„Brennen tun wir seit 1828.“ Wenn Moritz Steinhauser den Satz bei Führungen ausspricht, klingt das nicht wie ein Marketing-Slogan, sondern wie eine Information unter Handwerkern. Sein Vater hat es so von dessen Vater gehört, der hat es von seinem, und so weiter über sechs Generationen. „Mein Bruder und ich werden das Unternehmen auch fortführen, und wir zwei sind dann sozusagen im Bereich Brennkunst die sechste Generation.“ Eltern stehen noch dabei, Vater an der Brennblase, Mutter an der Buchhaltung. Die Übernahme ist im Gang, aber kein Bruch. Es ist eine Linie, die Generation für Generation weitergegeben wurde.
Sechs Generationen klingt nach Marketing-Zahl. Wenn man sie aufschlüsselt, sind es 197 Jahre Familien-Brennkunst seit dem Tag, an dem die Steinhausers das Brennrecht bekamen. Jede Generation hat ein eigenes Kapitel hinzugefügt.
Die erste Generation 1828
Wer 1828 das Brennrecht in der Familie bekam, weiß heute die Steinhauser-Familienüberlieferung. Was klar ist: Der Hof stand in Gartnau, einer Nebenortschaft von Kressbronn. Brennerei, Kühe, Hennen, Landwirtschaft. Ein klassischer kleiner schwäbischer Hof, in dem die Brennerei nur ein Standbein war.
Brennrecht im 19. Jahrhundert war keine Marketingangelegenheit. Es war eine staatlich vergebene Lizenz, die nicht jeder bekam. Wer ein Brennrecht hatte, durfte legal Spirituosen aus eigenem Obst herstellen. Was Steinhauser an Brennrecht-Tradition mitführt, ist Wurzel aus dieser Zeit.
Die mittleren Generationen
Wer in den Generationen zwischen 1828 und heute gebrannt hat, hat oft ohne große Außenwirkung gearbeitet. Steinhauser war ein lokaler Familienbetrieb, der seine Spirituosen an Gastronomen in der Region lieferte. Moritz‘ Opa fuhr mit dem VW Typ 3 über Land, mit Kanistern hinten und vorne, lieferte aus. Die Bezeichnung „Bodensee-Diesel“ für den Apfelbrand kommt aus dieser Zeit, vergeben von Gastronomen, denen der Opa regelmässig zur Tür kam.
Die Eltern von Moritz haben den Standortwechsel von Gartnau nach Kressbronn geschafft. Was vorher Hofbetrieb war, wurde zur eigenständigen Brennerei mit Weinkellerei. Brigantia, SeeGin, Rubo, das alles ist in dieser oder den jüngsten Generationen entstanden.
Die sechste Generation
Moritz und sein Bruder führen das Geschäft heute. Beide sollten extern lernen, bevor sie zurück in den Betrieb kamen. „Das, was man zu Hause kennt, das kennt man schon“, hat ihr Vater ihnen mitgegeben. Beide haben anderswo Erfahrungen gesammelt, sind dann zurück und in den Betrieb eingestiegen.
Bruder zuständig für Zoll und Vertrieb. Moritz für Marketing und Einkauf. Vater weiter an der Brennblase. Mutter macht die Buchhaltung. Dazu Destillateur und Kellermeister im Team. Die Familie ist nicht isoliert, sie arbeitet mit Mitarbeitern, aber die Kernverantwortung liegt bei der Familie.
Was 2028 zusammenkommt
2028 ist ein Triple-Jubiläum. 200 Jahre Steinhauser. 20 Jahre Brigantia (der erste Brigantia wurde 2008 im Fass eingelegt, am 11.11.2011 um 11:11 Uhr in den ersten 111 Flaschen verkauft). Der erste 18-jährige Brigantia könnte 2028 auf den Markt kommen.
Drei Anlässe in einem Jahr. Was 2028 von Steinhauser kommt, wird besondere Aufmerksamkeit bekommen.
Was den Generationswechsel auszeichnet
Jede Generation hat eigene Schwerpunkte gesetzt. Die ersten Generationen haben den lokalen Brennereibetrieb geführt. Die mittleren Generationen haben das Sortiment durch Brand-Variationen erweitert. Die jüngsten Generationen haben sich in neue Kategorien gewagt: Brigantia-Whisky seit 2008, SeeGin mit IWSC-Trophy 2014, Rubo-Rum seit 2021.
In der sechsten Generation kommt der Brandstore in Lindau dazu. Seit Anfang 2026 ist die Hirschapotheke in Lindau das offizielle Schauflenster der Familie. Aus dem kleinen Hof in Gartnau ist ein Familienbetrieb mit eigenem Whisky, eigener IWSC-Gin-Trophy und eigenem Brandstore in einer 551 Jahre alten Apotheke geworden.
Was Sechs Generationen praktisch bedeuten
Über sechs Generationen sammelt sich Wissen. Welche Williamsbirnen wann reif sind. Wie die Maische zu führen ist. Wann der Mittellauf abgetrennt wird. Wie ein Fass auf die Reifung wirkt. Welche Holzart für welchen Spirit passt.
Wer 197 Jahre Familienwissen im Haus hat, kann auf eine Tiefe zurückgreifen, die bei einer neugegründeten Brennerei nicht vorhanden ist. Sechs Generationen sind nicht garantiert Qualität, aber sie sind eine Basis, die als Vorsprung wirkt.
Mehr über sechs Generationen Steinhauser im Podcast pekuu audiostories.
