Wer in der Schwäbischen Alb die längste begehbare Schauhöhle sucht, fährt nach Hürben. Genauer: zur Charlottenhöhle.
Alexander Schneider, Vorstand im Höhlen- und Heimatverein Laichingen, verweist im Interview generell auf andere Tropfsteinhöhlen in der Region. „Es gibt andere Schauhöhlen auf der Schwäbischen Alb. Da hat es dann auch deutlich mehr Tropfsteine und auch größere Tropfsteine.“ Die Charlottenhöhle bei Giengen-Hürben gehört zu dieser Familie, auch wenn er sie nicht namentlich erwähnt. Sie ist eine der bekanntesten Schauhöhlen Süddeutschlands.
Wo die Charlottenhöhle liegt
Die Charlottenhöhle liegt im Ortsteil Hürben der Stadt Giengen an der Brenz, im Landkreis Heidenheim. Von Laichingen aus etwa 35 Kilometer in nord-östlicher Richtung. Geologisch gehört sie zum gleichen Karst-System der Schwäbischen Alb wie die Tiefenhöhle, ist aber Teil des östlichen Albbereichs zwischen Heidenheim und Aalen.
Sie wurde 1893 entdeckt, nur ein Jahr nach der Laichinger Tiefenhöhle. Benannt wurde sie nach Charlotte, der damaligen württembergischen Königin.
Was die Charlottenhöhle besonders macht
Drei Dinge unterscheiden die Charlottenhöhle von den meisten anderen Schauhöhlen der Region.
Erstens: ihre Länge. Der für Besucher zugängliche Schauteil ist 532 Meter lang. Das ist die längste Schauhöhle Baden-Württembergs. Wer hier durchgeht, hat eine deutlich längere Tour als in den meisten anderen Höhlen der Region.
Zweitens: ihre Begehbarkeit. Im Gegensatz zur Schachthöhle Laichinger Tiefenhöhle, in der 620 Stufen zu überwinden sind, ist die Charlottenhöhle eine weitgehend horizontale Höhle. Schneider beschreibt das Konzept in seinem Interview allgemein: „Normalerweise sind Schauhöhlen Horizontalhöhlen, die einigermaßen eben begangen werden können.“ Die Charlottenhöhle ist ein klassisches Beispiel dafür.
Drittens: die Tropfsteinvielfalt. Im 532 Meter langen Schauteil finden sich verschiedenste Sinter-Formen, Stalaktiten, Stalagmiten und Säulen. Mehr zu den Familien im Artikel zu Sinter und Tropfsteinen.
Wer hier wohnt
In der Charlottenhöhle überwintern verschiedene Fledermausarten. Wie alle Schauhöhlen Deutschlands ist auch sie im Winter aus Fledermausschutz-Gründen geschlossen. Mehr zur Höhlenfauna und zum Fledermausschutz.
Außerdem leben in der Höhle Höhlenkrebse und einige weitere höhlentypische Tierarten, die meist nicht direkt sichtbar sind, aber Teil des spezialisierten Lebensraums sind.
Wie der Besuch abläuft
Die Charlottenhöhle bietet geführte Touren in Gruppen. Anders als die Tiefenhöhle mit ihrem Audioguide-System gibt es hier einen Höhlenführer oder eine Höhlenführerin, die die Tour leitet und die Höhle erklärt.
Eine Tour dauert etwa 45 Minuten. Wer in eine Gruppe einsteigt, gehört zu dieser Gruppe für die gesamte Dauer der Tour. Wer Stille und eigenes Tempo bevorzugt, ist mit dem Audioguide-Konzept der Tiefenhöhle besser bedient.
Die Begehbarkeit ist relativ einfach. Die meisten Bereiche sind eben oder mit wenigen Stufen versehen. Wer Knie- oder Rückenprobleme hat, kommt hier deutlich besser zurecht als in der Tiefenhöhle.
Wann sie geöffnet hat
Wie die meisten Schauhöhlen Deutschlands hat auch die Charlottenhöhle eine Saison. Sie ist in der Regel von Anfang April bis Ende Oktober oder Anfang November geöffnet, mit täglichen Touren in der Saison.
Die genauen Öffnungszeiten und Tour-Zeiten sollte man vor einem Besuch direkt bei der Höhle oder bei der Stadt Giengen prüfen. Im Winter ist die Höhle aus Fledermausschutz-Gründen geschlossen, wie es in Deutschland Standard ist.
Was rundherum liegt
Hürben und Giengen liegen in einer touristisch entwickelten Region. Wer einen Tag plant, kann den Besuch der Charlottenhöhle gut mit anderen Aktivitäten in der Gegend verbinden. Das Naturschutzgebiet HöhlenErlebnisWelt bietet eine eigene Ausstellung zur Höhlenkunde direkt am Eingangsbereich.
In Giengen selbst ist außerdem das Steiff-Museum eine bekannte Attraktion, denn die Stadt ist Heimat des berühmten Steiff-Teddybären.
Was eine längere Höhle erlebnistechnisch ausmacht
532 Meter Tour-Strecke ist mehr als in den meisten anderen Schauhöhlen der Region. Was bedeutet das für das Erlebnis?
Erstens: mehr Vielfalt. In einer kurzen Tour sieht man einen oder zwei besondere Räume. In einer 532-Meter-Tour wechseln sich verschiedene Säle, Gänge und besondere Strukturen ab. Wer eine Stunde lang durch eine Tropfsteinhöhle geht, hat einen viel umfassenderen Eindruck als nach 15 Minuten in einer kleinen Höhle.
Zweitens: mehr Zeit für Stimmung. Eine Höhle braucht Zeit, um auf den Besucher zu wirken. Die Stille, das Klima, das Klang-Verhalten der Felsen. Wer länger drin ist, kommt eher in einen Zustand, in dem die Höhle nicht mehr nur Bauwerk, sondern Atmosphäre ist.
Drittens: mehr Information. In einer geführten Tour kann der Führer in 45 Minuten deutlich mehr Hintergrund vermitteln als in einer 25-Minuten-Tour. Wer Geologie, Geschichte und Forschung interessiert, profitiert von längeren Touren.
Wie sie sich von der Tiefenhöhle unterscheidet
Wer die Laichinger Tiefenhöhle und die Charlottenhöhle vergleicht, sieht zwei extremem entgegengesetzte Schauhöhlen-Typen.
Die Tiefenhöhle ist vertikal, kurz im Rundgang (320 Meter), kurz in der Tourzeit (25 bis 45 Minuten), mit wenigen großen Tropfsteinen, dafür mit der geologischen Besonderheit der zwei parallelen Schächte. Audioguide-Konzept.
Die Charlottenhöhle ist horizontal, lang im Rundgang (532 Meter), länger in der Tourzeit (etwa 45 Minuten), mit vielen Tropfsteinen verschiedener Größe und Formen. Führungs-Konzept.
Wer beide Höhlen kennenlernt, hat das Spektrum der süddeutschen Schauhöhlen-Familie sehr gut abgedeckt. Dazwischen liegen Schertelshöhle und Sontheimer Höhle als mittelgroße Tropfsteinhöhlen.
Was bleibt
Die Charlottenhöhle ist nicht die nächste Tropfsteinhöhle bei Laichingen. Aber sie ist die längste Schauhöhle Baden-Württembergs und damit eine eigene Liga in der Region. Wer eine ausführlichere Höhlentour will, fährt 35 Kilometer und sieht eine andere Welt als in der Tiefenhöhle oder den kürzeren Tropfsteinhöhlen.
Mehr zur Sontheimer Höhle, zur Schertelshöhle und zur Tiefenhöhle im Podcast mit Alexander Schneider.
