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pekuu Original · Reportage · Lesezeit 3 Min.

Tettnang · Oberschwaben

Hopfen: Die zweitschnellste Pflanze der Welt

Dreißig Zentimeter am Tag. Wer das nicht glaubt, soll an einem warmen Maitag morgens und abends an einem Hopfenfeld vorbeigehen. Der Unterschied ist sichtbar.

Dreißig Zentimeter am Tag. Wer das nicht glaubt, soll an einem warmen Maitag morgens und abends an einem Hopfenfeld vorbeigehen. Der Unterschied ist sichtbar.

Es gibt genau eine Pflanze auf der Welt, die schneller wächst als Hopfen. Das ist Bambus. Theresa Locher, Geschäftsführerin des Hopfenpflanzerverbands Tettnang, sagt es so. Es gebe nur eine einzige Pflanze weltweit, die schneller wächst am Tag. Das ist der Bambus. Sie habe hier fast einen Weltmeister vor Ort.

Eine Pflanze, die fünfzig Jahre stehen kann

Hopfen ist eine Kletterpflanze, die sich rechtswindend an Drähten in die Höhe arbeitet. In den deutschen Anbaugebieten stehen Drahtgerüste von etwa siebeneinhalb Metern, im milderen Klima am Bodensee teils auch höher. Bis zur Sommersonnenwende soll die Pflanze oben angekommen sein. Dann hört das Höhenwachstum auf, und sie beginnt zu blühen.

Was Außenstehende oft nicht wissen: Hopfen wird nicht jedes Jahr neu gepflanzt. Es ist eine Dauerkultur. Theresa erklärt es so. Wenn der Markt es zulasse, könne eine Hopfenpflanze fünfzig Jahre im Boden bleiben. Die Pflanze treibt jedes Frühjahr neu aus, und es ist immer dieselbe Pflanze.

Männliches und weibliches: ein Ungleichgewicht

Hopfen ist zweihäusig. Das heißt, eine Pflanze trägt entweder männliche oder weibliche Blüten, niemals beides. Im Anbaugebiet wird ausschließlich die weibliche Pflanze kultiviert. Wenn ein männlicher Hopfen auftaucht, wird er ausgerottet. Das klingt drastisch und ist es auch.

Der Grund: männliche Pflanzen würden die weiblichen befruchten. Dadurch entstünden Samen in den Hopfendolden. Samen verschlechtern die Schaumstabilität und die Haltbarkeit des Biers. Beides sind Qualitätskennzahlen, an denen sich Bier messen lässt. Deswegen ist das Anbaugebiet kompromisslos.

Das Komplizierte, das niemand nachbauen kann

Was Hopfen für die Brauwirtschaft unverzichtbar macht: das Lupulin in den Dolden. Ein gelbliches Harzpulver, in dem mehrere hundert Inhaltsstoffe stecken. Alphasäuren für die Bittere. Ätherische Öle für das Aroma. Gerbstoffe für Vollmundigkeit und Haltbarkeit.

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Dieses Zusammenspiel ist so komplex, dass es bisher niemand im Labor reproduziert hat. Theresa sagt dazu trocken. Das sei tatsächlich das Gute für sie, dass man das im Labor noch nicht nachbilden kann. Solange das so bleibt, brauchen Brauereien echten Hopfen.

99 Prozent der weltweiten Hopfenernte gehen in die Brauwirtschaft. Das verbleibende eine Prozent verteilt sich auf Tee, Kosmetik und Forschung.

Wo der Hopfen wächst

Über vierzig Prozent des weltweit angebauten Hopfens kommen aus Deutschland. Die deutschen Anbaugebiete sind die Hallertau in Bayern (das größte zusammenhängende Anbaugebiet der Welt), Tettnang am Bodensee, Spalt in Mittelfranken und Elbe-Saale in Mitteldeutschland. Tettnang ist mit etwa fünfzehnhundert Hektar Anbaufläche das kleinste der vier, macht aber rund dreieinhalb Prozent der globalen Anbaufläche aus.

Tettnanger Hopfen trägt seit Dezember 2024 die offizielle Zusatzbezeichnung der Region. Tettnang ist seitdem auf den Ortsschildern als Hopfenstadt Tettnang ausgewiesen. Wer dort durchfährt, sieht die Hopfengärten zwischen Bodensee und Allgäu.

Das Jahr in Schritten

Das Hopfenjahr ist klar getaktet. Im April beginnt der Aufwuchs. Im Mai läuft das aufwendige Anleiten von Hand: an jeder Pflanze drei Triebe behalten, den Rest wegschneiden. Bis Ende Juni soll die Pflanze die Gerüsthöhe erreicht haben. Dann blüht sie zur Sommersonnenwende, bildet die Dolden aus. Ende August bis Mitte September wird geerntet. Sieben Tage die Woche, vierundzwanzig Stunden lang.

Wo Hopfen sonst noch landet

Die wenigen Prozent, die nicht ins Bier gehen, verteilen sich auf einige eher unscheinbare Wege. Hopfen-Tee, oft mit Baldrian und Melisse kombiniert, gilt als beruhigend. In der Kosmetik wird Hopfenextrakt eingesetzt. In der Forschung steht ein Inhaltsstoff im Fokus: Xanthohumon. Studien deuten auf eine positive Wirkung in der Krebsforschung hin. Theresa erwähnt es kurz und schiebt nach. Aber die Brauwirtschaft bleibt die Hauptabnehmerin, und wird es absehbar bleiben.


Die Person hinter den Tettnanger Hopfenpflanzern: Personen-Artikel zu Theresa Locher und pekuu audiostories Podcast.