2017 flog Moritz Steinhauser mit zehn Leuten aus Kressbronn nach London. Im alten Rathaus stand die Trophy. Die Räume erinnerten Moritz an Harry-Potter-Filme. Die Familie hatte 2014 ihren SeeGin bei der IWSC eingereicht. Die Jury kürte ihn zum weltweit besten London Dry Gin. Steinhauser ist bis heute der einzige deutsche Gewinner dieser Trophy.
Dass die Familie überhaupt Gin macht, hat einen unaufgeregten Grund. Sie kommen vom Wacholderschnaps. „Gin war für uns nichts Fremdes, weil wir seit Generationen Wacholderschnaps herstellen, und Wacholder ist die Basis vom Gin“, sagt Moritz. Aus dem alten Gemeinschaftsbrand ist 2014 ein eigener London Dry Gin geworden.
Was den SeeGin ausmacht
Der SeeGin hat 48 Volumenprozent. Das ist mehr als bei vielen kommerziellen Gins. Es ist Absicht. Im Glas pur wirkt der Gin charakterstark. Im Tonic verliert der Wacholder nicht an Präsenz. „Das Tolle: Den Preis haben wir pur verkostet gewonnen. Aber wenn man den Wacholder zu einem Tonic dazugibt, verliert er nicht an Stärke, der Wacholder bleibt präsent“, sagt Moritz. Das ist die Logik hinter den 48 Prozent.
Das zweite Markenzeichen ist die Wacholder-Treue. Moritz formuliert das in einem Satz, den er bei Verkostungen oft sagt: „Wenn ein Gin nicht nach Wacholder schmeckt, dann ist es kein Gin.“ Gin ist Wacholder, alles andere ist Beiwerk. Diese Haltung ist heute nicht selbstverständlich, viele moderne Gins fahren das Wacholder-Profil zurück und schieben andere Botanicals nach vorne. Der SeeGin geht den umgekehrten Weg.
Welche Botanicals drin sind
Insgesamt acht Botanicals destilliert Steinhauser in den SeeGin. Drei davon sind öffentlich kommuniziert: Wacholder, Zitronengras und Melisse. Die anderen fünf sind Familienrezept. Werden auf Verkostungen auch dann nicht verraten, wenn jemand drauf besteht. Moritz sagt knapp: „Die werden nicht kommuniziert.“
Wer eine Whisky-Tour in Kressbronn bucht, kann an der Aroma-Bar trotzdem einzelne Duftproben durchgehen und herausfinden, welche Aromen den eigenen Geschmackssinn ansprechen. Wer in Lindau im neuen Brandstore in der alten Hirschapotheke an der Bar steht, kann den SeeGin pur und im Tonic probieren und selber entscheiden, was der Wacholder mit dem Tonic-Wasser macht.
Welche SeeGin-Varianten es gibt
Es gibt mehrere SeeGin-Varianten. Der klassische London Dry Gin mit 48 Volumenprozent ist die Award-Variante. Dazu eine fassgereifte Variante, die in einem Bromagnetfass nachreift und auf 42 Volumenprozent Trinkstärke heruntergesetzt wird. Das gibt ein anderes Mundgefühl, eine weichere Linie, kleine Eichennoten dazu. Wer Whisky und Gin gleichermassen mag, sollte den probieren.
Wer Steinhauser ist
Die Steinhauser Bodensee Hausbrennerei wird in sechster Generation geführt. Brennrecht seit 1828, heute in Kressbronn am Bodensee, abgelegen zwischen Apfel- und Birnenplantagen. Moritz Steinhauser und sein Bruder führen das Geschäft, der Vater ist weiter dabei, die Mutter macht die Buchhaltung. Im Sortiment: Obstbrände vom Williams über den Quitten, Wein aus der Kressbronner Berghalde, Brigantia-Whisky seit 2008, Rubo-Rum seit 2021, ein 20-jähriger Brandy aus dem Opa-Fass, Liköre mit Fruchtsaft statt Aromen, und eben der SeeGin.
Der SeeGin war für die Familie der erste Schritt aus dem klassischen Obstbrand heraus. Vor ihm gab es schon den Brigantia, aber Whisky war 2008 noch Experiment. Mit dem SeeGin und der London-Trophy 2014 hatte Steinhauser dann zwei Standbeine in der internationalen Spirituosen-Welt, die über Obstbrand hinausgehen.
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