In einer Ecke des Steinhauser-Fasslagers steht ein Fass, das nicht aus einer Küferei gekauft wurde. Moritz‘ Opa hat es selber gebaut. Mit den Werkzeugen, die in der Familie aus der früheren Küferei-Zeit erhalten sind. Mit dem Wissen, das über Generationen weitergegeben wurde. In diesem Fass reift seit 20 Jahren ein Brandy. Wenn Moritz Steinhauser über dieses Produkt spricht, ist es eines der wenigen Male, wo er über Familie spricht ohne den nüchternen Marketing-Ton, der bei ihm sonst gilt. Es ist ein Brandy, an dem ein Verstorbener noch direkt mitarbeitet.
Brandy ist Weinbrand, ein Destillat aus Wein. Bei Steinhauser kommt der Brandy klassisch aus eigener Produktion. Was den 20-Jährigen besonders macht, ist nicht nur die Reifezeit, sondern das Fass.
Was den 20-Jährigen prägt
Drei Punkte heben ihn vom Standard-Brandy ab.
Erstens das Alter. 20 Jahre Fassreifung ist im Brandy-Bereich premium. Wer einen Standard-Cognac kennt, wei dass dreijährig schon das Minimum ist und VS, VSOP und XO die Standard-Stufen definieren. XO-Cognacs reifen mindestens zehn Jahre. Ein 20-jähriger Brandy liegt deutlich darüber.
Zweitens das Fass. Das Opa-Fass ist ein Einzelstück. Es wurde mit den Maßen, dem Holz und der Bauweise gebaut, die die Familie selber entwickelt hatte. Was darin reift, hat eine andere Geschichte als das, was in einem standardisierten Bourbon-Fass reift.
Drittens das Wissen. Steinhauser hatte früher eine eigene Küferei. Der Meisterbrief der Vorfahren existiert noch. Aus dieser Küferei-Tradition kommt das Wissen, was ein Fass macht. Wer Fässer selber baut, kennt die Holz-Wirkungen nicht nur als Endkonsument, sondern als Hersteller.
Wer Steinhauser ist
Die Steinhauser Bodensee Hausbrennerei und Weinkellerei wird in sechster Generation geführt. Brennrecht seit 1828. Standort Kressbronn. Familienbetrieb. Im Sortiment Obstbrände, Wein aus der Kressbronner Berghalde, Brigantia-Whisky (2024 vom Verband als beste Whisky-Destillerie Deutschlands ausgezeichnet), SeeGin (IWSC-Trophy 2014), Rubo-Rum (seit 2021), 20-jähriger Brandy aus dem Opa-Fass, Liköre.
Die ehemalige Küferei der Familie ist nicht mehr aktiv. Aber das Wissen ist in der Familie, das Material existiert teilweise noch, und einzelne Fasstücke wie das Opa-Fass sind in Verwendung. Die Familie hatte über Jahrhunderte ihre Fässer selbst gebaut, das ist eine Eigenschaft, die heute selten ist.
Wie der 20-Jährige schmeckt
20 Jahre im Eichenfass machen jeden Brandy reifer als die meisten Vergleichswerte. Beim Opa-Fass kommen noch die Eigenheiten dieses einen Fasses dazu. Welches Holz, welche Bauweise, welche Vorbehandlung. Was bei Standard-Fässern industriell normiert ist, ist hier individüll.
Im Anriechen kommt zürst eine warme, dunkle Aroma-Linie. Eichennoten, leicht Vanille, dazu Trockenfrucht-Anklänge aus dem Wein-Destillat. Im Mund eine tiefe Mittelschicht, mit Karamell und einer leichten Holznote. Im Abgang sehr lange, mit Trockenfrucht-Erinnerungen und einer leichten Bittermandel.
Der 20-Jährige ist nicht der gefällige Sommer-Brandy. Er ist ein After-Dinner-Drink für ruhige Abende, für Trinker, die Tiefe wollen.
Wie er getrunken wird
Pur, im Schwenker, bei 18 bis 20 Grad. Etwas höhere Trinktemperatur als bei den Edelbränden, weil die Brandy-Aromatik sich erst bei Wärme voll entfaltet. Wer den Schwenker in der Hand hält und die Körperwärme das Glas zusätzlich anwärmt, hilft den Aromen heraus.
Pro Glas 2 bis 3 cl. Bei einem 20-Jährigen lohnt es sich, die kleine Menge über längere Zeit zu trinken. Aroma-Entwicklung im Glas über zehn oder fünfzehn Minuten.
Klassisch After-Dinner, nach einem feierlichen Essen. Im Sessel, ohne weitere Beigaben. Eventüll mit einer Zigarre.
Was das Opa-Fass bedeutet
Der Brandy aus dem Opa-Fass ist ein Produkt, das nicht beliebig reproduzierbar ist. Wenn das Fass irgendwann leer ist, gibt es diese Variante nicht mehr in dieser Form. Steinhauser kann andere Brandys in anderen Fässern reifen, aber das Opa-Fass ist ein Einzelstück.
Wer eine Flasche kauft, kauft eine Limitierung, die nicht durch Marketing künstlich erzeugt wurde, sondern durch ein Stück Holz, das von einem Verstorbenen gebaut wurde.
Mehr über den 20-Jährigen Brandy und die Steinhauser-Familie im Podcast pekuu audiostories.
