Auf der Schwäbischen Alb gibt es zwei bekannte Tropfsteinhöhlen, die nur etwa fünf Kilometer auseinanderliegen. Die Nebelhöhle und die Bärenhöhle. Beide bei der Gemeinde Sonnenbühl im Landkreis Reutlingen.
Wer aus der Region kommt, kennt beide. Wer aus weiter weg anreist, kombiniert sie oft an einem Tag. Aber sie sind nicht gleich. Sie haben verschiedene Geschichten, verschiedene Schwerpunkte und verschiedene Tour-Konzepte.
Alexander Schneider, Vorstand im Höhlen- und Heimatverein Laichingen, beschreibt im Interview generell den klassischen Schauhöhlen-Typ: „Normalerweise sind Schauhöhlen Horizontalhöhlen, die einigermaßen eben begangen werden können.“ Nebelhöhle und Bärenhöhle sind beide klassische Vertreter dieses Typs.
Wo die beiden Höhlen liegen
Beide Höhlen liegen bei der Gemeinde Sonnenbühl in den Ortsteilen Genkingen (Nebelhöhle) und Erpfingen (Bärenhöhle). Etwa 60 Kilometer westlich von Laichingen. Die Region gehört zum Naturraum der Reutlinger Alb und zum Biosphärengebiet Schwäbische Alb.
Beide Höhlen sind aus Stuttgart oder Tübingen in unter einer Stunde erreichbar. Das macht sie zu beliebten Ausflugszielen für Tagesgäste.
Die Nebelhöhle
Die Nebelhöhle ist die längere der beiden. Der für Besucher zugängliche Schauteil ist etwa 380 Meter lang. Sie wurde schon im sechzehnten Jahrhundert erwähnt und gehört damit zu den ältesten dokumentierten Höhlen der Schwäbischen Alb.
Bekannt ist sie für ihre besonders schönen Tropfstein-Strukturen. Säulen, in denen Stalaktiten und Stalagmiten zusammengewachsen sind. Sinter-Bereiche, die wie steinerne Vorhänge wirken. Verschiedene Sonderformen, die das Tropfstein-Spektrum gut abbilden. Mehr zu den Familien im Artikel zu Sinter und Tropfsteinen.
Eine Besonderheit der Nebelhöhle ist ihre historische Bedeutung. Hier soll sich Herzog Ulrich von Württemberg im sechzehnten Jahrhundert vor seinen Verfolgern versteckt haben. Die Höhle ist damit nicht nur Naturobjekt, sondern auch ein Stück Württembergischer Geschichte.
Die Bärenhöhle
Die Bärenhöhle ist die kleinere der beiden, etwa 271 Meter Schauteil. Sie wurde 1949 entdeckt und damit deutlich später als die meisten anderen Schauhöhlen der Region. Trotzdem hat sie schnell touristische Bedeutung gewonnen.
Ihr Name kommt von einem besonderen Befund: Bei der Erforschung wurden Knochen von Höhlenbären aus der Eiszeit gefunden. Diese Tiere haben vor zehntausenden Jahren die Höhle als Winterquartier genutzt. Heute können Besucher in der Höhle Reste dieser Eiszeit-Funde sehen.
Eine Tour durch die Bärenhöhle dauert etwa 30 bis 40 Minuten. Anders als die Nebelhöhle ist sie damit etwas kürzer und kann von Familien mit Kindern problemlos in einem Tag mit anderen Aktivitäten kombiniert werden.
Was die beiden gemeinsam haben
Beide Höhlen sind klassische Tropfsteinhöhlen mit überwiegend horizontaler Begehbarkeit. Sie sind beide gut für Familien geeignet, weil keine extremen körperlichen Anforderungen gestellt werden.
Beide werden mit geführten Touren betrieben. Anders als die Laichinger Tiefenhöhle mit ihrem Audioguide-System gibt es hier Gruppen-Führungen mit einem Führer oder einer Führerin.
Beide sind im Winter aus Fledermausschutz-Gründen geschlossen, ähnlich wie alle deutschen Schauhöhlen. Die Saison läuft typischerweise von April bis Oktober oder Anfang November. Mehr zur Winter-Logik in deutschen Höhlen im Artikel zur Höhlenfauna und zu Fledermäusen.
Beide haben in der Tropfstein-Anzahl und -Größe deutlich mehr zu bieten als die Tiefenhöhle. Schneider weist im Interview darauf hin, dass die Tiefenhöhle relativ wenige und kleine Tropfsteine hat: „Bei uns in der Laichinger Tiefenhöhle gibt es gar nicht so viele Tropfsteine. Die meisten sind relativ klein.“
Was die beiden unterscheidet
Trotz ihrer Nähe sind die beiden Höhlen unterschiedlich.
Geschichte: Die Nebelhöhle ist seit dem sechzehnten Jahrhundert bekannt, die Bärenhöhle wurde 1949 entdeckt. Vierhundert Jahre Unterschied.
Größe: Nebelhöhle 380 Meter, Bärenhöhle 271 Meter Schauteil.
Besonderheit: Die Nebelhöhle hat die historische Herzog-Ulrich-Geschichte. Die Bärenhöhle hat die Eiszeit-Funde mit Höhlenbär-Knochen.
Erlebnis: Beide sind Tropfsteinhöhlen, aber wer beide besucht, merkt feine Unterschiede in Atmosphäre, Beleuchtung und Tour-Führung.
Was eine Tageskombination ergibt
Wer beide Höhlen an einem Tag besucht, hat eine interessante Tour. Vormittags die Nebelhöhle, dann ein Mittagspause in Sonnenbühl, nachmittags die Bärenhöhle. Beide Touren dauern jeweils 30 bis 45 Minuten reine Höhlenzeit. Mit An- und Abreise zwischen den beiden Höhlen (nur etwa fünf Kilometer) und Pausen plant man insgesamt vier bis fünf Stunden.
Daneben gibt es in Sonnenbühl den Traumland-Freizeitpark direkt bei der Bärenhöhle. Wer mit Kindern kommt, kann den Tag gut füllen mit Höhlen, Park und einem Picknick in der Alb-Landschaft.
Wie sich die Höhlen zur Tiefenhöhle verhalten
Wer von Laichingen anreist, hat 60 Kilometer Anfahrt zu beiden Höhlen. Das ist für einen Tagesausflug zumutbar, aber relevant.
Erlebnistechnisch sind Nebelhöhle und Bärenhöhle das genaue Gegenteil der Tiefenhöhle. Wo die Tiefenhöhle senkrecht in die Tiefe geht (eine Schachthöhle mit 620 Stufen), sind die Höhlen bei Sonnenbühl horizontal und barrierearm. Wo die Tiefenhöhle wenig Tropfsteine zeigt, dafür die Vertikalgeologie, zeigen die Sonnenbühler Höhlen klassische Tropfstein-Vielfalt.
Wer beide Welten an einem Wochenende besuchen will, könnte das so machen: Samstag die Tiefenhöhle plus eventuell die Schertelshöhle, Sonntag die Nebelhöhle plus die Bärenhöhle. Vier Höhlen in zwei Tagen, jede unterschiedlich. Wer das macht, hat Schwäbisch-Alb-Höhlenkunde auf hohem Niveau erlebt.
Was Schneider zu diesen Höhlen sagen würde
Schneider erwähnt im Interview namentlich nur die Sontheimer Höhle und die Schertelshöhle als Tropfstein-Empfehlungen für die Laichinger Region. Aber die Nebelhöhle und die Bärenhöhle gehören zur gleichen Familie. Sie sind klassische Tropfsteinhöhlen mit guten Tropfstein-Strukturen.
Wenn er auf sie angesprochen würde, würde er vermutlich ähnliches sagen wie zu Sontheim und Schertelshöhle. „Da hat es deutlich mehr Tropfsteine und auch größere Tropfsteine.“ Wer also die volle Tropfstein-Vielfalt der Schwäbischen Alb erleben will, hat mit Nebelhöhle und Bärenhöhle zwei weitere wichtige Adressen.
Was bleibt
Nebelhöhle und Bärenhöhle sind die klassischen Reutlinger-Alb-Schauhöhlen. Beide bekannt, beide gut zugänglich, beide für Familien geeignet. Wer von der Tiefenhöhle aus eine Schwäbisch-Alb-Höhlen-Sammlung anlegt, sollte sie früher oder später auf die Liste setzen. Sie ergänzen das Spektrum der süddeutschen Höhlen-Erfahrung.
Mehr zur Tiefenhöhle, zur Sontheimer Höhle und zur Vereinsarbeit im Podcast mit Alexander Schneider.
