Wer in Laichingen ist und noch eine andere Tropfsteinhöhle in unter zehn Kilometer Entfernung sucht, hat eine kurze Antwort: Westerheim. Genauer: die Schertelshöhle.
Alexander Schneider, Vorstand im Höhlen- und Heimatverein Laichingen sagt. „Es gibt andere Schauhöhlen auf der Schwäbischen Alb, gerade auch Laichingen herum. Zum Beispiel die Sontheimer Höhle oder die Schertelshöhle bei Westerheim.“
Wo Westerheim und die Schertelshöhle liegen
Westerheim ist eine Gemeinde im Alb-Donau-Kreis, etwa acht Kilometer westlich von Laichingen. Wer von der Tiefenhöhle aus losfährt, ist in unter zehn Minuten dort. Die Schertelshöhle liegt am Rande der Gemeinde im sogenannten Albtrauf, also dem Abbruch der Schwäbischen Alb zum westlich anschließenden Albvorland.
Die Höhle ist nach dem Höhlenforscher Konrad Schertel benannt, der sie im neunzehnten Jahrhundert für die Öffentlichkeit erschloss. Ähnlich wie die Sontheimer Höhle gehört sie zu den älteren Schauhöhlen der Region und blickt auf eine über hundertjährige Besucher-Geschichte zurück.
Was eine Tropfsteinhöhle hier zu bieten hat
Die Schertelshöhle ist eine klassische Horizontalhöhle. Mehrere Säle und Verbindungsgänge, weitgehend in horizontaler Ebene, mit etwa 212 Meter Gesamtlänge im Schauteil. Wer hier durchgeht, läuft auf relativ ebenen Wegen, anders als in der Laichinger Tiefenhöhle mit 620 Stufen.
In den Sälen finden sich verschiedene Tropfstein-Strukturen. Stalaktiten von der Decke, Stalagmiten am Boden, einige Säulen, Sinter-Überzüge an den Wänden und einige Sonderformen, wie Schneider sie aus seinem allgemeinen Tropfstein-Wissen beschreibt: „Sonderformen wie zum Beispiel Knöpfchen-Sinter oder Excentriques oder Macaroni.“ Mehr zu diesen Familien im Artikel zu Sinter und Tropfsteinen.
Wie alt die Tropfsteine sind
Tropfsteine wachsen langsam. Schneider erklärt im Interview, dass die Wachstumsgeschwindigkeit von mehreren Faktoren abhängt: „So ein Tropfstein wächst ganz unterschiedlich schnell. Das hängt nämlich mit mehreren Sachen zusammen. Zum einen mit der Temperatur, zum anderen wie viel Kalk im Wasser gelöst ist und dann auch wie viel Kalk aus dem Wasser rausgelöst werden kann.“
Für die Tropfsteine der Schertelshöhle gilt, was für die meisten süddeutschen Tropfsteinhöhlen gilt. Die größten Strukturen sind in der Größenordnung von zehntausenden Jahren alt. Wer einen großen Stalagmiten sieht, sieht möglicherweise das Werk eines Zeitraums, in dem sich Mensch-Kulturen mehrfach gewandelt haben.
Wer die Höhle heute betreibt
Die Schertelshöhle wird vom Höhlenverein Westerheim betrieben. Wie der Laichinger Verein ist es ein lokaler Trägerverein, der die Schauhöhlen-Infrastruktur erhält, Führungen organisiert und die Wartungsarbeiten übernimmt. Mehr zum Vergleich der Vereins-Modelle im Artikel zum Höhlen- und Heimatverein Laichingen.
Die Schertelshöhle hat klassische geführte Touren, die zu festen Zeiten stattfinden. Eine Führung dauert in der Regel etwa 30 bis 45 Minuten und führt durch den ausgebauten Teil der Höhle.
Was Besucher erwartet
Wer einen Besuch in der Schertelshöhle plant, sollte folgendes wissen.
Erstens: Die Tour ist geführt, nicht im eigenen Tempo. Anders als die Tiefenhöhle mit ihrem Audioguide-System gibt es hier klassische Gruppen-Führungen.
Zweitens: Die Höhle ist relativ flach. Es gibt einige Stufen, aber keine Treppen-Maraton wie in der Tiefenhöhle. Wer keine 620 Stufen steigen will, ist hier richtig.
Drittens: Die Temperatur ist konstant kühl, ähnlich wie in anderen Alb-Höhlen. Eine leichte Jacke ist auch im Hochsommer angemessen.
Viertens: Saisonalität. Wie die meisten deutschen Schauhöhlen ist die Schertelshöhle im Winter geschlossen, aus Fledermausschutz-Gründen. Mehr zur Höhlenfauna und Fledermäusen und zum Winter-Sperr-Konzept deutscher Höhlen. Die genauen Saison-Daten variieren leicht von Höhle zu Höhle und sollten vor einem Besuch geprüft werden.
Wie sich Schertelshöhle und Tiefenhöhle unterscheiden
Die beiden Höhlen liegen nur acht Kilometer auseinander, sind aber komplett unterschiedliche Höhlen-Erfahrungen.
Die Tiefenhöhle ist eine Schachthöhle. 55 Meter senkrecht in die Tiefe. Wenige große Tropfsteine, dafür Sinter-Überzüge und die geologische Sensation der zwei parallelen Schächte. Tour-Konzept: Audioguide im eigenen Tempo.
Die Schertelshöhle ist eine Horizontalhöhle. Etwa 200 Meter Gesamtlänge in mehreren Sälen. Viele und größere Tropfsteine. Klassisches Tropfsteinhöhlen-Erlebnis. Tour-Konzept: geführte Gruppen.
Wer beide Höhlen besucht, hat eine Schwäbisch-Alb-Höhlen-Erfahrung, die das Spektrum recht gut abdeckt. Wer nur eine besuchen will, wählt nach Interesse. Tropfsteine? Schertelshöhle. Tiefe und Geologie? Tiefenhöhle.
Was an einem Tag möglich ist
Wer einen Tag plant, kann beide Höhlen kombinieren. Vormittags die Schertelshöhle für die Tropfstein-Erfahrung, Mittagspause in Westerheim oder Laichingen, nachmittags die Tiefenhöhle für die Tiefen-Erfahrung. Das passt zeitlich gut.
Beide Touren liegen jeweils im Bereich von 30 bis 45 Minuten reiner Höhlenzeit. Mit An- und Abreise, Eintritt und kleinen Pausen plant man pro Höhle etwa zwei Stunden. Ein Tag mit beiden Höhlen ist also entspannt machbar.
Wer noch mehr will, kann mit der Sontheimer Höhle eine dritte Schauhöhle in derselben Region einbeziehen. Dann wird der Tag aber sportlich, drei Höhlen plus Fahrten dazwischen.
Anfahrt und praktische Hinweise
Westerheim ist über die A 8 erreichbar. Abfahrt Merklingen-Schwäbische Alb, dann etwa fünfzehn Kilometer in Richtung Albstadt. Die Schertelshöhle ist ausgeschildert. Es gibt einen Parkplatz direkt an der Höhle.
Wer aus Stuttgart oder Ulm anreist, sollte die Anreisezeit zusammen mit der Anreise zur Tiefenhöhle planen, falls eine Kombination geplant ist. Beide liegen so dicht beieinander, dass die zusätzliche Fahrt nur wenige Kilometer ausmacht.
Mehr zur Sontheimer Höhle, zu Sinter und Tropfsteinen und zur Tiefenhöhle im Podcast mit Alexander Schneider.
