-Odenwald, Harz-Braunschweiger Land-Ostfalen, Vulkaneifel, TERRA.vita und Muskauer Faltenbogen.

Weltweit führt Europa das Netzwerk an. Von 161 UNESCO Global Geoparks weltweit liegt ein Großteil in europäischen Ländern.

Kontakt

UNESCO Global Geopark Schwäbische Alb e.V. Marktstraße 17, 89601 Schelklingen Web: geopark-alb.de Telefon Geschäftsstelle: 07394/248-70