Katharina Güls kennt essbare Blüten, seit ihre Kinder sprechen können. Ihre Tochter, vier Jahre alt, hat im Kindergarten erklärt, dass es Essblumen und Nicht-Essblumen gibt. Die Erzieherin war irritiert. Die Mama nicht. Denn in Katharina Güls‘ Familie gehören essbare Blüten zum Alltag. Nicht als Dekoration, sondern als ganz normaler Teil der Mahlzeit. Katharina Güls ist Kräuterpädagogin in Weingarten, Oberschwaben, und gibt Führungen am Kreuzberg, bei denen sie zeigt, welche Blüten man essen kann und welche man besser stehen lässt.
„Es gibt halt Essblumen und Nicht-Essblumen“, hat die Tochter gesagt. So einfach kann es sein. Was für ein Vierjähriges selbstverständlich ist, wissen viele Erwachsene nicht. Auf dem Spielplatz in München hat Katharina Güls das jahrelang beobachtet. Mütter, die nervös wurden, wenn ein Kind über die Wiese krabbelte und etwas in den Mund nahm. Wie groß die Angst war, weil niemand wusste, was da wächst. „Ich war da halt dann auch entspannter, weil ich diese Ängste nicht hatte.“
Welche essbaren Blüten vor der Haustür wachsen
Das Schöne an essbaren Blüten ist: Man muss sie nicht suchen. Sie sind einfach da. Der Löwenzahn, den viele ausstechen, hat essbare Blüten mit einem leicht bitteren, herben Geschmack. Die Taubnessel, die in jeder Gartenecke wächst, hat einen Tropfen Nektar in jeder Blüte. Katharina Güls erinnert sich, wie sie das als Kind schon gemacht hat: bei einer Taubnessel den Nektar rausziehen und diesen Honiggeschmack auf der Zunge haben. „Das ist natürlich schon lecker.“
Holunderblüten gehören zu Katharina Güls‘ absoluten Favoriten. Sie mag sie als Tee, ausgebacken als Holunderküchle oder verarbeitet zu Sirup und Marmelade. Der Holunder begleitet sie durch das ganze Jahr. Im Sommer die Blüten, im Herbst die Beeren. Marmelade mit Birne, Saft warm gemacht im Winter mit einer Zitrone drin. „Mama, jetzt geht aber die Holunderblütenmarmelade aus“, hat ihr Sohn gesagt. „Die müssen wir dann mal wieder machen.“ Und dann muss sie erklären, dass man warten muss, bis der Holunder blüht.
Auch Gundermann blüht essbar. Klein und unscheinbar, lila Blüten zwischen den Grashalmen. Katharina Güls hat ihren Kindern beim Rasenmähen einmal gesagt: „Riecht ihr das? Jetzt hat sich der Geruch verändert. Jetzt riecht es nach Gundermann.“ Ihre Mutter stand daneben, hat gelacht und gesagt: „Ich bin noch nie beim Rasenmähen durch meinen Garten gegangen und habe mir überlegt, nach was es jetzt gerade riecht.“
Essbare Blüten in der Küche verwenden
Das einfachste Rezept: ein paar Blüten, die man essen kann, abends übers Essen streuen. Katharina Güls macht das regelmäßig. „Und sei es nur so ein paar Blüten, die man abends übers Essen drüber streut, damit es schöner ausschaut“, sagt sie. Löwenzahnblüten im Salat. Holunderblüten im Teig. Das braucht keine Anleitung, nur den Mut, es zu probieren.
Für Kinder hat sie ein Rezept, das immer funktioniert. Löwenzahnblüten sammeln, nur die gelben Blütenblätter zupfen. Bananen in Scheiben schneiden und einfrieren. Die gefrorene Banane mit Naturjoghurt und den Löwenzahnblüten pürieren. Fertig ist ein Löwenzahneis. „Alles, was man selber macht, schmeckt ja auch besonders gut.“ Die Blüten geben dem Eis eine leicht bittere, herbe Note, die durch die Banane süß ausbalanciert wird.
Letztes Jahr haben Katharina Güls und ihre Kinder Löwenzahnblüten gesammelt und Sirup daraus gemacht. Am nächsten Tag hat die Nachbarin bei sich im Garten den Löwenzahn ausgestochen. Katharinas Sohn hat das beobachtet und gesagt: „Mama, ich glaube, du musst da mal rübergehen und ihr sagen, was man alles Tolles aus Löwenzahn machen kann.“ Solche Momente, sagt Katharina Güls, da geht ihr das Herz auf.
Die Regel mit den essbaren Blüten
Essbare Blüten sammeln mit Kindern funktioniert, wenn man klare Regeln hat. Bei Katharina Güls ist das einfach: Wenn die Mama es erlaubt, darf man es essen. Wenn nicht, dann nicht. Keine Diskussion. Und es gibt giftige Pflanzen. Nicht wahnsinnig viele, aber es gibt sie. „Sachen, wo man sich unsicher ist oder wo es eine Verwechslungsgefahr gibt, das soll man bitte auch stehen lassen.“
Ihre beiden Kinder gehen in unterschiedliche Kindergartengruppen, die mit Natur unterschiedlich umgehen. Bei der Tochter heißt es erst mal: alles giftig. Beim Sohn ist das anders. Wenn sie sich dann unterhalten, ob etwas eine Essblume ist, fragen sie die Mama. „Das sind total süße Gespräche.“ Der Große sagt: Doch, das ist eine Essblume. Die Kleine sagt: Nein, im Kindergarten hieß es, das ist keine. Und dann fragen sie Katharina.
Sie merkt auch, wie dankbar andere Eltern sind, wenn jemand kommt und sagt: Mach dir keine Sorgen, wenn dein Kind hier unter der Kornelkirsche sitzt und diese Beeren isst, dann lass es einfach, wenn es ihr schmeckt. Da habe sie gutes Feedback bekommen.
Essbare Blüten sind überall. Man muss nur wissen, welche es sind. Und den Rest stehen lassen. Katharina Güls bringt das ihren Kindern bei. Und den Erwachsenen bei ihren Führungen am Kreuzberg in Weingarten. Den Kindern fällt es meistens leichter.
Wer sich unsicher ist, kann eine Kräuterführung besuchen. Katharina Güls zeigt am Kreuzberg in Weingarten bei jeder Führung mindestens sieben Pflanzen, die man sicher bestimmen kann. Viele davon haben essbare Blüten. Der Einstieg kostet 14 Euro, Kinder bis zehn sind frei. Nach anderthalb Stunden weiß man genug, um im eigenen Garten anders hinzuschauen. Und vielleicht das nächste Mal, wenn die Kinder über die Wiese krabbeln und etwas in den Mund nehmen, entspannter zu bleiben.
Katharina Güls gibt Kräuterführungen in Weingarten. Im pekuu-Podcast erzählt sie mehr. Zur Episode
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