Der Brigantia kommt mit rund 58 bis 60 Volumenprozent in das Fass und verändert von dort an seinen Charakter. Was am Ende im Glas steht, hat zur Halfte mit dem Destillat zu tun und zur anderen Halfte mit dem Fass. „Bei Whisky spielt das Fass eine große Rolle“, sagt Moritz Steinhauser. „Was es hergibt und da kann mal einer dabei sein, wo er für einen Single Malt Single Cask perfekt gemacht ist.“ Welches Fass befüllt wird, entscheidet das Profil.
Drei Hauptfasstypen prägen die Whisky-Welt. Sherry, Bourbon, Eiler. Bei Steinhauser tauchen alle drei in der Brigantia-Familie auf, mit klaren Aroma-Folgen.
Sherry-Fass
Sherry-Fässer kommen meistens aus Spanien, oft aus Jerez. Sie haben vorher Sherry enthalten, einen süß- oder trockenstarken Wein aus weißen Trauben, der oxidativ reift. Aus dem Sherry wandern Aromen ins Holz: Trockenfrüchte, Nougat, Bittermandel, Karamell, eine warme Süße.
Wenn Steinhauser einen Brigantia in einem Sherry-Fass vollreift, holt sich der Whisky diese Aroma-Familie über Jahre ins Destillat. Das Ergebnis ist weicher, runder, süßer als ein Whisky aus einem neutralen Fass. Wichtig dabei: Vollreifung ist nicht das Gleiche wie Finish. Bei der Vollreifung geht das Destillat von Anfang an ins Sherry-Fass und reift dort komplett. Beim Finish reift es zürst in einem anderen Fass und kommt nur die letzten Monate ins Sherry-Fass. Vollreifung gibt das tiefere Sherry-Profil.
„Beim Sherry sind die Ecken und Kanten nicht gewünscht“, sagt Moritz. Wer einen Sherry-Cask-Brigantia trinkt, soll keine Schärfe spüren. Alles soll rund sein.
Bourbon-Fass
Bourbon-Fässer sind die häufigste Wahl in der Whisky-Welt. Bourbon-Brennereien in den USA müssen ihre Fässer nach einmaliger Befüllung weiterverkaufen. Diese Ex-Bourbon-Fässer gehen zu schottischen, japanischen und deutschen Whisky-Brennereien. Sie sind aus amerikanischer Weisseiche, innen ausgekohlt, was den Vanille-Anteil im Holz freisetzt.
Was Bourbon-Fässer an Whisky abgeben: Vanille, Karamell, Honig, leichte Eichennoten, manchmal Kokos. Es ist ein helleres, süßeres Aromaprofil als beim Sherry. Steinhauser nutzt Bourbon-Komponenten in Multi-Cask-Brigantia-Varianten und bei einigen Single-Cask-Abfüllungen. Die typischen Vanille-Eindrücke beim Brigantia kommen von hier.
Eilerfass
Eilerfässer (Islay Casks) kommen aus rauchigen schottischen Brennereien wie Laphroaig, Ardbeg, Lagavulin. Sie haben vorher einen torfgemälzten, rauchigen Whisky enthalten und tragen diesen Rauch im Holz. Wenn ein neues Destillat in ein Eilerfass kommt, holt es sich den Rauch über Jahre.
Bei Steinhauser ist die Eilerfass-Vollreifung die Grundlage des Brigantia Peat Lake Edition. Moritz‘ eigener Favorit. „Hat man jetzt eine Fassstärke im Eilerfass, also in einem rauchigen Fass dementsprechend ausgebaut und gereift, so stören die Ecken und Kanten teilweise nicht und man möchte sie haben“, sagt Moritz. Beim Eilerfass darf der Whisky also schärfer sein, rauchiger, mit kantigem Charakter. Das ist nicht eine Folge mangelnder Sorgfalt, sondern Teil des Profils.
Der Rauch aus dem Eilerfass ist weicher als bei direkt torfgemälzten Whiskys. Mehr Holzasche, weniger Iod und medizinische Phenole. Wer einen Brigantia Peat Lake mit einem Laphroaig vergleicht, schmeckt den Unterschied der zwei Rauch-Wege.
Andere Fasstypen bei Steinhauser
Neben den drei Hauptlinien arbeitet Steinhauser mit weiteren Fasstypen. Eichenfässer aus eigenem Bestand. Wein-Fässer, in denen vorher Bodensee-Wein gereift ist. Sonderfässer für experimentelle Brigantia-Editionen.
Eine Besonderheit ist das 20-jährige Brandy-Fass aus dem Steinhauser-Sortiment. Es wurde von Moritz‘ Opa selber gebaut und enthält seit zwei Jahrzehnten einen Brandy. Das Fass zeigt die alte Küferei-Tradition der Familie. Steinhauser hatte einmal eine eigene Küferei und hat ihre Fässer selbst hergestellt. Der Meisterbrief der Vorfahren existiert noch.
Wer Steinhauser ist
Die Steinhauser Bodensee Hausbrennerei und Weinkellerei wird in sechster Generation geführt. Brennrecht seit 1828. Standort Kressbronn. Brennt Whisky seit 2008. Im Lager über 2000 Whiskyfässer, das älteste von 2010. 2024 vom Verband der Deutschen Whisky-Brenner als Deutschlands beste Whisky-Destillerie ausgezeichnet. 2017 mit dem SeeGin in London die IWSC-Trophy zum weltweit besten London Dry Gin geholt.
Wie der Brigantia in den drei Fasstypen schmeckt
Wer die Brigantia-Familie nach Fasstyp ordnet, hat ein klares Bild. Sherry Cask Vollreifung: Nougat, Trockenfrüchte, süß, rund. Eilerfass-Vollreifung (Brigantia Peat Lake): Rauch, Asche, kantig. Multi-Cask mit Bourbon-Komponenten: Vanille, Karamell, milder. Single-Cask-Abfüllungen können jedem dieser Profile angehören, je nachdem, welches Fass abgefüllt wurde.
Wer die Unterschiede nebeneinander erleben will, bucht eine Whisky-Tour in Kressbronn. Drei Single Malts werden am Ende verkostet, oft aus unterschiedlichen Fasstypen. Die Aroma-Bar daneben hilft, die Aroma-Familien zu benennen.
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