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Zwetschgenbrand vom Bodensee. Die dunkle Pflaume im Brand

Die Zwetschge ist die dunkle, länglich-ovale Pflaume mit der blauen Schale. Anders als die runde Pflaume oder die goldgelbe Mirabelle hat sie ein tieferes, herzhafteres Aroma. Im Spätsommer reift sie in den Plantagen rings um die Steinhauser-Brennerei in Kressbronn. Wer am Tag vor dem Brennvorgang durch die Plantagen geht, sieht die Zwetschgenbäume voll behängen, mit den charakteristischen weißlichen Wachsschichten auf der dunklen Schale. Was in die Maische geht, gibt einen Brand mit Pflaumen-Tiefe, leicht herb, mit klarer Marzipan-Linie aus den Kernen.

Zwetschgenbrand ist eine deutsche Klassiker-Kategorie. In Bayern Sliwowitz genannt, in Südwestdeutschland und am Bodensee Zwetschgen-Wasser oder Zwetschgenbrand. Bei Steinhauser eine eigene Linie im Obstbrand-Sortiment.

Was die Zwetschge zur Brennfrucht macht

Drei Punkte machen sie eigen.

Erstens die Reife. Zwetschgen reifen später als Mirabellen, oft erst im September oder Oktober. Wer zu früh erntet, hat eine harte, saure Frucht ohne Brandcharakter. Wer zur richtigen Zeit erntet, hat eine Pflaume, die schon weich wird, mit voller Süße und tiefer Aromatik.

Zweitens die Stein-Frage. Wie bei Kirschen wird die Zwetschge oft mit Stein vergären. Das gibt eine Mandelnote, die für den typischen Zwetschgenbrand-Charakter wichtig ist. Wer ohne Stein vergärt, hat einen helleren, reineren Pflaumen-Brand, dem die typische Marzipan-Linie fehlt.

Drittens die Zuckergehalt. Zwetschgen haben mehr Zucker als Mirabellen oder Kirschen, was die Vergärung beschleunigt und die Ausbeute erhöht. Im Brand zeigt sich das als warme Süße, die nicht aufdringlich wird.

Wer Steinhauser ist

Die Steinhauser Bodensee Hausbrennerei und Weinkellerei wird in sechster Generation geführt. Brennrecht seit 1828. Standort Kressbronn. Familienbetrieb. Im Sortiment Williams Nummer 1 (Gold-Willi), Apfelbrand (Bodensee-Diesel), Kirschbrand, Mirabellenbrand, Zwetschgenbrand, Quittenbrand. Dazu Wein aus der Kressbronner Berghalde, Brigantia-Whisky (2024 vom Verband als beste Whisky-Destillerie Deutschlands ausgezeichnet), SeeGin (IWSC-Trophy 2014), Rubo-Rum, Brandy, Liköre.

Wie der Zwetschgenbrand schmeckt

Im Anriechen zürst die dunkle Pflaumen-Note, dahinter die Mandelnote aus den Kernen. Im Mund kommt die Süße zürst, dann die Tiefe der Frucht, dann ein leicht herber, marzipanhafter Mittelteil. Im Abgang bleibt die Pflaume lange.

Der Zwetschgenbrand ist von allen Steinhauser-Edelbränden vielleicht der harzigste, der erdigste. Wer einen klaren, hellen Brand erwartet, ist hier falsch. Wer einen Brand mit Mittelteil-Tiefe und Kornelaisches Profil sucht, ist richtig.

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Wie der Zwetschgenbrand getrunken wird

Pur, im Schwenker bei 12 bis 15 Grad. Nicht eiskalt. Pro Glas 2 cl.

Klassisch After-Dinner, nach schwereren Essen. Der Zwetschgenbrand verträgt sich gut mit kräftigem Essen, weil er selber Substanz hat. Bei zarten Sommer-Essen wirkt er manchmal zu dominant.

Auch zu Pflaumen-Desserts (Pflaumenkuchen, Zwetschgendatschi, Pflaumenkompott) eine direkte Wahl.

Bei deftigem Essen wie Wildgerichten oder Wurst-Variationen ist der Zwetschgenbrand als After-Dinner besonders passend. Die warme Süße des Brands begleitet das Schwere des Essens.

Wo die Zwetschgen herkommen

Wie bei den anderen Obstbränden kommen die Zwetschgen aus dem Bodensee-Umkreis. Plantagen liegen direkt um den Standort, dazu Streuobstwiesen mit alten Pflaumenbäumen.

Am Bodensee sind Zwetschgen seit Jahrhunderten Teil der Obstbau-Tradition. Die Region ist nicht so bekannt für Zwetschgen wie Bayern oder die Steiermark, aber die Erntequalität ist hoch. Wer einen Bodensee-Zwetschgenbrand mit einem Bayerischen Sliwowitz vergleicht, sieht zwei verschiedene Stilrichtungen aus ähnlichem Ausgangsmaterial.


Mehr über Zwetschgenbrand und die Steinhauser-Familie im Podcast pekuu audiostories.