Wenn Moritz Steinhauser den SeeGin beschreibt, fällt das Wort London Dry Gin gleich zu Beginn. Nicht weil es Marketing-Sprech ist, sondern weil es eine geschützte Bezeichnung mit klaren Regeln ist. Bei der IWSC 2014 in London gewann der SeeGin in der Kategorie „World’s Best London Dry Gin“ die Trophy. Steinhauser ist bis heute der einzige deutsche Gewinner in dieser Kategorie.
London Dry Gin ist nicht eine Frage des Herkunftsorts. Es muss nicht in London hergestellt werden. Es ist eine Frage der Herstellungsmethode und der Strenge im Umgang mit Zusätzen.
Was London Dry Gin von anderen Gins unterscheidet
In der EU-Spirituosen-Verordnung gibt es mehrere Gin-Kategorien. Die wichtigsten sind:
Gin (die offene Kategorie). Mindestens 37,5 Volumenprozent, mit Wacholder dominierend aromatisiert. Aromen können auch über Aroma-Stoffe oder durch nachträgliche Mischung kommen. Zucker erlaubt. Farbstoffe erlaubt.
Distilled Gin. Aromen müssen durch Destillation entstehen, nicht durch nachträgliches Mischen. Zucker und Farbstoffe nach der Destillation erlaubt. Diese Kategorie ist händwerklich strenger als die offene Gin-Kategorie.
London Dry Gin (oder London Gin). Die strengste Kategorie. Alle Aromen müssen durch Destillation entstehen. Kein Zucker nach der Destillation erlaubt (oder maximal eine sehr kleine Menge, üblich unter 0,1 Gramm pro Liter). Kein Farbstoff erlaubt. Kein Aroma nach der Destillation. Wer auf der Flasche „London Dry Gin“ liest, hat einen Gin, dessen ganzer Charakter aus den Botanicals und der Destillation kommt.
Steinhauser produziert London Dry Gin. Das ist die handwerklich anspruchsvollste Variante. Wer hier einen Fehler macht, kann ihn nicht mehr durch nachträgliches Süßen oder Aromatisieren kaschieren.
Was der Stil geschmacklich prägt
London Dry Gins sind in der Regel trockener und wacholder-betonter als Gins aus den anderen Kategorien. Das liegt am Verbot nachträglicher Zucker- oder Aroma-Zugaben. Was im Glas steht, hat seinen ganzen Geschmack aus dem Brennvorgang.
Bei einer Verkostung merkt man das. Ein London Dry Gin wirkt typischerweise straffer, klarer in den Aromen, weniger weich. Wer einen süßen Gin gewohnt ist, braucht eine Anlaufphase. Wer den klassischen Wacholder-Charakter mag, ist bei London Dry richtig.
Moritz formuliert die Wacholder-Treue so: „Wenn ein Gin nicht nach Wacholder schmeckt, dann ist es kein Gin. Gin ist Wacholder, und der muss präsent sein.“ Im London Dry Gin lässt sich diese Haltung am reinsten umsetzen, weil keine nachträglichen Zusätze den Wacholder überlagern dürfen.
Wie der SeeGin in den Stil passt
Der SeeGin ist klassischer London Dry Gin. Alle Aromen kommen aus der Destillation der acht Botanicals (Wacholder, Zitronengras, Melisse und fünf geheime). Keine Zucker-Zugabe nach dem Brennen. Keine Farbstoffe.
Was den SeeGin innerhalb der London-Dry-Kategorie auszeichnet, sind drei Punkte. Erstens die Wacholder-Dominanz. Steinhauser hat über Generationen Wacholderschnaps gebrannt, das Wissen um Wacholder ist im Haus selbstverständlich. Zweitens die 48 Volumenprozent. Klassische London Dry Gins liegen oft bei 40 bis 47, der SeeGin geht eine Stufe darüber. Das gibt mehr Substanz im Drink. Drittens die Bodensee-Identität. Die Botanicals sind nicht standardisierte Industrie-Ware, sondern werden sorgfältig ausgewählt.
Wie London Dry Gin entstanden ist
Der Name geht auf die Gin-Tradition in London im 18. und 19. Jahrhundert zurück. London war damals Zentrum der englischen Spirituosen-Industrie. Mit der Erfindung der Coffey-Still 1830 wurde es möglich, sehr reinen Neutralalkohol zu produzieren, was die Basis für den Stil ohne Zucker-Zusatz schuf. Vorher war Gin oft süß und maskierte mit Zucker die Rauheit des Alkohols. Mit dem reinen Neutralalkohol wurde Süß-Maskierung nicht mehr nötig. Daraus entwickelte sich der trockene London-Stil.
Heute hat London Dry Gin nichts mehr mit dem Ort London zu tun. Der Stil hat sich weltweit verbreitet. Steinhauser produziert London Dry Gin am Bodensee. Andere Brennereien machen das in Spanien, Japan, Australien.
Was den SeeGin in der internationalen London-Dry-Welt positioniert
Die IWSC-Trophy 2014 in London ist die höchste Auszeichnung in der Kategorie. Sie wird nicht jedes Jahr vergeben. Wenn das Niveau zu eng ist und kein eindeutiger Sieger feststeht, kann die Jury auch keine Trophy vergeben. 2014 ging die Trophy zum weltweit besten London Dry Gin nach Kressbronn.
Was die Jury bei der Verkostung erlebte, war ein London Dry Gin mit klarer Wacholder-Dominanz, ausgewogenen Botanicals, und mit ausreichender Substanz, um sich gegen die internationale Konkurrenz durchzusetzen. Das hat den SeeGin in der internationalen Gin-Welt platziert.
Wer Steinhauser ist
Die Steinhauser Bodensee Hausbrennerei und Weinkellerei wird in sechster Generation geführt. Brennrecht seit 1828. Standort Kressbronn. Beim SeeGin hat Steinhauser 2014 in London die IWSC-Trophy zum weltweit besten London Dry Gin geholt. Bis heute einziger deutscher Trophy-Gewinner. Im Sortiment außerdem Brigantia-Whisky (2024 vom Verband als beste Whisky-Destillerie Deutschlands ausgezeichnet), Rubo-Rum, Obstbrände, Wein, Brandy, Liköre.
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