Moritz Steinhausers Vater hatte einen Plan. 2008 hatte er das erste Mal Whisky gebrannt. Auf den Markt sollte er erst 2020 kommen, als 12-jähriger. So lange wollte er warten. Seine Kunden hatten andere Ideen. Wenn Besucher nach Kressbronn kamen und die Familie nach dem Whisky fragten, wuchs der Druck. Irgendwann gab der Vater nach. Der erste Brigantia kam am 11.11.2011 um 11:11 Uhr heraus. 111 Flaschen, schottische Dudelsackmusik im Hof, Julia Norney als Gast, die Familie hatte selber abgefüllt und etikettiert.
Brigantia heißt der Whisky nach Brigantium, dem römischen Namen für den Bodensee. Das ist die kürzeste Erklärung der Marke. Die längere geht so.
Wer Steinhauser ist
Die Familie Steinhauser führt ihre Brennerei in sechster Generation. Brennrecht seit 1828, ursprünglich in Gartnau auf einem Hof mit Kühen, Hennen und Landwirtschaft. Der heutige Standort in Kressbronn entstand erst durch Moritz‘ Eltern. Davor war alles kleiner, überschaubarer, regionaler. Der Sprung von der Hof-Brennerei zur ernsthaft betriebenen Manufaktur kam durch die Generation vor Moritz. Der Sprung zum Whisky kam durch seinen Vater.
Vorher hatte Steinhauser über Generationen Obstbrand und Wacholderschnaps gebrannt. Williams, Kirsch, Apfel, Quitte. Das Handwerk für Whisky war im Grundgerüst da. Die Familie hatte sogar einmal eine eigene Küferei und ihre Fässer selbst gebaut. Der Meisterbrief der Vorfahren existiert noch. Was fehlte, war die Erfahrung mit Gerste, mit Maische, mit langer Reifezeit. Die kam dazu.
Wie der Brigantia gebrannt wird
Steinhauser arbeitet nach schottischer Methode. „Wir stellen unseren Whisky her wie die Schotten. Wir läutern ab, und nachdem wir die Whisky-Würze gebrannt haben, kommt sie mit rund 58 bis 60 Volumenprozent in das Fass und muss drei Jahre und einen Tag reifen, dass es überhaupt Whisky genannt werden kann“, erklärt Moritz. Das gesetzliche Minimum ist drei Jahre und ein Tag. Brigantia liegt darüber.
Im Lager der Brennerei stehen heute über 2000 Whiskyfässer. Ein Bruchteil im Whisky-Stadl auf dem Anwesen in Kressbronn, der größere Teil in einer Halle im Industriegebiet. Der Whisky-Stadl ist selbst über hundert Jahre alt, aus dem Allgäu übernommen. Im Stadl läuft, wenn niemand zur Führung da ist, die Kressbronner Blasmusik aus Lautsprechern, damit der Whisky während der Reifung „nicht immer allein ist“, wie Moritz sagt. Das älteste Fass im Lager ist von 2010.
Welche Brigantia-Varianten es gibt
Der Brigantia ist keine einzelne Abfüllung. Es ist eine Serie mit verschiedenen Reifevarianten. Sherry-Cask-Vollreifungen. Eilerfass-Vollreifungen für den rauchigen Charakter. Single-Cask-Abfüllungen aus einzelnen Fässern. Reife-Kombinationen, in denen ein Whisky über mehrere Fasstypen wandert.
Moritz‘ eigener Favorit ist die Brigantia Peat Lake Edition. Rauchig, im Eilerfass vollgereift. „Ein rauchiger Whisky, der einen Charakter trägt, mit dem mich fasziniert“, sagt er. Sonst ist Moritz in Geschmacksfragen zurückhaltend, hier nicht.
Was die Auszeichnung 2024 bedeutet
2024 hat der Verband der Deutschen Whisky-Brenner Steinhauser als Deutschlands beste Whisky-Destillerie ausgezeichnet. Für Moritz war das eine Bestätigung in zwei Richtungen. Zum einen für die Brigantia-Qualität, zum anderen für die Art, wie die Familie die Marke nach außen vertritt. „Da ging es nicht nur darum, die Qualität vom Produkt, auch alles drum rum“, sagt er. Wie deutsche Whisky-Brennereien sich aufstellen, national und international, war Teil der Bewertung.
Davor lag schon eine andere Anekdote, die für Moritz mehr Gewicht hatte als jede formale Auszeichnung. Bei einer Blindverkostung der ISW war ein Jury-Mitglied sich sicher, der Whisky komme von der Insel. Gemeint war Islay. In Wirklichkeit lag im Glas ein Brigantia. Im Eilerfass vollgereift, Fassstärke, vom Bodensee. „Das war für uns als deutscher Hersteller ein Ritterschlag“, sagt Moritz.
Was 2028 dazukommt
2028 fallen drei Daten zusammen. 200 Jahre Steinhauser, gerechnet ab dem Brennrecht von 1828. 20 Jahre Brigantia, gerechnet ab dem ersten Whisky-Brand 2008. Und Moritz könnte den ersten volljährigen Brigantia auf den Markt bringen, einen 18-jährigen. Das Fass dafür liegt im Stadl seit 2010. Es ist der einzige Whisky-Markt-Termin, auf den die Familie schon jetzt namentlich schaut. Drei Jahre noch.
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