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pekuu Original · Reportage · Lesezeit 3 Min.

Tettnang · Oberschwaben

Hopfenernte: Vier Wochen 24/7, am Ende der Hopfenschmaus

Irgendwann zwischen Ende August und Mitte September läuft die letzte Rebe durch die Pflückmaschine. Vier Wochen lief diese Maschine vorher ohne Unterbrechung, sieben Tage die Woche, vierundzwanzig…

Irgendwann zwischen Ende August und Mitte September läuft die letzte Rebe durch die Pflückmaschine. Vier Wochen lief diese Maschine vorher ohne Unterbrechung, sieben Tage die Woche, vierundzwanzig Stunden am Tag. Jetzt ist Schluss.

Theresa Locher beschreibt diesen Moment in einem einzigen Satz, der mehr ist als ein Satz. Wenn die letzte Rebe, der letzte Hopfestock durch die Maschine läuft und alles geklappt hat, niemand verletzt worden ist, sagt sie, das sei jedes Jahr der besondere Moment. Schlaf sei Mangelware in diesen Wochen, das merke man manchmal auch an den Nerven. Aber wenn die letzte Rebe durchläuft, ist es vorbei.

Vier Wochen, die das Jahr entscheiden

Die Hopfenernte beginnt in Tettnang zwischen Ende August und Mitte September. Sie endet vier Wochen später. In diesen vier Wochen wird das eingefahren, woran die Pflanzer zehn Monate gearbeitet haben. Im April mit dem Aufwuchs angefangen. Im Mai jeden Trieb von Hand angeleitet. Zur Sommersonnenwende Höhenwachstum abgeschlossen. Im Juli und August Dolden ausgebildet. Vier Wochen Ernte. Ein Versuch im Jahr.

Erntereif ist eine Hopfendolde, wenn die Alphasäure-Konzentration am Maximum ist und sich die Doldenfarbe von dunkelgrün zu hellgrau verschoben hat. Wer zu früh erntet, hat weniger Bitterstoffe. Wer zu spät erntet, verliert Aroma. Das Fenster ist nicht weit. Die Tettnanger Aromasorten kommen zuerst dran. Spätsorten wie Herkules folgen.

Wie eine moderne Ernte aussieht

Bis in die 1950er-Jahre wurde Hopfen von Hand gepflückt. Theresa erzählt davon kurz. Früher sei der Hopfen von Hand gepflückt worden. Viele Helfer seien nach Tettnang gekommen und hätten jede einzelne Dolde von Hand gepflückt. 1956 kamen die ersten vier Hopfenpflückmaschinen ins Anbaugebiet. Seitdem läuft das anders.

Der Traktor fährt durch die Reihen und schneidet die kompletten Hopfenreben am Bindedraht oben und am Boden unten. Auf den Erntewagen geladen. Zum Erntezentrum gefahren. Dort warten große Pflückmaschinen, die die Dolden mechanisch von Reben und Blättern trennen. Theresa erklärt es nüchtern. Im Prinzip habe sich die Sortiermechanik seit Jahrzehnten nicht verändert.

Anschließend wird sofort getrocknet. Frische Dolden würden in Stunden zu schimmeln anfangen. Auf etwa zehn Prozent Restfeuchte muss der Hopfen runter. Anschließend pressen, in Rechteckballen abfüllen, transportieren. Die HVG nehme den Hopfen vom Pflanzer nach der Ernte ab und verarbeite ihn weiter zu Pellets, sagt Theresa.

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Warum vierundzwanzig sieben nicht verhandelbar ist

Eine Pflückmaschine darf nicht ausfallen. Eine Trocknung muss durchlaufen. Eine Rebe, die zu lange wartet, verliert Qualität. Deswegen läuft die Ernte ohne Pause. Familien-Schichten. Maschinenführer. Saisonarbeitskräfte vor allem aus Rumänien und Polen, ohne die der deutsche Hopfenanbau in dieser Form nicht möglich wäre. Eine Person, hat Theresa über das Anleiten im Mai gesagt, schaffe zwei Hektar pro Saison.

Was unter diesem Druck passiert: alles, was sich vorbereiten lässt, ist vorbereitet. Was schief gehen kann, ist eingeplant. Was nicht eingeplant ist, wird in Echtzeit gelöst. Theresa nennt es ein Highlight des Jahres und sagt im gleichen Atemzug, dass Schlaf in dieser Zeit Mangelware sei. Beides ist wahr.

Was am Ende kommt: der Hopfenschmaus

Wenn die letzte Rebe durch die Maschine gelaufen ist, gibt es auf den Tettnanger Hopfenhöfen eine Tradition. Sie heißt Hopfenschmaus. Theresa beschreibt es so. Mit allen Erntehelfern, mit jeder beteiligten Person, die über das Jahr mitgeholfen hat, werde am Schluss ein großes Festmahl oder einfach ein geselliger Abend zum Feiern veranstaltet. Familie, Maschinenführer, Nachbarn, Saisonarbeiter aus Rumänien und Polen sitzen zusammen.

Der Hopfenschmaus ist das, was den Stress der vier Wochen rahmt. Wer wochenlang wenig geschlafen hat, sitzt jetzt und isst. Die Anspannung fällt ab. Niemand wurde verletzt. Die Maschinen haben gehalten. Der Hopfen liegt in Ballen.

Was nach der Ernte beginnt

Ab Oktober gehen die ersten Ballen über die HVG in die Verarbeitung. Daraus werden Hopfenpellets, die in der Brauwirtschaft an die Brauereien geliefert werden. Aus dem Ballen wird das Pellet, aus dem Pellet wird das Bier.

Auf dem Hof beginnt die Nachsaison. Die Drähte werden eingezogen, die Hopfengärten gepflegt, die Pflanzen bereiten sich auf den Winter vor. Hopfen ist eine Dauerkultur und steht fünfzig Jahre am gleichen Platz. Was in einer Saison passiert ist, schiebt nur ein einziges Mal nach. Im Frühjahr fängt es wieder an.


Theresa Locher führt den Hopfenpflanzerverband Tettnang und ist Gast in pekuu audiostories.