Moritz Steinhausers Opa fuhr in den 1960ern und 70ern mit einem VW Typ 3 über Land und lieferte Spirituosen aus. Im Auto Kanister hinten und vorne, darin die Steinhauser-Produkte. Wenn er ins Eichgar kam, durfte Moritz‘ Vater als Kind oft mit, weil es dort „etwas anderes gab als den blöden Apfelsaft, da gab es auch mal die Sinalko“. Bei den Gastronomen, denen der Opa lieferte, hieß es irgendwann nur noch: „Jetzt kommt wieder der Mann mit dem Bodensee-Diesel.“
Der Name ist geblieben. Heute heißt der Apfelbrand von Steinhauser auch Bodensee-Diesel. Ein Spitzname, der eine Familiengeschichte trägt und der gleichzeitig den Charakter des Brandes ganz gut beschreibt: klar, kräftig, vom Bodensee.
Was den Apfelbrand auszeichnet
Der Apfelbrand ist eine eigene Disziplin im Obstbrand-Repertoire. Anders als Williamsbirne oder Mirabelle, die mit klarem süß-aromatischen Profil arbeiten, ist Apfel breiter. Manche Sorten geben süßen Brand, andere geben säurebetonten, wieder andere ergeben einen herben, herzhaften Brand. Wer Apfelbrand macht, wählt die Sorten bewusst.
Bei Steinhauser kommen die Äpfel aus dem Bodensee-Umkreis. Plantagen liegen direkt um den Standort in Kressbronn. „Wir liegen mit unserem aktüllen Standort zwischen Plantagen von Äpfeln, Birnen, unter anderem auch Erdbeeren“, sagt Moritz. Was an einem Erntetag in die Maische geht, hat eine kurze Reise hinter sich.
Wer Steinhauser ist
Die Steinhauser Bodensee Hausbrennerei und Weinkellerei wird in sechster Generation geführt. Brennrecht seit 1828. Davor lag der Familienhof in Gartnau, einer Nebenortschaft, mit Brennerei, Kühen, Hennen und kleiner Landwirtschaft. Moritz‘ Eltern haben den heutigen Standort in Kressbronn gebaut.
Heute führen Moritz und sein Bruder das Geschäft, Vater und Mutter weiter im Geschäft. Im Sortiment Obstbrände (Williams Nummer 1 als Bestseller, dazu Apfel, Kirsche, Mirabelle, Quitte, Zwetschge), Wein aus der Kressbronner Berghalde, Brigantia-Whisky (2024 vom Verband als beste Whisky-Destillerie Deutschlands ausgezeichnet), SeeGin (IWSC-Trophy 2014 zum weltweit besten London Dry Gin), Rubo-Rum, ein 20-jähriger Brandy aus dem Opa-Fass, Liköre.
Wo der Bodensee-Diesel-Spitzname herkommt
Die Geschichte ist Familienüberlieferung. Der Opa fuhr regelmässig zu Gastronomen, mit dem VW Typ 3 voller Spirituosen. Was er auslieferte, war keine Sinalko und kein Apfelsaft, sondern Hochprozentiges aus der eigenen Brennerei. Der Vergleich zwischen den Kindergetränken (Apfelsaft, Sinalko) und dem, was im Kanister stand, führte zur halb scherzhaften Bezeichnung. Der Bodensee-Diesel war das, was die Erwachsenen tranken, während die Kinder zur Sinalko griffen.
Heute trägt der Apfelbrand den Spitznamen offiziell mit, als Marken-Reverenz an die Familiengeschichte. Was als Insider-Witz zwischen Gastronomen und Lieferant anfing, ist heute ein Erinnerungsstück im Steinhauser-Repertoire.
Wie der Apfelbrand schmeckt
Klar, mit deutlichem Apfel-Charakter. Nicht so süß wie der Williams, mit einer leichten Säure-Linie, die das typische Apfel-Profil ergibt. Im Mund eine kräftige Apfel-Aromatik, kein gestreckter, leichter Brand.
Pur, in einem Schwenker bei 12 bis 15 Grad. Nicht überkühlt. After-Dinner-Drink, klassisch nach kräftigem Essen.
Auch zu Apfel-Desserts (Apfelstrudel, Apfeltarte, Bratapfel) eine direkte Wahl. Was im Dessert ist, ist im Glas.
Bodensee-Diesel als Kategorie
Bodensee-Diesel ist nicht eine geschützte Sortenbezeichnung. Es ist ein Familienname für einen Apfelbrand mit Charakter. Wer eine Flasche Bodensee-Diesel von Steinhauser kauft, kauft den Apfelbrand des Hauses mit der Familiengeschichte als Etikett.
Andere Brennereien am Bodensee haben ähnliche Spitznamen für ihre Apfelbrände. Im Bodensee-Raum sind Apfelbrände eine eigene Tradition, weil Obstbau hier seit Jahrhunderten verankert ist.
Mehr über den Bodensee-Diesel, den Opa und die Steinhauser-Familie im Podcast pekuu audiostories.
