2017 reiste eine Gruppe aus Kressbronn mit zehn Personen nach London. Im alten Rathaus, in Räumen, die Moritz Steinhauser an Harry-Potter-Kulissen erinnerten, stand die Trophy bereit. Der SeeGin von der Bodensee-Brennerei Steinhauser hatte 2014 bei der International Wine and Spirits Competition den Titel weltweit bester London Dry Gin geholt. Die Trophy-Übergabe war drei Jahre später, aufwendig inszeniert. „Es war ein einmaliges Erlebnis“, sagt Moritz.
Steinhauser ist bis heute der einzige deutsche Trophy-Gewinner in dieser Kategorie. Die IWSC ist nicht irgendein Wettbewerb. Sie ist seit den 1960er Jahren einer der wichtigsten Spirituosen-Awards weltweit. Wer dort Trophy holt, holt mehr als eine Medaille. Es ist die höchste Auszeichnung in der jeweiligen Kategorie.
Wie der SeeGin zur Trophy kam
Steinhauser hatte den SeeGin 2014 entwickelt. Davor brannte die Familie seit Generationen Wacholderschnaps, was den Sprung zum Gin handwerklich klein machte. „Gin war für uns nichts Fremdes, weil wir seit Generationen Wacholderschnaps herstellen, und Wacholder ist die Basis vom Gin“, sagt Moritz.
Was Steinhauser anders machte als andere Gin-Hersteller in der gleichen Zeit: Der SeeGin wurde mit 48 Volumenprozent abgefüllt. Mehr als bei vielen kommerziellen Gins, die bei 37,5 oder 40 liegen. Es war Absicht. Pur sollte der Gin Charakter haben. Im Tonic sollte er den Wacholder nicht verlieren. „Das Tolle: Den Preis haben wir pur verkostet gewonnen. Aber wenn man den Wacholder zu einem Tonic dazugibt, verliert er nicht an Stärke, der Wacholder bleibt präsent“, sagt Moritz.
Bei der IWSC laufen Verkostungen blind. Die Jury sieht nicht, was sie vor sich hat. Bewertet wird nach Aromen, Balance, Komplexität, Mundgefühl. Der SeeGin holte 2014 die Trophy zum weltweit besten London Dry Gin.
Was den SeeGin prägt
Acht Botanicals verarbeitet Steinhauser im SeeGin. Drei davon sind öffentlich kommuniziert: Wacholder, Zitronengras, Melisse. Die anderen fünf sind Familienrezept und werden nicht verraten, auch nicht auf Verkostungen.
Im Mittelpunkt steht der Wacholder. Moritz hat dazu einen Satz, den er bei Verkostungen oft sagt: „Wenn ein Gin nicht nach Wacholder schmeckt, dann ist es kein Gin. Gin ist Wacholder, und der muss dementsprechend für uns auch präsent sein.“ Das ist heute nicht selbstverständlich. Viele moderne Gins schieben Beerentöne, Zitrusakzente oder florale Botanicals nach vorne. Der SeeGin geht den umgekehrten Weg.
Zitronengras und Melisse als zweite Achse geben dem SeeGin eine helle, frische Linie. Sie unterstützen den Wacholder, ohne ihn zu übertönen. Was die anderen fünf Botanicals beitragen, ist Teil der Familien-Komposition.
Wer Steinhauser ist
Die Steinhauser Bodensee Hausbrennerei und Weinkellerei wird in sechster Generation geführt. Brennrecht seit 1828. Standort Kressbronn am Bodensee. Familienbetrieb mit Moritz und seinem Bruder als Nachfolge. Vater und Mutter weiter dabei. Im Team Destillateur und Kellermeister.
Im Sortiment Obstbrände, Wein (Kressbronner Berghalde), Whisky (Brigantia seit 2008, 2024 vom Verband als beste Whisky-Destillerie Deutschlands ausgezeichnet), Rubo-Rum (seit 2021), SeeGin (IWSC-Trophy 2014), 20-jähriger Brandy aus dem Opa-Fass, Liköre.
Was 2014 in der Gin-Welt los war
2014 war Gin in einer Aufschwungphase. Der Gin-Boom hatte um 2010 begonnen, neue Gin-Brennereien schossen weltweit aus dem Boden. London Dry Gin als Kategorie war wieder populär geworden. Die IWSC-Trophy 2014 für den SeeGin platzierte Steinhauser in dieser internationalen Welle. Das machte den Bodensee-Gin auf einen Schlag international bekannt.
Was Steinhauser von vielen anderen Gin-Brennereien unterschied: Die Familie hatte das handwerkliche Fundament. Wacholderschnaps brannte sie über Generationen. Das war nicht ein neuer Trend, dem die Brennerei aufsprang, sondern eine über Jahrzehnte gewachsene Disziplin, die in einer neuen Form auf den Markt kam.
Wie der SeeGin in London ankam
Bei der IWSC in London ist die Verkostung ein durchgängig blinder Prozess. Jury-Mitglieder sehen die Flaschen nicht. Sie verkosten in mehreren Runden, mit Pausen zwischen den Kategorien. Wer in einer solchen Umgebung Trophy holt, hat ein Profil, das aus rund 200 oder 300 Vergleichsgins herausragt.
Der SeeGin von Steinhauser fiel auf, weil er Wacholder-konzentriert war, mit 48 Volumenprozent kompakt, und im Mund mehr Tiefe hatte als die meisten kommerziellen Gins. Das war die Kombination, die den Sieg gebracht hat.
Die Trophy-Übergabe drei Jahre später im alten Rathaus von London war ein offizielles Event. Steinhauser flog mit zehn Personen ruber. Moritz beschreibt die Räumlichkeiten als „wie von Harry Potter“. Es war für die Familie ein Erlebnis, das über die normale Geschäftsroutine hinausging.
Mehr über den SeeGin, die IWSC-Trophy 2014 und die Steinhauser-Familie im Podcast pekuu audiostories.
