„Familie Steinhauser kommt aus einer Nebenortschaft aus Kressbronn, und zwar heißt die Ortschaft Gartnau.“ So beschreibt Moritz Steinhauser, wo die Familie ursprünglich war. Gartnau ist kein Dorf mit Bahnstation, eher ein Weiler, eine kleinere Siedlung am Rand der Gemeinde Kressbronn. Dort stand früher der Hof. Brennerei, Kühe, Hennen, Landwirtschaft. Eine breit aufgestellte Hofbetrieb-Konstellation, wie sie im 19. Jahrhundert üblich war. Aus dieser Gartnau-Zeit kommt das Brennrecht der Familie. Seit 1828. Es hat den Hof überlebt, die Generationswechsel, die Verlagerung an den heutigen Standort.
Wo Steinhauser heute steht, gab es vor zwei Generationen noch nicht. Der Standort in Kressbronn ist eine relativ neue Entwicklung in der Familiengeschichte. Hier wie es dazu kam.
Die Gartnau-Zeit
Auf dem Hof in Gartnau war die Brennerei nur einer von mehreren Betriebs-Bereichen. Daneben Kühe (mit Milchwirtschaft), Hennen (mit Eier-Produktion), Landwirtschaft (mit Obstbau und Getreide). Ein klassischer kleiner Schwäbischer Hof, in dem mehrere Standbeine die Familienexistenz sicherten.
Die Brennerei hatte in dieser Konstellation eine Doppelfunktion. Zum einen war sie Verarbeitung des eigenen Obstes, das nicht als Frischobst verkauft wurde. Äpfel, Birnen, Kirschen aus dem eigenen Anbau gingen in die Maische. Zum anderen war sie Lohn-Brennerei für Nachbarn. Wer in Gartnau Obstbäume hatte und die Frucht zu Brand machen wollte, brachte sie zu den Steinhauser-Brennblasen.
Wie das Brennrecht 1828 entstand
Wer im 19. Jahrhundert in Württemberg eine Brennerei betreiben wollte, brauchte ein Brennrecht. Es war eine staatlich vergebene Lizenz, die nicht jeder bekam. Steinhauser bekam das Brennrecht 1828, was den Familienbetrieb auf eine offizielle Basis stellte.
Heute ist das Brennrecht im Sinne des 19. Jahrhunderts nicht mehr so streng, aber die Tradition wird in der Familie gepflegt. Wenn Moritz sagt, „Brennen tun wir seit 1828“, ist das eine Bezugnahme auf den Tag, an dem die Familie die offizielle Erlaubnis bekam, ihre Brennerei legal zu betreiben.
Der Wechsel zum heutigen Standort
Moritz‘ Eltern haben den heutigen Standort in Kressbronn gebaut. Vorher war alles kleiner. Der Hof in Gartnau wurde im Laufe der Zeit aufgegeben oder umgewandelt, die Brennerei zog um. Was bei der heutigen Kressbronn-Bebauung als Neubau steht, ist tatsächlich ein vom Vater (und der Mutter) geplanter und realisierter Standort.
Der heutige Standort liegt abgelegen, „im Hinterland“, wie Moritz selber sagt. Zwischen Apfel-, Birnen- und Erdbeerplantagen. Nicht zentral in Kressbronn, sondern in der Ortschaft Kressbronn. Das hat einen praktischen Grund: Brennerei und Plantagen sollten in der Nähe sein. Wer die Frucht selber bezieht und braucht, für den lohnt sich der Standort zwischen den Anbau-Flächen.
Wer Steinhauser heute ist
Moritz und sein Bruder führen das Geschäft als sechste Generation. Eltern weiter dabei. Im Team Destillateur, Kellermeister. Aus dem kleinen Hof in Gartnau ist eine Brennerei mit Brigantia-Whisky (2024 vom Verband als beste Whisky-Destillerie Deutschlands ausgezeichnet), SeeGin (IWSC-Trophy 2014), Rubo-Rum, sechs Obstbränden, Wein aus der Berghalde, Brandy und Likören geworden.
Was aus Gartnau geblieben ist, ist die Logik. Familie als Kern, regionale Lieferketten, Obst aus dem Umkreis, Wein aus dem Dorf (Strohmaier). Was sich gewandelt hat, ist die Skala und die Produktbreite.
Was der Generationssprung bedeutet
Sechs Generationen sind selten in Deutschland. Wer in einer sechsten Generation Brennerei steht, hat eine über 195 Jahre lange Familienlinie hinter sich. Das ist nicht nur eine Geschichte, sondern eine Erfahrungsdatenbank. Was die Vorfahren über Williams, Apfel, Kirsche und Wein gelernt haben, ist in Methodik und Handwerks-Routine eingegangen.
Moritz‘ Vater hat ihm und seinem Bruder einen Spruch mitgegeben: „Das, was man zu Hause kennt, das kennt man schon.“ Beide Söhne haben extern gelernt. Wer extern lernt, kommt mit neuen Methoden zurück. Das ist die Logik, mit der die sechste Generation den Betrieb weiterentwickelt. Tradition als Basis, neue Erfahrungen als Erweiterung.
Was 2028 wichtig wird
2028 fallen drei Jubiläen zusammen. 200 Jahre Steinhauser (gerechnet ab dem Brennrecht 1828). 20 Jahre Brigantia. Der erste 18-jährige Brigantia könnte herauskommen. Wer in diesem Jahr eine Steinhauser-Flasche kauft, kauft ein Stück Familiengeschichte mit drei Jahrestagen darauf.
Mehr über Gartnau, Kressbronn und die Steinhauser-Familie im Podcast pekuu audiostories.
