In der hinteren Ecke des Whisky-Stadls auf dem Steinhauser-Anwesen in Kressbronn liegt ein Fass, das seit 2010 nicht angerührt wurde. Es ist das älteste der über 2000 Whiskyfässer, die die Familie im Lager hat. Was darin reift, könnte 2028 die erste volljährige Brigantia-Abfüllung werden. Ein 18-jähriger Single Malt vom Bodensee. Bisher gab es so etwas in dieser Form aus dem Haus Steinhauser nicht.
Moritz Steinhauser rechnet die Sache nicht nüchtern hoch, er rechnet sie als Familienjubiläum. 2028 fallen drei Daten zusammen. Steinhauser hat das Brennrecht seit 1828, das macht 200 Jahre. Brigantia gibt es seit 2008, das macht 20 Jahre. Das Fass von 2010 erreicht im Reifezeitraum die 18 Jahre.
Was ein 18-jähriger Whisky bedeutet
Im Whisky-Sortiment ist 18 Jahre eine Grenze. Junge Whiskys bewegen sich zwischen drei und sechs Jahren, klassische Standard-Single-Malts liegen zwischen acht und zwölf, und ab 15 wird es premium. 18 Jahre Reifung im Fass ändert das Aromaprofil grundsätzlich. Der Whisky verliert den scharfen Newmake-Charakter komplett, das Holz schreibt seine eigene Geschichte hinein, und der sogenannte Angels‘ Share (der Anteil, der über die Jahre verdunstet) wird so groß, dass nicht mehr viel Inhalt aus dem ursprünglichen Fass übrig bleibt.
Steinhauser arbeitet nach schottischer Methode. Das Destillat geht mit 58 bis 60 Volumenprozent ins Fass. Drei Jahre und ein Tag ist das gesetzliche Minimum, ab dem das Produkt Whisky heißen darf. Brigantia hat dieses Minimum von Anfang an überschritten. Aber 18 Jahre ist eine andere Liga. Das ist das, was im internationalen Whisky-Vergleich als Statement zählt.
Was am Bodensee 18 Jahre bedeuten
Reifung in einem Fass hängt am Klima. Schottische Highlands sind kühl, die Reifung verläuft langsam und gleichmässig. Bodensee ist anders. Heisse Sommer, milde Winter, Feuchtigkeit vom See, deutliche Temperaturschwankungen. Das Fass arbeitet schneller. Pro Jahr Bodensee-Reifung passiert mehr Holz-Destillat-Austausch als bei einem schottischen Vergleichs-Whisky.
Das hat Konsequenzen. Ein 18-jähriger Brigantia ist nicht direkt vergleichbar mit einem 18-jährigen Highland. Das Fass-Holz hat in der Bodensee-Reifung deutlich mehr Wirkung hinterlassen. Was bei Highlands oft eine zarte Eichennote ist, kann am Bodensee zu einer dominanten Holzprägung werden. Genau deshalb wird die Familie das Fass nicht blind eröffnen. Verkostet wird vorher mehrfach. Wenn das Holz das Profil überlagert, wird der Brigantia früher abgefüllt. 18 Jahre ist ein Ziel, kein Gesetz.
Wer Steinhauser ist
Hinter dem Brigantia steht die Steinhauser Bodensee Hausbrennerei und Weinkellerei in Kressbronn am Bodensee. Sechste Generation Brennkunst. Brennrecht seit 1828. Davor lag der Familienhof in Gartnau, einer Nebenortschaft, mit Brennerei, Kühen, Hennen und Landwirtschaft. Der heutige Standort, ein Neubau, wurde von Moritz‘ Eltern errichtet.
Moritz und sein Bruder führen das Geschäft. Bruder kümmert sich um Zoll und Vertrieb, Moritz um Marketing und den Einkauf der Materialien. Vater ist weiter dabei und arbeitet mit dem Destillateur an Neuheiten. Mutter macht die Buchhaltung. Im Weinkeller steht ein Kellermeister, der die Weine zusammen mit der Familie entwickelt. Im Sortiment Obstbrände, Wein (Kressbronner Berghalde), Whisky (Brigantia seit 2008), SeeGin (IWSC-Trophy 2017), Rum (Rubo seit 2021), Brandy (20-jährig im Opa-Fass), Liköre.
Wie das 2028-Jubiläum aussehen könnte
Konkrete Pläne gibt es noch nicht. Aber dass die Familie das Datum als Ereignis behandeln will, ist klar. 200 Jahre Brennrecht in einer Familie ist in Deutschland selten. 20 Jahre Brigantia ist ein Markenzeichen, dass die deutsche Whisky-Szene mittlerweile ernst genommen wird. Der erste 18-jährige Brigantia wäre der Beleg für die Strecke, die Steinhauser von der Schwarzbrennerei-Vergangenheit bis zur 2024er Verband-Auszeichnung als Deutschlands beste Whisky-Destillerie zurückgelegt hat.
Auf welche Weise das üffentlich begangen wird, ist noch offen. Beim 11.11.2011-Launch waren die ersten 111 Flaschen, Dudelsackmusik und die Familie als Abfüller die Eckpunkte. 2028 könnte mit ähnlicher Logik gerechnet werden. Limitierte Mengen, eigene Abfüllung, ein Ereignis vor Ort.
Mehr über den 18-jährigen Brigantia, das Jubiläumsjahr 2028 und die Steinhauser-Familie im Podcast pekuu audiostories.
