Lupinenkaffee Geschmack
Die erste Tasse Lupinenkaffee in der Geschichte des Biolandhofs Kelly entstand 2013 in einer Bratpfanne. Linda Kelly und ihre Mutter Johanna hatten gerade ihre erste Lupinenernte eingefahren. Ein Hektar, eigentlich für Weizen vorgesehen, der über den Winter erfroren war. Jetzt lagen kleine weiße Samen in Eimern, und niemand wusste so recht, was damit anfangen. Bei der Recherche stießen die beiden auf eine Spur: Es hatte schon in den 90er-Jahren Lupinenkaffee gegeben.
Johanna Warnke fragte die älteren Damen in Oberndorf, wie man rösten könnte, wenn man keinen Trommelröster hat. Der Rat war pragmatisch: einfach in der Pfanne. „Dann war die ganze Küche unter Rauch gesetzt und wir hatten aber schöne geröstete Lupinensamen“, erzählt Linda Kelly. Sie mahlten sie, brühten sie durch einen normalen Kaffeefilter auf. Und dann kam dieser Moment. „Da war dieser Wow-Effekt: Oh, Blümchenkaffee schmeckt.“
Seitdem hat Linda Kelly tausende Tassen getrunken. Sie kennt den Geschmack wie kaum jemand sonst.
Mild, nussig, überraschend nah
Wer Lupinenkaffee zum ersten Mal probiert, rechnet mit Getreidekaffee. Mit diesem dünnen, leicht bitteren Aufguss, den man vielleicht von der Großmutter kennt. Der Geschmack ist anders. Dichter. Runder. Näher am Original.
„Wenn man Lupinenkaffee und normalen Kaffee nebeneinander stellen würde, wird der eine oder andere sagen: Oh ja, das ist aber ein angenehmer Kaffee, ein milder Kaffee“, beschreibt Linda Kelly. Vielleicht andere Röstung, würden die Leute denken. Andere Bohne. Aber Lupine? „Ich glaube nicht, dass jemand drauf kommen würde, dass es Lupinen sind.“
Der Geschmack ist nussig, leicht malzig, ohne die Schärfe, die mancher Bohnenkaffee hat. Es fehlt die Säure, die bei empfindlichen Mägen Probleme macht. Und es fehlt das Koffein. Wer seinen Kaffee ohnehin mit Milch trinkt, wird den Unterschied noch weniger merken.
Der Misch-Tipp für Pragmatiker
Nicht jeder will komplett auf Koffein verzichten. Linda Kelly versteht das. „Natürlich sagt der eine oder andere, ich brauche mein Koffein. Davon will ich ihn gar nicht abbringen.“ Ihr Vorschlag ist pragmatisch: mischen. Normalen Kaffee und Lupinenkaffee zusammen. „Dann schmeckt er ein bisschen angenehmer, milder und hat nicht mehr so die starken Kaffeesäuren.“
Das Verhältnis kann jeder selbst bestimmen. Halb und halb ist ein guter Start. Wer mehr Koffein will, nimmt mehr Bohnenkaffee. Wer den Magen schonen will, erhöht den Lupinenanteil. Es ist kein Entweder-oder. Es ist ein Dazwischen, das gut funktioniert.
Warum keine Kaffeesäure
Was ihn so verträglich macht, ist das Fehlen der Kaffeesäure. Bohnenkaffee enthält Chlorogensäure, die bei vielen Menschen Sodbrennen, Magenbrennen oder Unwohlsein auslöst. Die Süßlupine hat diese Säure nicht. Der Kaffee ist reizstoffarm und basisch.
„Durch den Lebenswandel, den wir haben, viel Stress, vielleicht nicht ganz die richtige Ernährung, sind wir oft übersäuert“, sagt Linda Kelly. „Da kann der Lupinenkaffee auch helfen.“ Nicht als Medizin. Aber als ein Baustein im Alltag, der den Säure-Basen-Haushalt nicht zusätzlich belastet.
Für Menschen mit Gicht kommt ein weiterer Vorteil dazu. Der Puringehalt der Süßlupine ist niedrig. Purin wird im Körper zu Harnsäure abgebaut, und zu viel davon kann Gichtanfälle auslösen. Herkömmlicher Bohnenkaffee enthält zwar wenig Purin, aber wer aus gesundheitlichen Gründen jede Quelle reduzieren will, liegt mit Lupinenkaffee richtig.
Zehn Kilometer statt zehntausend
Was Linda Kelly am meisten am Herzen liegt, wenn sie über ihr Lieblingsprodukt spricht, ist nicht der Geschmack selbst. Es ist die Herkunft. „Jeder, der eine Tasse Lupinenkaffee trinkt, anstatt importierten Bohnenkaffee, der setzt natürlich auch einen guten CO2-Fußabdruck.“
Die Lupinen wachsen auf ihrem Biolandhof in Herdwangen-Schönach. Zehn Kilometer Luftlinie zum Bodensee. Die Röstung passiert auf dem Hof, nicht in einer anonymen Fabrik. Die Verpackung, der Versand, alles aus einer Hand.
Zubereitung macht den Unterschied
Der Lupinenkaffee Geschmack hängt auch von der Zubereitung ab. Linda Kelly brühte den allerersten Versuch durch einen normalen Papierfilter. Das funktioniert bis heute. Aber es geht auch mit der French Press, dem Espressokocher oder dem Vollautomaten. Je nach Methode verändert sich der Körper des Getränks. Im Filter wird er klar und leicht, in der French Press voller und runder.
Die Menge spielt ebenfalls eine Rolle. Wer es wie normalen Kaffee dosiert, bekommt ein kräftiges Ergebnis. Wer weniger nimmt, etwas Zartes, Teeähnliches. Linda Kelly erzählt, dass manche Kunden den Lupinenkaffee abends trinken, weil er kein Koffein hat und nicht aufdreht. Ein warmes Getränk zum Runterkommen, das nach Kaffee schmeckt, aber den Schlaf nicht stört.
Die Tasse Lupinenkaffee, die am Ende auf dem Tisch steht, hat vielleicht dreißig Kilometer Weg hinter sich. Eine Tasse Bohnenkaffee aus Brasilien oder Äthiopien hat zehntausend. Am Ende ist es Geschmackssache. Aber dass er überrascht, das passiert fast immer.
Wie Linda Kelly den Lupinenkaffee entdeckte, erzählt sie im pekuu audiostories Podcast.
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