Im Spätsommer hängen die Zwetschgenbäume in den Plantagen rings um die Steinhauser-Brennerei voll. Dunkelblaue Schale mit weißlichem Wachsbelag, das länglich-ovale Profil, das die Zwetschge von der Renekloden-Pflaume unterscheidet. Wer durch die Plantagen geht, weiß schon, was am Erntetag in die Maische geht. Aus diesen Zwetschgen brennt Steinhauser den Zwetschgenbrand. Was übrig bleibt und nicht in den klaren Brand geht, kommt in den Zwetschgenlikör. Aber nicht nur als Maische-Rest. Frischer Pflaumensaft wird zur Verfeinerung verwendet, und das macht den Unterschied.
Zwetschgenlikör ist eine Kategorie, in der Industrie-Liköre mit Pflaumen-Aroma dominieren. Steinhauser geht den Fruchtsaft-Weg.
Was den Zwetschgenlikör prägt
Drei Komponenten arbeiten zusammen. Eine Brandy-oder-Korn-Basis als Alkohol-Gerüst, frischer Pflaumensaft als Aroma-Linie, Zucker als Süße-Balance. Bei Steinhauser kann die Basis ein Zwetschgenbrand aus der eigenen Produktion sein, was den Likör noch tiefer in die Pflaumen-Welt verankert.
Der Pflaumensaft ist der Punkt. Frische, reife Zwetschgen geben einen Saft, der dunkel, süß, mit klarer Frucht-Tiefe ist. Wer mit diesem Saft verfeinert, bekommt einen Likör, dessen Pflaumen-Linie nicht nur aufgesetzt ist, sondern integriert.
Im Aroma kommt zürst die warme Pflaumen-Linie, dahinter die leichte Mandelnote (klassisch für Zwetschge), im Mund eine warme Süße, die nicht klebt, weil die Säure-Linie des Saftes sie ausgleicht.
Wer Steinhauser ist
Die Steinhauser Bodensee Hausbrennerei und Weinkellerei wird in sechster Generation geführt. Brennrecht seit 1828. Standort Kressbronn. Familienbetrieb mit Moritz und seinem Bruder als Nachfolge. Im Sortiment Obstbrände (Williams, Apfel-Bodensee-Diesel, Kirsche, Mirabelle, Zwetschgenbrand, Quitte), Wein aus der Berghalde, Brigantia-Whisky (2024 vom Verband als beste Whisky-Destillerie Deutschlands ausgezeichnet), SeeGin (IWSC-Trophy 2014), Rubo-Rum, Brandy, Liköre.
Wie der Zwetschgenlikör schmeckt
Im Anriechen kommt zürst die warme Pflaumen-Linie. Klassischer Zwetschgen-Charakter, leicht herb, mit Trockenfrucht-Anklänge. Manchmal eine kühlere Mandelnote im Hintergrund, aus den Pflaumenkernen.
Im Mund eine warme Süße, die nicht aufdringlich wird. Mittelteil dicht, mit Pflaumen-Mark-Charakter. Im Abgang trägt sich die Frucht lange, mit einer leichten Bittermandel-Linie.
Wer einen Aromen-Zwetschgenlikör kennt (die meisten industriellen Varianten), wird beim Steinhauser-Likör den Unterschied im Mittelteil sehen. Mehr Komplexität, mehr Frucht-Wirklichkeit, weniger Konfektsüss.
Wie der Zwetschgenlikör getrunken wird
Pur, in einem kleinen Glas oder Likörglas, bei 10 bis 15 Grad. Nicht eiskalt, das verschließt die Aromen. Pro Glas 2 bis 3 cl.
Klassisch After-Dinner. Zwetschgenlikör ist eine schöne Wahl nach einem deftigen Essen, gerade in der kalten Jahreszeit. Die warme Frucht-Linie passt zu Wild-, Wurst- oder Schwarzbrot-Speisen.
Auch in Cocktails. Ein Zwetschgenlikör-Sour (mit Zitrone und Zuckersirup) ergibt einen interessanten Drink. In einem Manhattan-Variant statt Wermut funktioniert er auch.
Auch im Espresso. Ein Schuss Zwetschgenlikör im Espresso ist eine Italien-Style-After-Dinner-Option, die im Herbst und Winter besonders schön ist.
Wo die Zwetschgen herkommen
Wie bei den anderen Obstbränden und Likören kommen die Zwetschgen aus dem Bodensee-Umkreis. Plantagen und Streuobstwiesen liefern reife Frucht. Erntefrische Verarbeitung sichert die Aroma-Qualität.
Am Bodensee sind Zwetschgen seit Jahrhunderten Teil der Obstbau-Tradition. Die Region ist nicht so berühmt für Zwetschgen wie Bayern, aber die Qualität ist hoch.
Mehr über den Zwetschgenlikör und die Steinhauser-Familie im Podcast pekuu audiostories.
