Lupine Aussaat
Die erste Lupine Aussaat auf dem Biolandhof Kelly war ein Zufall. 2013. Ein Hektar Acker, der eigentlich für Weizen vorgesehen war. Aber der Weizen war über den Winter erfroren und die Fläche brauchte eine Sommerung. „Durch Zufall haben wir von den Süßlupinen gelesen und dann habe ich gedacht, ja, die bauen wir an“, erzählt Linda Kelly. Dreizehn Jahre später wachsen zehn Hektar Süßlupinen auf dem Hof. Und jede Aussaat im Frühjahr ist immer noch aufregend.
Zeitpunkt und Vorbereitung
Die Lupine Aussaat erfolgt im Frühjahr, sobald der Boden abgetrocknet und befahrbar ist. In der Bodenseeregion ist das meistens Mitte bis Ende April, je nach Jahr auch Anfang Mai. Die Süßlupine ist eine Sommerung, das heißt, sie wird im Frühjahr gesät und im Spätsommer geerntet. Winterharte Sorten gibt es auch, aber Linda Kelly setzt auf die Blaue Süßlupine als Sommerkultur.
Der Boden sollte nicht zu schwer und nicht zu nass sein. Staunässe verträgt die Lupine nicht. Auf dem Biolandhof Kelly in Herdwangen-Schönach liegen die Felder auf einem Höhenzug im Linzgau, mit lehmig-sandigen Böden, die gut funktionieren. Vor der Aussaat wird der Acker gepflügt oder gegrubbert und das Saatbett fein hergerichtet. Grobe Schollen und Verdichtungen sind Gift für die jungen Lupinenwurzeln.
Saattechnik und Saatstärke
Linda Kelly sät ihre Lupinen mit einer Einzelkornsämaschine in Reihen. Der Reihenabstand liegt bei 25 bis 30 Zentimetern, die Ablagetiefe bei drei bis vier Zentimetern. Die Saatstärke hängt von der Sorte und dem Standort ab. Bei der Blauen Süßlupine rechnet man mit 80 bis 100 Körnern pro Quadratmeter.
Ein Detail, das bei der Lupine Aussaat oft übersehen wird: die Impfung mit Rhizobien. Als Leguminose braucht die Lupine Knöllchenbakterien an den Wurzeln, um Luftstickstoff zu binden. Auf Flächen, die noch nie Lupinen getragen haben, fehlen diese Bakterien im Boden. Dann muss das Saatgut vor der Aussaat mit einem Impfmittel behandelt werden, das die Bakterien enthält. Ohne Impfung keine Stickstofffixierung, und die Lupine bleibt deutlich hinter ihrem Ertragspotenzial zurück.
Unkrautbearbeitung nach der Aussaat
Im Ökolandbau gibt es keine Herbizide. Die Unkrautbekämpfung bei Lupinen passiert mechanisch: Striegel, Hacke, manchmal Handarbeit. Linda Kelly kennt den Zeitdruck, der damit verbunden ist. „Ganz viele Faktoren hängen zusammen, um den Ertrag sicher einzufahren.“
Das Zeitfenster für den Striegel ist eng. Zu früh, und die Lupinenkeimlinge werden herausgerissen. Zu spät, und das Unkraut ist zu groß. Wenn es drei Wochen am Stück regnet und der Traktor nicht aufs Feld kann, hat man ein Problem. Linda Kelly hat das mehr als einmal erlebt. „Wir sind komplett von dem, was da oben kommt, vom Wetter abhängig.“ In einem Jahr war es so nass, „dass wir mit dem Traktor auf dem Acker richtig abgesoffen sind.“
Ernte im August
Von der Lupine Aussaat im April bis zur Ernte im August vergehen rund vier Monate. Die Pflanzen blühen im Juni weiß und bieten dabei Nahrung für Bienen und Hummeln. Die Schoten reifen im Juli ab und werden im August mit dem Mähdrescher gedroschen. Die weißen Samen rieseln in den Korntank.
Der Ertrag schwankt stark. „Wenn es gut läuft, drei Tonnen pro Hektar. Aber wir hatten auch schon Jahre mit nur einer Tonne.“ 2018 platzten die Schoten auf dem Feld, weil es zu trocken war. Hagel vernichtete einmal achtzig Prozent der Ernte. Linda Kelly verteilt deshalb ihre Felder auf verschiedene Standorte. „Wir versuchen, die Lupinenfelder zu verteilen, damit wenn eine Hagelschneise durchgeht, nicht gleich alle zehn Hektar platt sind.“
Für Einsteiger
Wer die Lupine Aussaat zum ersten Mal in Erwägung zieht, sollte klein anfangen. Ein Hektar, wie Linda Kelly 2013. Erfahrungen sammeln, den Boden kennenlernen, die Sorte testen. Die Sortenwahl ist standortabhängig. Was am Bodensee funktioniert, kann in Brandenburg anders aussehen.
„Jemand, für den das Herz für die Landwirtschaft schlägt, der findet immer irgendeinen Weg und eine Lösung“, sagt Linda Kelly. Ihr Weg begann mit einem erfrorenen Weizenfeld und einer Idee. Dreizehn Jahre später stehen zehn Hektar Süßlupinen auf dem Hof, und die Ideen gehen ihr nicht aus.
Linda Kellys Geschichte hören im pekuu audiostories Podcast.
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