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Höhle Baden-Württemberg: Vier Highlights aus Insider-Sicht

Baden-Württemberg hat mehr Höhlen als Tropfsteine in seinen Tropfstein-Höhlen, und dafür gibt es einen Grund. Die Schwäbische Alb, geologisch ein Karst-Gebirge, ist über Jahrtausende von Wasser durchhöhlt worden. Heute kennt man tausende Höhlen, vier davon sind als Schauhöhlen zugänglich und prägen das öffentliche Bild der Region.

1. Laichinger Tiefenhöhle: die tiefste

Schneider beginnt das Gespräch mit dem Anker-Satz: „Die Laichinger Tiefenhöhle ist die tiefste Schauhöhle Deutschlands. Das ist ein Alleinstellungsmerkmal.“

Was das konkret bedeutet: 55 Meter senkrecht hinab, 620 Stufen, 320 Meter Rundgang, kein anderes Konzept auf der Schwäbischen Alb verlangt diesen körperlichen Einsatz. Die Tiefenhöhle ist eine Schachthöhle, Schneider nennt sie die „Ausnahme im deutschen Schauhöhlen-Verzeichnis“.

Wer hier hin geht, geht nicht spazieren. Er steigt ab. Das Erlebnis ist deshalb weniger atmosphärisch im Tropfstein-Sinn, sondern vertikal, körperlich, fast meditativ, Schneider sagt: „Man hat kein Licht, hat keinen Handyempfang, man hat gar nichts da unten außer sich selber. Man hat eine unglaubliche Ruhe, die man sonst nirgends finden kann.“

Profil: Schachthöhle, Audiosystem, eigenes Tempo, ehrenamtlich betrieben, am Ortsrand von Laichingen, von der A 8 schnell erreichbar.
Geeignet für: Wer Tiefe sucht, wer eigenes Tempo will.

2. Bärenhöhle Sonnenbühl: die bekannteste

Die Bärenhöhle gehört zur Allgemeinbildung der Schwäbischen Alb. Sie verdankt ihren Namen den Knochen prähistorischer Höhlenbären, die hier in größerer Zahl gefunden wurden. Die Höhle wird im klassischen Führungs-Modell betrieben, also mit Gruppe und Begleitung.

Im Inneren sind die Tropfsteine ihr großer Trumpf. Stalaktiten von der Decke, Stalagmiten vom Boden. Schneider erklärt die Terminologie selbst: „Sinter ist der Überbegriff für Tropfsteine. Darunter zählen die von der Decke hängenden Tropfsteine, die Stalaktiten, sowie die von unten nach oben wachsenden, die Stalagmiten.“

Wer die Bärenhöhle in Sonnenbühl besucht, kombiniert das mit der direkt benachbarten Nebelhöhle, beide gehören zum selben Höhlensystem und werden vom selben Betreiber bewirtschaftet.

Profil: Klassische Tropfstein-Höhle, geführter Rundgang, Familien-Klassiker.
Geeignet für: Wer Tropfsteine sehen will, wer Kinder dabei hat, wer eine Führung mag.

3. Wimsener Höhle: die einzige mit Boot

Die Wimsener Höhle im Lautertal ist eine Besonderheit unter allen deutschen Schauhöhlen: Sie wird per Boot befahren. Der Eingangsbereich ist wassergefüllt, ein flaches Boot bringt Besucher in die ersten Kammern. Wer Höhlen-Erlebnis sucht, das nicht aus Treppensteigen besteht, ist hier richtig.

Das Wasser-Thema verbindet die Wimsener Höhle mit einem anderen großen Naturphänomen der Alb, dem Blautopf. Schneider sagt zur Verbindung zwischen Tiefenhöhle und Blautopf: „Eine Verbindung von der Laichinger Tiefenhöhle zum Blautopf, die existiert bisher nur in unserer Fantasie. Es gibt Wasserwege, also Wege, die das Wasser nehmen kann, zum Blautopf zu gelangen. Allerdings ist noch nichts bekannt, was groß genug wäre, damit ein Mensch durchkommt.“

Diese Karst-Wasser-Welt ist die geologische Heimat der Wimsener Höhle. Ihre Boot-Tour zeigt davon einen kleinen Ausschnitt.

Profil: Wasserhöhle, Boot-Tour, einzigartig in Deutschland.
Geeignet für: Wer ein anderes Höhlen-Erlebnis sucht, wer mit Kindern eine Bootsfahrt mag, wer Wasser-Höhlen liebt.

4. Hohle Fels Schelklingen: das UNESCO-Welterbe

Der Hohle Fels bei Schelklingen ist von allen vier Höhlen geschichtlich die bedeutendste. Hier wurden Funde gemacht, die in keinem anderen Schauhöhlen-Programm Deutschlands ihresgleichen finden:

  • Die Venus vom Hohle Fels, die älteste figürliche Skulptur der Menschheit
  • Frühe Knochenflöten, die ältesten Musikinstrumente der Welt
  • Werkzeuge, Schmuck, Spuren von Eiszeit-Menschen

2017 wurde der Hohle Fels gemeinsam mit weiteren Alb-Höhlen zum UNESCO-Welterbe erklärt: „Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb“. Das macht den Hohle Fels nicht nur zu einer Schauhöhle, sondern zu einem Welterbe-Ort.

Profil: Eiszeitkunst-Welterbe, archäologisch sensationell, eher klein im Raum, aber riesig in der Bedeutung.
Geeignet für: Wer Geschichte sucht, wer UNESCO-Stempel will, wer Eiszeit-Kunst nicht nur im Museum sehen will.

Weitere Höhlen

Über die vier großen Schauhöhlen hinaus nennt Schneider zwei weitere Geheimtipps, die in keinem klassischen Reiseführer ganz oben stehen: „Es gibt andere Schauhöhlen auf der Schwäbischen Alb, gerade auch Laichingen herum. Zum Beispiel die Sontheimer Höhle oder die Schertelshöhle bei Westerheim.“

Sontheimer Höhle und Schertelshöhle sind die kleineren, lokaleren Schauhöhlen-Varianten. Wer Tropfstein-Pracht ohne Tourist-Andrang sucht, ist hier oft besser aufgehoben.

Das Blauhöhlensystem als Hintergrund

Auch wenn das Blauhöhlensystem für Besucher nicht zugänglich ist, es lohnt sich, davon zu wissen. Schneider erklärt: „Das größte Höhlensystem auf der Schwäbischen Alb ist gerade das Blauhöhlensystem. Das erstreckt sich von Blaubeuren Richtung Sonderbuch-Seißen. Der erste Eingang, den man gefunden hat, war durch den Blautopf.“

Wer den Blautopf in Blaubeuren besucht, steht am Eingang zum größten erschlossenen Höhlensystem der Region. Der Blautopf selbst ist eine Karst-Quelle mit dem berühmten blauen Wasser, ein Naturphänomen, das im UNESCO-Geopark Schwäbische Alb zu den Höhepunkten zählt.

Touren-Vorschläge

Wer mehrere Höhlen kombinieren will, hat ein paar logische Routen:

Die Tiefen-und-Höhe-Tour (ein Tag): Laichinger Tiefenhöhle vormittags, Blautopf nachmittags. Beides liegt nah beieinander, beide haben mit der Karst-Welt zu tun, beide sind komplett unterschiedlich im Erlebnis.

Die Klassiker-Tour (ein Wochenende): Bärenhöhle und Nebelhöhle in Sonnenbühl, dann Wimsener Höhle. Drei Höhlen, drei Erlebnisse.

Die Welterbe-Tour (ein Wochenende): Hohle Fels in Schelklingen, dann Urgeschichtliches Museum in Blaubeuren mit den Originalfunden, dann eine zweite Eiszeit-Höhle nach Wahl.

Fazit

Vier Schauhöhlen in Baden-Württemberg, jede mit eigenem Anker. Wer die Schwäbische Alb als Höhlen-Region versteht, fängt mit einer an und ergänzt nach Interesse. Schneider selbst empfiehlt nicht „die beste“, sondern beschreibt, welche Höhle was bietet. Das ist die ehrlichste Form von Orientierung.

Wer alle vier sehen will, plant zwei Wochenenden. Wer nur eine sehen will, fragt sich, was die Frage in einem Jahr beantwortet wissen will: Wie tief war ich schon einmal? Habe ich Tropfsteine gesehen? Bin ich in einer Höhle Boot gefahren? Habe ich Eiszeitkunst gesehen?


Im Podcast pekuu audiostories erzählt Alexander Schneider über die Höhlen-Welt der Schwäbischen Alb, ihre Verbindungen und ihre Geheimnisse. → Zur Episode

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