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Welcher Gin für Gin Tonic. Brenner-Empfehlung

Bei einer Verkostung in Kressbronn stellt Moritz Steinhauser meistens zwei Gläser nebeneinander. Im einen ein SeeGin Tonic. Im anderen ein Gin Tonic mit einem 37,5er-Gin aus dem Massenmarkt. Beide gleich gemischt, 1:3 mit dem selben Tonic. Wer dann parallel trinkt, merkt im ersten Schluck, was die Brennstärke und das Wacholder-Profil im Drink ausmachen.

Welcher Gin sich für einen Gin Tonic eignet, ist keine Frage des Markennamens. Es ist eine Frage des Profils. Hier die Punkte, auf die ein Brenner achtet, wenn er einen Gin für einen Gin Tonic auswählt.

Wacholder-Präsenz

Der wichtigste Punkt. Gin ist Wacholder, alles andere ist Beiwerk. Wer einen Gin im Tonic verwendet, in dem der Wacholder vom Tonic überlagert wird, hat im Glas Tonic mit Gin-Hauch. Wacholder muss durchkommen.

Wie lässt sich das vor dem Kauf einschätzen? Schwierig. Auf der Flasche steht selten „Wacholder dominant“. Was hilft: das Verkostungsbild im Geschäft. Wer den Gin pur probiert und einen klaren Wacholder-Charakter spürt, hat eine gute Chance, dass er auch im Tonic durchkommt.

Beim SeeGin ist die Wacholder-Präsenz Programm. Moritz formuliert das so: „Wenn ein Gin nicht nach Wacholder schmeckt, dann ist es kein Gin. Gin ist Wacholder, und der muss präsent sein.“ Daran richtet sich die Botanical-Komposition aus.

Volumenprozent

Mindestens 40 Volumenprozent, besser 43 oder höher. Bei 37,5 Volumenprozent (gesetzliche Untergrenze) hat der Gin oft nicht genug Substanz, um durch das Tonic zu kommen. Bei 40 und drüber wird es deutlich besser.

Der SeeGin liegt bei 48 Volumenprozent. Das ist die obere Mitte für Standard-Gins. Es macht den Drink kompakter, ohne dass er aufdringlich alkoholisch wirkt. „Den Preis haben wir pur verkostet gewonnen. Aber wenn man den Wacholder zu einem Tonic dazugibt, verliert er nicht an Stärke, der Wacholder bleibt präsent“, sagt Moritz.

Wer einen 37,5er-Gin hat und ihn unbedingt im Tonic verwenden will: weniger Tonic dazugeben (1:2 statt 1:3). Das hilft, ist aber kein vollwertiger Ersatz für einen substantielleren Gin.

Stil-Kategorie

London Dry Gin ist die strengste Kategorie. Alle Aromen aus der Destillation, kein nachträgliches Süßen, kein Farbstoff. Wer im Gin Tonic ein klares, trockenes Profil will, ist mit London Dry Gin gut bedient. Der SeeGin gehört in diese Kategorie.

Distilled Gin ist eine Stufe darunter, mit etwas mehr Flexibilität bei Süßen oder Farbe. Wer süßeren Gin Tonic will, kann hier suchen.

Botanical Gins oder New Western Gins fahren das Wacholder-Profil zurück und schieben andere Botanicals nach vorne. Im Tonic kann das funktionieren, wenn das Profil so stark ist, dass es trotz Tonic durchkommt. Oft aber sind diese Gins für Cocktails mit mehreren Komponenten geeigneter als für den klassischen Gin Tonic.

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Botanical-Komplexität

Acht bis zwölf Botanicals sind ein guter Bereich. Zu wenig (drei oder vier) ergibt ein flaches Profil. Zu viel (zwanzig und mehr) ergibt oft Botanical-Brei, in dem keines mehr klar herauskommt.

Der SeeGin hat acht Botanicals. Drei öffentlich (Wacholder, Zitronengras, Melisse), fünf Familienrezept. Das ist eine Anzahl, die den Wacholder als Hauptachse hält und die anderen Botanicals so positioniert, dass sie ihm zuarbeiten.

Was der Brenner selber im Tonic verwendet

Steinhauser hat zwei SeeGin-Varianten. Den klassischen London Dry Gin mit 48 Volumenprozent. Und eine fassgereifte Variante mit 42 Volumenprozent, die in einem Holzfass nachreift und dadurch Eichennoten und Vanille bekommt.

Im klassischen Gin Tonic empfiehlt Moritz den Standard-SeeGin. 48 Volumenprozent, klare Wacholder-Linie, im Tonic durchsetzungsstark. Die fassgereifte Variante ist eher für pures Trinken oder für Cocktails mit weniger Mixer geeignet, wo die Eichennoten zur Geltung kommen.

Praktischer Test im Laden

Wenn Sie vor einem Regal stehen und nicht wissen, welchen Gin Sie für Gin Tonic kaufen sollen, helfen drei Fragen.

Erstens: Steht „London Dry Gin“ auf der Flasche? Wenn ja, gute Wahl für klassischen Gin Tonic.

Zweitens: Wieviel Volumenprozent? Wenn 43 oder mehr, gut. Wenn 37,5 oder 40, eher für pures Trinken oder leichte Cocktails geeignet.

Drittens: Steht eine Wacholder-Erwähnung auf der Flasche oder im Markendiskurs? Wenn der Hersteller Wacholder als Hauptaroma kommuniziert, ist das ein gutes Zeichen.

Wer Steinhauser ist

Die Steinhauser Bodensee Hausbrennerei und Weinkellerei wird in sechster Generation geführt. Brennrecht seit 1828. Standort Kressbronn. Beim SeeGin hat Steinhauser 2014 in London die IWSC-Trophy zum weltweit besten London Dry Gin geholt. Bis heute einziger deutscher Trophy-Gewinner in dieser Kategorie. Im Sortiment außerdem Brigantia-Whisky (2024 vom Verband als beste Whisky-Destillerie Deutschlands ausgezeichnet), Rubo-Rum, Obstbrände, Wein, Brandy, Liköre.


Mehr über Gin für Gin Tonic, den SeeGin und die Steinhauser-Familie im Podcast pekuu audiostories.