Lupine bienenfreundlich
Im Juni stehen Linda Kellys Lupinenfelder in voller Blüte. Weiß, nicht bunt wie die Gartenlupine, aber die Bienen stört das nicht. Hummeln brummen zwischen den Blütenständen, Honigbienen landen auf den Kelchen, Wildbienen krabbeln an den Stängeln hoch. Zehn Hektar Lupine in der Blüte sind ein gedeckter Tisch für Insekten.
„Die Lupine ist eine absolute Superkultur“, sagt Linda Kelly. Und sie meint damit nicht nur den Ertrag und die Nährwerte. Die Süßlupine leistet auf dem Feld Dinge, die kein Weizen und keine Gerste leisten kann. Sie ist bienenfreundlich, verbessert den Boden und passt in eine Landwirtschaft, die mehr will als nur ernten.
Warum die Lupine bienenfreundlich ist
Die Blüten der Süßlupine bieten Nektar und Pollen. In einer Agrarlandschaft, die zunehmend von Monokulturen und früh gemähten Wiesen geprägt ist, sind blühende Ackerkulturen für Insekten überlebenswichtig. Die Lupine blüht im Juni und Juli, genau in der Zeit, in der viele andere Blühpflanzen schon verblüht sind und die nächste Massenblüte noch Wochen entfernt ist. Diese Trachtlücke im Frühsommer ist für Bienenvölker kritisch. Die Lupine hilft, sie zu schließen.
Auf dem Biolandhof Kelly in Herdwangen-Schönach wird nach Bioland-Richtlinien gewirtschaftet. Das bedeutet: keine Insektizide, keine Herbizide. Die Bienen auf den Lupinenfeldern fliegen in einer giftfreien Zone. Das macht die Lupine doppelt bienenfreundlich: Sie liefert Nahrung und sie vergiftet nicht.
Mehr als Bienen: Das Bodenleben
Die Wirkung der Lupine reicht tiefer als die Blüte. Als Leguminose hat sie Knöllchenbakterien an den Wurzeln, die Luftstickstoff binden. „Sie hat die Fähigkeit, Luftstickstoff über ihre Knöllchenbakterien im Boden anzureichern und den Stickstoff für sich selber zu verwenden und für die Folgekultur zu hinterlassen“, erklärt Linda Kelly.
Das fördert nicht nur die nächste Kultur, sondern auch das gesamte Bodenleben. Regenwürmer finden organisches Material in den Wurzelrückständen. Pilzgeflechte breiten sich entlang der Wurzelkanäle aus. Mikroorganismen zersetzen die Erntereste und setzen Nährstoffe frei. Ein gesunder Boden ist die Basis für ein funktionierendes Ökosystem auf dem Acker, über und unter der Erde.
Lupine vs. Weizen aus Insektensicht
Ein Weizenfeld bietet Insekten fast nichts. Die Blüten sind windbestäubt, es gibt keinen Nektar, keinen relevanten Pollen. Ein Rapsfeld blüht zwar intensiv, aber nur wenige Wochen und oft unter Einsatz von Insektiziden. Die Lupine liegt dazwischen: eine Ackerfrucht, die blüht, die Insekten nährt und die ohne Gift auskommt.
Für Imker in der Bodenseeregion sind die Lupinenfelder des Biolandhofs Kelly ein Gewinn. Die Blütezeit fällt in eine Phase, in der die Bienenvölker noch wachsen und viel Nektar brauchen. Die Felder stehen verteilt in der Landschaft, was die Reichweite für fliegende Insekten erhöht. Linda Kelly verteilt ihre Lupinenfelder bewusst auf verschiedene Standorte, auch um das Hagelrisiko zu streuen, aber der Nebeneffekt ist: Insekten profitieren an mehreren Stellen.
Landwirtschaft, die mehr kann
Linda Kelly hat sich nie als Naturschützerin positioniert. Sie ist Landwirtin. Aber die Art, wie sie Süßlupinen anbaut, zeigt, dass Landwirtschaft und Ökologie kein Widerspruch sein müssen. Die Lupine liefert Lebensmittel für den Menschen, Nahrung für Insekten und Stickstoff für den Boden. Alles gleichzeitig. Das ist bienenfreundlich im besten Sinne.
„Alles, was hier regional vor der Haustüre wächst, das ist einfach die bessere Wahl“, sagt sie. Und wenn das, was vor der Haustüre wächst, auch noch die Bienen füttert, dann ist es die beste Wahl.
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