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Die Familie heute. Wer macht was bei Steinhauser

Wenn man in der Steinhauser-Brennerei in Kressbronn an einem Werktagmorgen ankommt, sind die Rollen klar verteilt. Moritz‘ Vater steht meistens in der Nähe der Brennblase, kennt die Anlage besser als seine Kinder und macht das, was er seit Jahrzehnten macht. Die Mutter sitzt am Computer in der Buchhaltung. Moritz‘ Bruder ist beim Zoll oder am Telefon mit Vertriebspartnern. Moritz selbst kümmert sich um Marketing-Themen und macht die Einkäufe. Vier Familienmitglieder, vier Verantwortungsbereiche. Dazu ein Destillateur, ein Kellermeister, weitere Mitarbeiter. Aber die Kernverantwortung liegt bei der Familie.

Wer einen Familienbetrieb von innen sieht, sieht selten klare organigramme. Bei Steinhauser ist es etwas anders. Die Rollen sind nicht starr aufgeteilt wie in einem Konzern, aber sie sind klar genug, dass jeder weiß, wo er steht.

Die Vater-Rolle

Moritz‘ Vater steht weiter an der Brennblase. Er ist nicht der nominelle Geschäftsführer mehr, aber er ist da. Wenn ein Brennvorgang läuft, ist seine Erfahrung im Raum. Wenn ein Mittellauf-Schnitt zu setzen ist, fragt man ihn, falls Unsicherheit besteht. Vier Jahrzehnte Brennerei-Praxis sind nicht zu ersetzen.

Der Vater hat den Generationswechsel zu Moritz und seinem Bruder schrittweise gestaltet. Beide Söhne haben extern gelernt, kamen mit anderer Erfahrung zurück. Was sie mitbrachten, hat der Vater nicht abgelehnt, sondern in die Familienarbeit integriert. Brigantia-Whisky, SeeGin, Rubo-Rum sind Entwicklungen, die nicht ohne den Vater entstanden wären, aber auch nicht ohne die jünger Generation.

Die Mutter-Rolle

Die Mutter macht die Buchhaltung. In einem Familienbetrieb mit Brennerei, Weinkellerei, Online-Shop und Brandstore in Lindau ist das kein kleiner Posten. Eingänge, Ausgänge, Lohnabrechnung, Steuer-Themen, Liquidität. Wer das macht, hat den finanziellen Überblick und sieht oft als Erste, wo Engpässe drohen.

Buchhaltung ist nicht spektakulär, aber ohne sie läuft ein Familienbetrieb nicht. Die Mutter ist im Hintergrund der wichtige Posten, der die Zahlenseite ordnet.

Die Bruder-Rolle

Moritz‘ Bruder ist zuständig für Zoll und Vertrieb. Brennereien haben mit Zoll viel zu tun. Alkoholsteuer, Branntweinsteuer, Importzoll-Themen (etwa für die guatemaltekische Zuckerrohrmelasse), Exportthemen (wenn Brigantia ins Ausland geht). Wer das richtig macht, spart der Familie Geld und Ärger.

Vertrieb ist die zweite Säule. B2B-Geschäfte mit Gastronomen, B2C-Geschäfte mit Endkunden, Online-Vertrieb über den eigenen Shop. Wer Vertrieb macht, hat Kundenkontakt und Marktwissen aus erster Hand.

Sein Stil ist eher detail-orientiert als publikumsorientiert. Wer ihn am Telefon mit Vertriebspartnern hört, hört jemanden, der die Zahlen kennt und die Liefertermine im Kopf hat.

Die Moritz-Rolle

Moritz ist zuständig für Marketing und Einkauf. Marketing heißt bei Steinhauser nicht klassische Werbung, sondern Sichtbarkeit über die richtigen Kanäle. Social Media, Pressearbeit, Veranstaltungen, Brandstore-Konzeption. Wer im Podcast pekuu audiostories über Steinhauser spricht, ist meist Moritz.

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Einkauf ist die andere Säule. Wer kauft das Obst ein? Mit welchem Wengle wird verhandelt? Wo kommt die Zuckerrohrmelasse her? Welche Gläser werden bestellt, welche Etiketten? Einkauf ist Detail-Arbeit, die die Produktqualität direkt mitgestaltet.

Wer dazukommt

Destillateur und Kellermeister sind feste Mitarbeiter. Der Destillateur unterstützt die Brennarbeit. Der Kellermeister kümmert sich um den Wein aus der Kressbronner Berghalde, gemeinsam mit der Familie.

Im Brandstore Lindau und im Ladengeschäft Kressbronn arbeiten Verkaufs- und Service-Mitarbeiter. Bei Whisky-Touren oder Veranstaltungen kommen Aushilfen dazu.

Wer Steinhauser ist

Die Steinhauser Bodensee Hausbrennerei und Weinkellerei wird in sechster Generation geführt. Brennrecht seit 1828. Standort Kressbronn. Im Sortiment Obstbrände, Wein aus der Kressbronner Berghalde, Brigantia-Whisky (2024 vom Verband als beste Whisky-Destillerie Deutschlands ausgezeichnet), SeeGin (IWSC-Trophy 2014), Rubo-Rum, Brandy, Liköre.

Was Aufteilung zwischen den Söhnen ausmacht

Das Beste an der Aufteilung Bruder/Moritz ist die Ergänzung. Der eine kümmert sich um Zoll und Vertrieb, der andere um Marketing und Einkauf. Beide sind im Kern Brenner, aber sie haben unterschiedliche Stilrichtungen.

Moritz selber beschreibt es so, dass der Funke bei beiden übergesprungen ist. „Der Funke ist übergesprungen sowohl bei meinem Bruder als auch bei mir.“ Beide haben sich entschieden, in den Betrieb zurückzukommen, statt anderswo Karriere zu machen. Das ist eine seltene Konstellation.

Was die Familie zusammenhält

In einem Familienbetrieb ist die Familie selbst der wichtigste Schritt. Wenn die Familie funktioniert, funktioniert der Betrieb. Wenn sie auseinanderbricht, brechen die Generationen ab.

Bei Steinhauser hat die Familie es geschafft, sechs Generationen durchzuhalten. Was das praktisch heißt, ist Wissen weiterzugeben, Vertrauen zu pflegen, Konflikte intern zu lösen. 2028 wird die siebzehnte Generation des Brennrechts gefeiert. Bis dahin läuft die Maschine.


Mehr über die Steinhauser-Familie im Podcast pekuu audiostories.