Bei einer Blindverkostung der ISW stand ein Whisky im Glas, und ein Jury-Mitglied war sich ziemlich sicher: Der kommt von der Insel. Gemeint war Islay. Schottland, Westküste, berühmt für die rauchigen Single Malts. Dass das Glas tatsächlich einen Whisky vom Bodensee enthielt, einen Brigantia Peat Lake Edition aus Kressbronn, erfuhr die Jury erst am Ende. „Das war für uns als deutscher Hersteller ein Ritterschlag“, sagt Moritz Steinhauser.
Der Brigantia Peat Lake Edition ist Moritz‘ eigener Lieblings-Whisky aus dem Steinhauser-Haus. Rauchig, im Eilerfass vollgereift, Fassstärke abgefüllt. Wer ihn pur trinkt, riecht zürst Rauch, dann setzen sich erst andere Aromen durch. Wer aus der Islay-Welt kommt, fühlt sich schnell zu Hause.
Was den Brigantia Peat Lake besonders macht
Rauchige Whiskys entstehen durch zwei Wege. Beim ersten wird die Gerste über Torf gedarrt, der Rauch zieht in das Korn. Bei Islay-Whiskys wie Laphroaig oder Ardbeg ist das die klassische Methode. Beim zweiten Weg kommt der Rauch über das Fass. Eilerfässer, oft aus alten Islay-Brennereien, geben ihren Rauchcharakter über Jahre an einen Whisky weiter, der vorher rauchfrei war.
Der Brigantia Peat Lake Edition geht den zweiten Weg. Das Destillat reift vollständig im Eilerfass. Nicht nur als Finish, sondern als Vollreifung. Das gibt dem Whisky Zeit, den Rauch tief aufzunehmen. Was am Ende rauskommt, trägt einen Charakter, der mit klassischen deutschen Whiskys wenig zu tun hat und mit Islay viel.
Moritz beschreibt die Sache mit den „Ecken und Kanten“ wichtig. Bei einer Sherry-Vollreifung sind diese Ecken nicht gewollt, da soll alles rund und süß sein. Bei einer Eilerfass-Vollreifung sind die Ecken im Stil drin. „Beim Eilerfass sind die Ecken und Kanten teilweise nicht störend und man möchte sie haben“, sagt er. Wer den Brigantia Peat Lake pur kostet, soll Schärfe spüren, dazu Rauch, dazu das, was die Fassstärke gibt: Druck im Mund, eine Hitze, die nicht aus dem Alkohol allein kommt.
Wer Steinhauser ist
Brennt wird seit 1828 in der Familie. Sechste Generation heute, das sind Moritz Steinhauser und sein Bruder, dazu die Eltern, dazu ein Destillateur und ein Kellermeister im Team. Standort Kressbronn am Bodensee, zwischen Apfel- und Birnenplantagen, mit einem über hundert Jahre alten Whisky-Stadl im Hof, in dem ein Bruchteil der 2000 Whiskyfässer liegt.
Whisky brennt Steinhauser seit 2008. Das älteste Fass ist von 2010. 2024 hat der Verband der Deutschen Whisky-Brenner die Familie als Deutschlands beste Whisky-Destillerie ausgezeichnet. Beim SeeGin hat Steinhauser 2017 in London die IWSC-Trophy zum weltweit besten London Dry Gin geholt.
Wie der rauchige Whisky am Bodensee wirkt
Steinhauser arbeitet mit der schottischen Reifemethode. Das Destillat geht mit rund 58 bis 60 Volumenprozent ins Fass und reift dort mindestens drei Jahre und einen Tag. Der Brigantia Peat Lake liegt darüber, mehrere Jahre, bevor er abgefüllt wird.
Was die Bodensee-Region zum Profil beiträgt, ist das Klima. Heisse Sommer, milde Winter, dazu die Feuchtigkeit vom See. Das Fass arbeitet schneller als in den kühlen Highlands oder auf den windigen Inseln. Mehr Angels‘ Share, mehr Aromaverlust, aber auch mehr Aromaeinholung aus dem Holz pro Jahr. Ein Eilerfass am Bodensee gibt seinen Rauch schneller ab als das gleiche Fass in Schottland.
Wer den Brigantia Peat Lake trinkt
Er ist nicht für den Einsteiger. Wer noch nie einen rauchigen Whisky probiert hat, wird vom Brigantia Peat Lake im ersten Schluck irritiert sein. Wer Islay kennt, findet sich darin wieder. Wer von Islay aus weitersucht und mal einen rauchigen Whisky vom Festland probieren will, hat hier eine Option, die nicht nach Festland schmeckt.
Pur ist die Standard-Variante. Mit Wasser lässt der Rauch nach, die anderen Aromen rücken nach vorne. Mit Eis verhärten sich die Aromen, der Whisky wird stumpfer. Moritz empfiehlt pur, ohne Eis.
Mehr über den Brigantia Peat Lake Edition, die ISW-Blindverkostung und die Whisky-Familie Steinhauser im Podcast pekuu audiostories.
