Demeter-Tierhaltung: Warum auf der Alpe Sonnhalde alle Tiere ihre Hörner behalten

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Andrea Maucher hat mal einen Gast belauscht. Der stand vor der Weide, schaute auf die Rinder und sagte: „Die haben alle Hörner, das sind lauter Stiere.“ Andrea musste schmunzeln. Kein einziger Stier war dabei. Nur Kühe. Kühe mit Hörnern, wie die Natur sie vorgesehen hat.

Auf der Alpe Sonnhalde bei Oberstaufen tragen alle Rinder und alle Ziegen ihre Hörner. Das ist kein Zufall und keine Dekoration. Die Sonnhalde ist ein Demeter-Betrieb. Und bei Demeter gehört das Horn zum Tier.

Was Demeter bei der Tierhaltung bedeutet

Demeter ist der älteste und strengste Bio-Standard in Deutschland. Im Bereich Tierhaltung geht er deutlich über die EU-Bio-Verordnung hinaus. Ein zentraler Punkt: Demeter-Betriebe enthornen ihre Tiere nicht. Während in konventionellen und vielen Bio-Betrieben Kälber in den ersten Lebenswochen enthornt werden, bleibt bei Demeter das Horn dran.

Andrea und ihr Mann sehen das genauso. „Unserer Meinung nach gehört das Horn zum Tier dazu“, sagt Andrea. Das Horn hat nichts mit dem Geschlecht zu tun. Stiere haben Hörner, Kühe auch, Jungtiere auch. Es ist eine Frage der Rasse und der Haltung, nicht des Geschlechts.

Am Eingang zu den Weideflächen der Sonnhalde hängen Tafeln vom Demeter-Verband. Ein Rind mit Hörnern, darunter steht: „natürlich mit Horn“. Gäste fragen Andrea immer wieder, was es damit auf sich hat. „Die waren dann überrascht, als ich gesagt habe, dass die anderen Rinder enthornt werden oder mittlerweile auch hornlos gezüchtet.“

Warum die meisten Betriebe enthornen

Das Enthornen hat praktische Gründe. In engen Ställen können sich Tiere mit Hörnern gegenseitig verletzen. Wer viele Tiere auf wenig Platz hält, hat ein Problem mit behornten Tieren. Die Lösung war jahrzehntelang: Hörner weg. Mittlerweile wird auch genetisch an hornlosen Rassen gearbeitet, um den Enthornungsprozess zu umgehen.

Auf der Sonnhalde stellt sich die Frage anders. „Bei uns zum Glück kein Problem“, sagt Andrea, „weil die Tiere Tag und Nacht draußen sind.“ 31 Hektar Weidefläche für rund 100 Tiere. Da gibt es genug Platz, um sich aus dem Weg zu gehen. Aber Andrea weiß auch: „In anderen Ställen wird es zum Problem. Dann muss sich der Landwirt überlegen, welchen Weg er einschlägt.“

Was Gäste überrascht

Andrea merkt an solchen Gesprächen, wie weit sich viele Menschen von der Landwirtschaft entfernt haben. Dass Kühe von Natur aus Hörner tragen, ist für manche eine neue Information. Dass die Entscheidung, ob mit oder ohne Horn, beim Landwirt liegt, überrascht ebenfalls.

Die Sonnhalde macht das sichtbar. Nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern durch die bloße Anwesenheit der Tiere auf der Weide. Wer auf der Terrasse sitzt und eine Brotzeit mit Ziegenkräuterquark isst, sieht die behornten Rinder ein paar Meter weiter. Manchmal ergibt sich daraus ein Gespräch. Manchmal reicht der Anblick.

„Vielen Menschen ist es einfach nicht bewusst, dass es die Entscheidung des Landwirts ist und dass es beides gibt“, sagt Andrea. Sie will niemanden belehren. Aber sie findet es wichtig, dass die Leute sehen, wie es auch gehen kann.

Demeter auf der Alpe: mehr als nur Hörner

Demeter umfasst mehr als die Hornfrage. Auf der Sonnhalde bedeutet es auch: Die Milch der Ziegen wird handwerklich verarbeitet, zu Quark und Käse. Die Weideflächen sind extensiv bewirtschaftet, was zu einer hohen Artenvielfalt führt. „Die Weidewirtschaft in den Alpen ist auch Kulturlandschaftspflege“, sagt Andrea. Im Sommer blühen auf den Flächen zahlreiche Blumenarten, Wacholderbüsche stehen vereinzelt auf den Weiden.

Die Tiere sind Teil eines Kreislaufs. Die Ziegen fressen das Gras, geben Milch, die Milch wird zu Käse, die Molke kann getrunken werden, der Mist bleibt auf der Weide. Nichts davon funktioniert ohne die Flächen, und die Flächen bleiben nicht offen ohne die Tiere.

Für Andrea ist das kein abstraktes Konzept. Es ist ihr Alltag. Und es ist das, was sie Gästen und bald vielleicht auch Schulklassen zeigen will, wenn ihr Antrag für das Programm Erlebnis Bauernhof genehmigt wird.

[INTERNER LINK: Erlebnis Bauernhof Bayern – was Schulklassen auf der Alpe lernen]

Andrea Maucher erzählt im Podcast pekuu audiostories, wie sie und ihr Mann die Alpe Sonnhalde als Demeter-Betrieb führen.

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