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pekuu Original · Reportage · Lesezeit 2 Min.

Tettnang · Oberschwaben

Hopfen schneiden: Warum 90 Prozent der Triebe wegmüssen

Aus dem Boden treibt ein Hopfenstock im Frühjahr hundert bis zweihundert frische Triebe. Drei bis vier davon werden behalten. Der Rest wird weggeschnitten. Jedes einzelne Mal. An jedem einzelnen…

Aus dem Boden treibt ein Hopfenstock im Frühjahr hundert bis zweihundert frische Triebe. Drei bis vier davon werden behalten. Der Rest wird weggeschnitten. Jedes einzelne Mal. An jedem einzelnen Stock. In einem typischen Tettnanger Anbau bedeutet das tausende Pflanzen pro Saison.

Theresa Locher beschreibt das wie folgt. Es werde dann praktisch von den hundert Trieben, zweihundert Trieben, die aus dem Boden kämen, drei bis vier schöne dicke Triebe pro Pflanze an den Draht angeleitet. Der Rest werde weggeschnitten. Auf Schwäbisch heißt das nicht Anleiten, sondern Anweisen, oder einfach A-Weise. So sagt sie das selbst.

Warum Hopfen geschnitten werden muss

Eine Hopfenpflanze hat eine begrenzte Energie. Wenn hundert Triebe gleichzeitig wachsen, wird jeder einzelne schwach. Wenn drei bis vier Triebe gewählt werden, konzentriert die Pflanze ihre Ressourcen auf diese. Sie werden kräftig, hoch, und entwickeln gute Dolden.

Hopfen schneiden ist also nicht Verzicht, sondern Konzentration. Die Pflanze macht das nicht von selbst. Sie muss dazu gezwungen werden.

Wann geschnitten wird

Im Profi-Anbau passiert das Schneiden im Mai, im Rahmen des sogenannten Anleitens. Die ausgewählten drei bis vier Triebe werden rechtsdrehend an den Bindedraht geleitet, die übrigen mit einem scharfen Werkzeug am Boden gekappt. Eine Person, sagt Theresa, schaffe in der Phase ungefähr zwei Hektar. Bei den in Tettnang typischen Betriebsgrößen sind das mehrere Wochen mit mehreren Helfern. Mehr zum Anbau im Mai.

Im Spätsommer und Herbst gibt es kein weiteres Schneiden mehr. Die Pflanze wächst durch, bildet Blüten aus, trägt Dolden. Nach der Ernte wird die Pflanze am Boden zurückgeschnitten und überwintert.

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Hopfen im Hobbygarten schneiden

Wer Hopfen im Garten hat, zum Beispiel als Sichtschutz oder Zier-Kletterpflanze, geht anders vor. Im Profi-Anbau wird die Pflanze auf maximale Doldenausbeute getrimmt. Im Hobbygarten geht es meist um optisches Grün oder eine schöne dichte Wand.

Hier kann man großzügiger sein. Wer mag, lässt im Frühjahr alle Triebe stehen. Die Pflanze ist mehrjährig, sie wird sich entsprechend ausbreiten und im Sommer eine dichte Belaubung schaffen. Im Herbst schneidet man dann alle abgestorbenen Ranken bodennah ab. Hopfen ist robust. Falsch machen kann man wenig.

Wer im Hobbygarten kontrolliert wachsen lassen will, geht ähnlich vor wie im Profi-Anbau: drei kräftige Triebe pro Stock auswählen, alle anderen wegschneiden. Das ergibt eine geordnete vertikale Pflanze, die sich gut an einer Rankhilfe nach oben arbeitet.

Was nicht geschnitten werden sollte

Eine Sache ist im Profi-Anbau anders als im Hobbygarten. Im Anbaugebiet Tettnang werden ausschließlich weibliche Hopfenpflanzen kultiviert. Männliche Hopfen werden, wie Theresa sagt, ausgerottet, weil ihre Pollen die weiblichen Dolden befruchten würden. Im eigenen Garten gibt es diese Vorschrift nicht. Aber wer in der Nähe von Hopfenanbaugebieten wohnt, sollte das berücksichtigen.

Im Wildwuchs an Bachläufen kommen Hopfen auch wild vor. In Bayern gibt es eine Verordnung, dass Wildhopfen entfernt werden soll. In Baden-Württemberg ist es eine Empfehlung.


Mehr zum kompletten Anbau im Artikel Hopfen pflanzen. Die Person hinter den Tettnanger Hopfenpflanzern im pekuu-Podcast und im Personen-Artikel zu Theresa Locher.