Moritz Steinhauser

Anfang des Jahres hat Moritz Steinhauser in der Grammergasse 17 auf der Lindauer Insel eine Tür aufgeschlossen, hinter der 551 Jahre lang eine Apotheke war. Die alten Schränke stehen noch. Eingebaut hat er eine Bar im selben dunklen Holz, und dort steht jetzt nicht mehr Apothekerware, sondern Bodensee-Whisky, Williams, SeeGin.
Es ist der erste Brandstore der Familie. Bisher gibt es Steinhauser nur am Standort Kressbronn, abgelegen zwischen Apfel-, Birnen- und Erdbeerplantagen. Wer nicht hinfährt, kennt die Marke nicht. Lindau ändert das.
Wer Moritz Steinhauser ist
Moritz Steinhauser führt zusammen mit seinem Bruder die Steinhauser Bodensee Hausbrennerei und Weinkellerei. Sie sind die sechste Generation Brennkunst. „Brennen tun wir seit 1828“, sagt er. Das Brennrecht ist also fast zweihundert Jahre alt, der heutige Standort dagegen ist jünger. Den haben seine Eltern erst gebaut, im Ortsteil Kressbronn zwischen Kressbronn und den Plantagen.
Davor lag der Hof in Gartnau, einer Nebenortschaft von Kressbronn. Brennerei, Kühe, Hennen, Landwirtschaft. Klein. Heute steht da nichts mehr von der ursprünglichen Aufstellung. Was geblieben ist, sind das Brennrecht und die Haltung.
Wie der Funke überging
Aufgewachsen sind Moritz und sein Bruder im Geschäft. „Wir waren immer mit dabei, selbst und ständig, wie man es so schön sagt“, erzählt er. Wenn die Eltern abfüllten, halfen die Söhne. Wenn etikettiert wurde, halfen die Söhne. Wenn auf dem Anwesen der Rasen gemäht werden musste, ebenfalls.
Gelernt hat er trotzdem nicht zu Hause. Sein Vater hatte einen festen Spruch dazu: „Das, was man zu Hause kennt, das kennt man schon.“ Also gingen beide raus, lernten woanders, brachten fremde Ideen mit zurück. Erst dann stiegen sie ein.
„Der Funken ist übergesprungen, sowohl bei meinem Bruder als auch bei mir“, sagt Moritz. Es ist eine der wenigen Stellen, an denen er pathetisch wird. Sonst beschreibt er das Geschäft eher nüchtern: Handwerk, Frucht, Frass, Wetter, Zeit.
Was er heute macht
Die Familie hat sich die Arbeit geteilt. Der Bruder kümmert sich ums Zollwesen und um den Vertrieb. Moritz selbst macht Marketing und den Einkauf der Materialien. In der Brennerei steht ein Destillateur, im Weinkeller arbeitet ein Kellermeister, der die Weine mit der Familie zusammen entwickelt. Der Vater ist noch voll dabei. Die Mutter macht die Buchhaltung.
„Wir sind alle per du. Ich sage gerne auch: eine große Familie“, sagt Moritz. Entscheidungen fallen meistens zu dritt oder zu viert, an einem Tisch, und meistens ist man sich einig. Wenn nicht, redet man drüber.
Was ihn fasziniert
Moritz‘ Lieblingsthema ist, wie sich Whisky entwickelt. Nicht der fertige im Glas, sondern der Vorgang. Wie sich ein Destillat im Fass verändert. Wie das gleiche Holz bei einem Rum anders schmeckt als bei einem Whisky. Wie ein nasser Sommer die ganze Frucht und damit das ganze Destillat verschiebt.
Sein eigener Favorit aus dem Whisky-Sortiment ist der Brigantia Peat Lake Edition. Ein rauchiger Whisky, im Eilerfass vollgereift. „Er trägt einen Charakter, mit dem mich fasziniert“, sagt er. Sonst ist Moritz beim Thema Genuss sparsam mit großen Adjektiven. Hier macht er eine Ausnahme.
Was 2028 passieren soll
Steinhauser brennt Whisky seit 2008. Das älteste Fass im Lager ist von 2010. Im Jahr 2028 fallen drei Dinge zusammen: 200 Jahre Steinhauser, 20 Jahre Brigantia, und Moritz könnte den ersten volljährigen Whisky aus dem Haus auf den Markt bringen. Einen 18-jährigen. Bis dahin: warten, beobachten, probieren, abfüllen.
Bis dahin gibt es auch noch was zu tun in Lindau. Der Brandstore in der alten Apotheke ist erst der Anfang. Wer Steinhauser bisher nicht kannte, weil Kressbronn zu weit ab vom Weg lag, kann jetzt einfach in der Insel-Fußgängerzone vorbeischauen und kosten.
Mehr über Moritz Steinhauser, die Steinhauser Bodensee Hausbrennerei und sechs Generationen Brennkunst hören Sie im Podcast pekuu audiostories.
Zitate von
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Familienbetrieb
„Wir waren immer mit dabei, selbst und ständig, wie man es so schön sagt“
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Generationenwechsel
„Das, was man zu Hause kennt, das kennt man schon“
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Unternehmenskultur
„Wir sind alle per du. Ich sage gerne auch: eine große Familie“
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Regionale Rohstoffe
„Wir müssen die Früchte nicht aus Südtirol beziehen“
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IWSC London 2014
„Wir sind nach London geflogen, das war ein einmaliges Erlebnis. Räumlichkeiten wie von Harry Potter. Wir sind mit zehn Mann rübergeflogen und haben die Trophy feierlich abgeholt“
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Regionale Rohstoffe
„Wir haben den Vorteil, nicht wie manch anderer Hersteller, die Obstbäume sind vor der Tür“
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Whisky-Herstellung
„Wir stellen unseren Whisky her wie die Schotten. Wir läutern ab, und nachdem wir die Whisky-Würze gebrannt haben, kommt sie mit rund 58 bis 60 Volumenprozent in das Fass und muss drei Jahre und einen Tag reifen, dass es überhaupt Whisky genannt werden kann“
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Brigantia Peat Lake Edition
„Ein rauchiger Whisky, der einen Charakter trägt, der mich fasziniert“
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SeeGin Entstehung
„Gin war für uns nichts Fremdes, weil wir seit Generationen Wacholderschnaps herstellen, und Wacholder ist die Basis vom Gin“
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SeeGin IWSC + Gin Tonic
„Das Tolle: Den Preis haben wir pur verkostet gewonnen. Aber wenn man den Wacholder zu einem Tonic dazugibt, verliert er nicht an Stärke, der Wacholder bleibt präsent“
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Brigantia Sherry Cask
„Unser Brigantia hat meistens Nougat-Töne“
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ISW Islay-Vergleich
„Das war für uns als deutscher Hersteller ein Ritterschlag“
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2028 Jubiläum
„Wir könnten den ersten volljährigen Whisky auf den Markt bringen, das wäre dann ein 18-jähriger Whisky“
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Likör-Herstellung
„Wir haben feine Liköre, nicht aus Aromen, sondern mit Fruchtsaft verfeinert, um eine ganz andere Qualität bieten zu können“
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Brigantia Launch 11.11.2011
„Es war allerdings die Nachfrage von Kunden und Besuchern bei uns hier vor Ort immer größer, und sie wollten wissen, wann der erste Whisky kommt, und so haben wir uns dann doch umentschieden“
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Fassstärke
„Hat man jetzt eine Fassstärke im Eilerfass, also in einem rauchigen Fass dementsprechend ausgebaut und gereift, so stören die Ecken und Kanten teilweise nicht und man möchte sie haben“
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Hirschapotheke Lindau Brandstore
„Es war zuvor 551 Jahre lang eine alte Apotheke drin. Somit sind auch die Apothekerschränke alle noch vorhanden. Und so wie sie auch damals schon dort stehen, haben wir es auch belassen“
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Brigantia Launch 11.11.2011
„Am 11.11.2011 gab es 11:11 die ersten 111 Flaschen. Wir haben dann den ersten Whisky bei schottischer Dudelsackmusik an die Erwerber verteilt“
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Whisky-Stadl
„Wenn wir vorne aus dem Ladengeschäft rausgeht, hat man direkt einen Blick auf unseren Whisky-Stadl, eben den über 100 Jahre alten, wo auch die Kressbronner Blasmusik von morgens bis abends läuft, sodass der Whisky nicht immer allein ist und auch unterhalten wird“
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Bodensee-Diesel Apfelbrand
„Jetzt kommt wieder der Mann mit dem Bodensee-Diesel“