Hinter der Bar in der alten Hirschapotheke in Lindau, zwischen den Apothekerschränken aus 551 Jahren Apothekenbetrieb, läuft der gleiche Ablauf bei jedem Gin Tonic. Glas eine Minute mit Eis und Wasser vorkühlen, dann ausgießen. Eis ins kalte Glas. Dann SeeGin über das Eis. Tonic am Glasrand entlang einlaufen lassen, damit die Kohlensäure nicht zu schnell entweicht. Garnitur zum Schluss. Das ist die Reihenfolge, die Moritz Steinhauser nicht verhandelt.
Das Glas
Tumbler oder Copa. Der Tumbler ist gerade, kurz, klassisch englisch. Der Copa ist bauchig, wie ein Weinglas, mit nach oben verengtem Rand. Spanische Bartender haben den Copa popularisiert, mittlerweile ist er weltweit Standard.
Der Copa hat einen Aroma-Vorteil. Die bauchige Form sammelt die Aromen oben, der Wacholder steigt in die Nase. Jeder Schluck bringt das volle Aroma mit. Beim SeeGin mit seinen acht Botanicals lohnt sich der Copa, weil die Aroma-Komplexität im Glas sichtbar wird.
Was beide Gläser brauchen: Vorkühlung. Eine Minute mit Eis und etwas Wasser stehen lassen, dann ausgießen. Ein kaltes Glas hält den Drink länger frisch und verhindert, dass das Eis sofort zu stark schmilzt.
Das Eis
Große Würfel sind besser als kleine. Sie schmelzen langsamer, verdünnen den Drink weniger. Ideal sind klare Eiswürfel ohne Lufteinschlüsse, die smelten gleichmässig.
Wer Standardeis aus dem Tiefkühler hat, sollte vor dem Eingiessen den Eiswürfel kurz abspülen. Frisches Eis aus dem Eiswürfel-Bereiter kann oberflächlich gefroreren Wasserschicht haben, die im Drink schmilzt und das erste Glas verdünnt. Kurzes Abspülen entfernt diese Schicht.
Wie viel Eis: das Glas voll. Nicht halbvoll. Ein gut gekühltes Glas mit vielen Eiswürfeln bringt den Gin Tonic über längere Trinkzeit auf Temperatur, ohne dass die Eiswürfel zu stark schmelzen.
Die Reihenfolge
Erst das Glas vorkühlen. Dann Eis ins kalte Glas. Dann den Gin über das Eis gießen. Dann das Tonic. Erst zum Schluss kurz umrühren und die Garnitur dazugeben.
Warum nicht erst Tonic, dann Gin? Weil das Tonic dann nicht mehr richtig kühl ist, wenn der Gin draufkommt, und weil die Kohlensäure beim späteren Auffüllen mit Gin schon verloren ist.
Das Eingiessen des Tonics
Das Tonic langsam einlaufen lassen, am Glasrand entlang oder über den Löffel. Nicht von oben reinschütten. Kohlensäure ist im Tonic das Transportmedium für die Aromen. Wer das Tonic zu schnell einfüllt, verliert einen Teil der Kohlensäure und damit auch einen Teil der Aroma-Präsentation.
Bei einem Wacholder-orientierten Gin wie dem SeeGin ist das besonders wichtig. Die Kohlensäure trägt den Wacholder in die Nase. Moritz formuliert das so: „Den Preis haben wir pur verkostet gewonnen. Aber wenn man den Wacholder zu einem Tonic dazugibt, verliert er nicht an Stärke, der Wacholder bleibt präsent.“ Diese Präsenz kommt erst voll heraus, wenn die Kohlensäure aktiv ist.
Das Umrühren
Nicht zu viel. Einmal mit einem langen Löffel von unten nach oben, damit der Gin nicht am Boden sitzt und das Tonic oben schwimmt. Zwei oder drei Bewegungen reichen.
Zu viel Umrühren lässt die Kohlensäure entweichen. Was anfangs gut prickelte, ist nach dreissig Sekunden Rühren stumpf. Bei einem guten Tonic merkt man das deutlich.
Die Garnitur
Klassisch ist Zitronen- oder Limettenscheibe. Bei einem wacholder-orientierten London Dry Gin wie dem SeeGin ist das nicht die beste Wahl. Zitronenscheibe gibt eine helle Note, kann aber den Wacholder dimmen.
Besser: Wacholderbeere als Garnitur. Sie unterstreicht das Hauptaroma. Drei oder vier Beeren reichen, einmal mit einem Löffel angedrückt, damit sie ihre ätherischen Öle abgeben.
Alternativ: Zitronenzeste (nur die Schale, ohne den weißen Teil). Kurz über dem Glas auspressen, damit die ätherischen Öle freikommen. Dann reinwerfen oder den Glasrand abreiben.
Bei Botanical Gins kann auch Zitronengras-Stiel oder Rosmarinzweig passen. Beim SeeGin mit Zitronengras unter den Botanicals ergibt ein Zitronengras-Stiel als Garnitur eine schöne Verbindung zwischen Gin und Optik.
Die Trinkpause
Den Gin Tonic nicht sofort trinken. Eine Minute stehen lassen, in der Hand drehen, einmal anriechen. Bei einem guten Gin entwickelt sich der Drink in dieser ersten Minute. Wacholder kommt nach oben, die anderen Botanicals positionieren sich.
Wer sofort trinkt, hat oft nur Kohlensäure und Tonic im Mund. Eine Minute Geduld macht den Unterschied.
Wer Steinhauser ist
Die Steinhauser Bodensee Hausbrennerei und Weinkellerei wird in sechster Generation geführt. Brennrecht seit 1828. Standort Kressbronn. Beim SeeGin hat Steinhauser 2014 in London die IWSC-Trophy zum weltweit besten London Dry Gin geholt. Im Sortiment Brigantia-Whisky (2024 vom Verband als beste Whisky-Destillerie Deutschlands ausgezeichnet), SeeGin, Rubo-Rum, Obstbrände, Wein, Brandy, Liköre.
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