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Gin Tonic mit Gurke. Was der Wacholder dazu sagt

„Wenn ein Gin nicht nach Wacholder schmeckt, dann ist es kein Gin.“ Den Satz sagt Moritz Steinhauser bei Verkostungen oft. Was er nicht sagt, aber zwischen den Zeilen mitschwingt: Wer den Wacholder durch eine Gurkenscheibe überlagert, macht aus einem Wacholder-orientierten Gin Tonic einen Gurken-Drink mit Gin-Hauch. Die Gurke gewinnt im Glas. Beim SeeGin ist das schade, weil er für den Wacholder gemacht ist, nicht für die Gurke.

Was die Gurke beim Gin Tonic eigentlich tut, ist eine eigene Frage. Hier eine Antwort.

Was Gurke geschmacklich macht

Gurke gibt eine frische, leicht vegetabile, kühle Note. Sie ist mild im Geschmack, trägt aber eine eigene Aroma-Dimension, die sich von Wacholder, Zitrus oder Beeren deutlich unterscheidet. In einem Gin Tonic schiebt sich die Gurke in eine eigene Schicht, die parallel zu den Gin-Aromen wirkt.

Bei einem Gurken-betonten Gin wie Hendrick’s harmoniert die frische Gurke mit den Gurken-Botanicals des Gins. Beide Seiten unterstützen sich.

Bei einem klassischen Wacholder-orientierten London Dry Gin wie dem SeeGin ist die Wirkung anders. Die Gurke ergänzt nicht ein vorhandenes Profil, sie fügt eine neue Linie hinzu. Das ist nicht schlecht, aber es verändert das Gin-Tonic-Erlebnis.

Wie der SeeGin auf Gurke reagiert

Beim SeeGin im Tonic, mit klassischer Garnitur (Wacholderbeere oder Zitronenzeste), steht der Wacholder im Vordergrund. Zitronengras und Melisse geben eine helle Linie, die anderen Botanicals arbeiten im Mittelteil.

Wenn man stattdessen Gurkenscheiben ins Glas gibt, passiert zweierlei. Erstens: Die Gurken-Frische schiebt sich vor den Wacholder. Wer am Glas riecht, riecht zürst Gurke, dann Wacholder. Im Mund kommt die Gurke ebenfalls in die erste Linie.

Zweitens: Die helle Linie des SeeGin (Zitronengras, Melisse) findet in der Gurke eine ungewohnte Partnerin. Beide sind frisch, beide sind hell, aber sie sind nicht aufeinander abgestimmt. Das Ergebnis ist ein Drink, der erfrischend ist, aber nicht mehr die klare Wacholder-Linie hat, für die der SeeGin ausgezeichnet wurde.

Wann sich Gurke beim SeeGin lohnt

An heißen Sommertagen, wenn der Drink primär Erfrischung sein soll und das volle Aroma-Profil weniger wichtig ist, kann Gurke beim SeeGin gut funktionieren. Die zusätzliche Frische macht den Drink sommerlicher.

Bei einer Verkostung, in der das Gin-Profil im Vordergrund stehen soll, ist Gurke nicht die richtige Garnitur. Da bleibt man bei der Wacholderbeere oder der Zitronenzeste.

Moritz Steinhauser sagt zur Wacholder-Präsenz: „Wenn ein Gin nicht nach Wacholder schmeckt, dann ist es kein Gin. Gin ist Wacholder, und der muss präsent sein.“ Wer den SeeGin mit Gurke trinkt, schiebt den Wacholder nach hinten. Das ist nicht falsch, aber es ist eine andere Trinkphilosophie.

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Wie man Gurke richtig einsetzt

Wenn Gurke ins Glas soll, sollte sie frisch sein, ungeschält (die Schale trägt die meisten Aromen), in dünne Scheiben geschnitten. Zwei oder drei Scheiben reichen pro Glas.

Vor dem Eingiessen des Gins die Gurke kurz im Glas anpressen, damit die Aromen frei werden. Dann Eis dazu, dann Gin, dann Tonic. So zieht die Gurken-Aroma während des Trinkens kontinuierlich in den Drink, statt nur als Optik im Glas zu schwimmen.

Eine Alternative: Gurken-Essig oder Gurken-Sirup statt frischer Gurke. Das gibt eine intensivere Gurken-Linie, ist aber bei einem klassischen London Dry Gin Tonic oft zu viel.

Was die Bar im Brandstore Lindau macht

Im Brandstore in der alten Hirschapotheke werden Gin Tonics mit dem SeeGin standardmässig mit Wacholderbeere oder Zitronenzeste garniert. Wer Gurke möchte, kann das bestellen. Es ist nicht der Standard, aber es ist verfügbar.

Was die Bar nicht macht: Gurke als Default-Garnitur. Der Grund ist klar. Der SeeGin hat 2014 in London die IWSC-Trophy zum weltweit besten London Dry Gin geholt. Diese Auszeichnung hängt am Wacholder-Profil. Wenn die Bar diesen SeeGin mit Gurken-Garnitur serviert, verschiebt sie das Profil weg von dem, was ausgezeichnet wurde. Wer den SeeGin so trinken will, wie er gemacht ist, bleibt bei Wacholderbeere oder Zitronenzeste.

Welche Gins für Gurke besser passen

Hendrick’s ist die klassische Wahl, weil der Gin selbst Gurke unter den Botanicals hat. Andere Gins, die Gurke gut tragen: solche mit floraler oder krautiger Linie, eher modernere Botanical Gins.

Klassische London Dry Gins mit starker Wacholder-Linie sind nicht ideal für Gurke. Da passt die Gurke nicht zum Profil, sie konkurriert mit ihm. Der SeeGin gehört in diese Kategorie.

Wer Steinhauser ist

Die Steinhauser Bodensee Hausbrennerei und Weinkellerei wird in sechster Generation geführt. Brennrecht seit 1828. Standort Kressbronn. Beim SeeGin hat Steinhauser 2014 in London die IWSC-Trophy zum weltweit besten London Dry Gin geholt. Im Sortiment Brigantia-Whisky (2024 vom Verband als beste Whisky-Destillerie Deutschlands ausgezeichnet), SeeGin, Rubo-Rum, Obstbrände, Wein, Brandy, Liköre.


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