Wer Tropfsteine sehen will, fährt nicht nach Laichingen. Das sagt der Mann, der die Laichinger Tiefenhöhle betreibt.
Alexander Schneider, Vorstand im Höhlen- und Heimatverein Laichingen, ist im Interview offen darüber. „Bei uns in der Laichinger Tiefenhöhle gibt es gar nicht so viele Tropfsteine. Die meisten sind relativ klein. Wir haben eher dann so Sinter-Überzug an der Wand.“ Und dann seine Empfehlung: „Es gibt andere Schauhöhlen auf der Schwäbischen Alb, gerade auch Laichingen herum. Zum Beispiel die Sontheimer Höhle oder die Schertelshöhle bei Westerheim. Da hat es dann auch deutlich mehr Tropfsteine und auch größere Tropfsteine.“
Wer in der Region ist und richtige Tropfsteine sehen will, hat eine klare Adresse. Sontheim, etwa zwanzig Kilometer von Laichingen entfernt.
Wo die Sontheimer Höhle liegt
Die Sontheimer Höhle liegt im Ortsteil Sontheim, der zur Gemeinde Heroldstatt gehört, im Alb-Donau-Kreis. Von Laichingen aus etwa zwanzig Kilometer in Richtung Münsingen. Die Lage in der Höhlen-reichen Region der Schwäbischen Alb ist kein Zufall. Hier in der Karst-Hochfläche sind viele kleinere und größere Höhlen entstanden, die meisten davon nicht touristisch erschlossen.
Die Sontheimer Höhle gehört zu denen, die seit langem für Besucher zugänglich sind. Sie wurde im neunzehnten Jahrhundert für die Öffentlichkeit erschlossen und gilt heute als eine der ältesten Schauhöhlen Deutschlands.
Was Tropfsteine dort sind
Die Sontheimer Höhle ist eine klassische Tropfsteinhöhle. Anders als die Laichinger Tiefenhöhle, die eine Schachthöhle ist, hat die Sontheimer Höhle einen weitgehend horizontalen Verlauf. Wer hier hineingeht, läuft auf relativ ebenen Wegen durch eine Reihe von Sälen und Gängen.
In diesen Räumen finden sich verschiedene Tropfstein-Formen. Stalaktiten von der Decke. Stalagmiten vom Boden. Säulen, wo beide zusammengewachsen sind. Sinter-Überzüge an den Wänden. Und Sonderformen, wie Schneider sie in seinem Interview erwähnt: „Knöpfchen-Sinter oder Excentriques oder Macaroni.“ Mehr zu den Tropfstein-Familien im Artikel Sinter, Stalaktiten, Stalagmiten.
Was die Höhle besonders macht
Die Sontheimer Höhle hat einige Besonderheiten, die sie von vergleichbaren Schauhöhlen unterscheiden.
Erstens: ihre Größe. Sie ist eine der längeren Schauhöhlen der Region. Der für Besucher zugängliche Teil zieht sich über mehrere hundert Meter durch verschiedene Räume und Gänge.
Zweitens: die Vielfalt der Sinter-Formen. Wer hier durchgeht, sieht innerhalb einer Tour verschiedene Tropfstein-Typen, die Schneider in seiner Übersicht beschreibt: „Die von der Decke hängenden Tropfsteine, die Stalaktiten, sowie die von unten nach oben wachsenden, die Stalagmiten, aber auch Sonderformen wie zum Beispiel Knöpfchen-Sinter.“
Drittens: ihre Geschichte. Die Sontheimer Höhle ist seit langem bekannt und wurde schon im neunzehnten Jahrhundert besucht. Es gibt Berichte aus dem frühen zwanzigsten Jahrhundert, die die Höhle als Sehenswürdigkeit beschreiben.
Was an Tropfsteinen wirklich zu sehen ist
Schneider gibt im Interview den Hinweis, dass in Sontheim „deutlich mehr Tropfsteine und auch größere Tropfsteine“ zu sehen sind. Das ist die offizielle Empfehlung vom Laichinger Vereinsvorstand für alle, die mehr Tropfstein-Erlebnis wollen, als die Tiefenhöhle bietet.
Größere Tropfsteine bedeutet hier: Stalaktiten und Stalagmiten in mehreren Zentimetern bis Dezimetern Größe. Säulen, die mehrere Meter hoch sein können. Wandbehänge aus Sinter, die wie steinerne Vorhänge wirken.
Wer eine Tropfsteinhöhle besucht, in der diese Strukturen über Jahrtausende gewachsen sind, schaut auf wirklich alte Geologie. Mehr zur Wachstumsgeschwindigkeit im Artikel zu Sinter und Tropfsteinen. Ein 50-Zentimeter-Stalaktit kann zehntausende Jahre alt sein.
Wer die Höhle betreibt
Die Sontheimer Höhle wird von der Gemeinde Heroldstatt betrieben. Anders als die Laichinger Tiefenhöhle, die durch einen Verein getragen wird, ist hier die kommunale Trägerschaft maßgeblich. Mehr zum Vergleich der Trägerschafts-Modelle im Artikel zum Höhlen- und Heimatverein Laichingen.
Was bedeutet das in der Praxis? In Sontheim gibt es klassische Führungen mit einem Führer oder einer Führerin, der oder die die Höhle erklärt. Die Tour läuft in Gruppen, zu festen Zeiten. Das ist anders als in Laichingen, wo das Audioguide-Konzept ein Erkunden im eigenen Tempo erlaubt. Mehr dazu im Artikel zum Audioguide der Tiefenhöhle.
Öffnungszeiten und Saison
Wie die Tiefenhöhle hat auch die Sontheimer Höhle eine Saison. Sie ist von Anfang April bis Ende Oktober geöffnet, ähnlich der Tiefenhöhlen-Saison von Palmsonntag bis Ende Herbstferien. Genaue Öffnungszeiten sollte man vor einem Besuch direkt bei der Höhle prüfen, da sie sich von Jahr zu Jahr leicht ändern können.
Im Winter ist auch die Sontheimer Höhle geschlossen, ebenfalls aus Fledermausschutz-Gründen. Mehr zur Höhlenfauna und Fledermäusen.
Wie man dahin kommt
Sontheim, der Ortsteil von Heroldstatt, liegt etwa zwanzig Kilometer westlich von Laichingen. Von der A 8 (Stuttgart-Ulm) Abfahrt Merklingen ist es etwa dreißig Kilometer in Richtung Münsingen.
Es gibt Parkplätze direkt an der Höhle. Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln kommen will, muss die Buslinien des regionalen Verkehrsverbunds prüfen, die Anbindung ist allerdings begrenzt.
Was eine Tageskombination ergeben kann
Wer einen ganzen Tag der Schwäbischen-Alb-Höhlenkunde widmen will, kann zwei Höhlen kombinieren. Vormittags die Sontheimer Höhle für die Tropfstein-Erfahrung. Mittagspause irgendwo in der Region. Nachmittags die Laichinger Tiefenhöhle für die Schacht-Erfahrung.
Das ergibt einen ungewöhnlichen Tag. Zwei sehr unterschiedliche Höhlen-Typen mit zwei sehr unterschiedlichen Tour-Konzepten. Tropfsteinhöhle mit Führung vormittags, Schachthöhle mit Audioguide nachmittags. Beides etwa 25 bis 45 Minuten Tour-Zeit, also nicht zu anstrengend für einen Tag.
Wer nicht ganz so weit fahren will, kann die Sontheimer Höhle auch mit der Schertelshöhle bei Westerheim kombinieren. Beide sind klassische Tropfsteinhöhlen und liegen vergleichbar nah.
Was bleibt
Wer in Laichingen ist und sich fragt, ob er hier alle Tropfstein-Erfahrungen hat, dem antwortet der lokale Experte selbst. Nein, hat er nicht. Wer wirklich Tropfsteine sehen will, fährt nach Sontheim. Diese Empfehlung kommt nicht von einer Tourismus-Broschüre, sondern vom Vorstand des Laichinger Höhlenvereins. Das ist die Sorte Hinweis, auf die man hören sollte.
Mehr zur Schertelshöhle bei Westerheim, zu Sinter und Tropfsteinen und zur Tiefenhöhle im Podcast mit Alexander Schneider.
