Das Metal Museum in Memphis, Tennessee, ist das einzige Museum in den USA, das sich ausschließlich der Metallkunst widmet. Schmiedearbeiten, Skulpturen, Schmuck, Designobjekte. In der permanenten Sammlung hängen Arbeiten von Metallkünstlern aus aller Welt. Darunter Werke von Mirko Siakkou-Flodin, einem Metallkünstler aus Zußdorf bei Ravensburg in Oberschwaben.
Wie kommt ein Oberschwabe ins Metal Museum Memphis?
Mirko hat sein Handwerk von 1980 bis 1986 bei Achim Kühn in Berlin gelernt. Kunstschmied und Metallgestalter. Danach Wanderjahre. England, USA, Japan, Afrika. In den USA hat er mit Metallkünstlern gearbeitet und eigene Arbeiten umgesetzt. Die Verbindung zum Metal Museum Memphis entstand über dieses Netzwerk, in dem Metallkünstler sich kennen und austauschen. „Man redet gar nicht so viel über die Stilistik, sondern wie was wie gemacht wird.“
Dass seine Arbeiten in der permanenten Sammlung des Metal Museum Memphis vertreten sind, überrascht ihn weniger als manchen Betrachter. Denn Mirkos Spektrum ist ungewöhnlich breit. Er baut nicht nur Skulpturen. Er baut elf Meter hohe Edelstahl-Bronze-Skulpturen, kinetische Windspiele, Rennpferde aus Altreifen, Spielplätze, Grabkreuze, Pokale für Red Bull in Mexiko und Feuerskulpturen, die sich aus Stroh und Schilf freibrennen.
80 Prozent Upcycling, 100 Prozent Ökostrom
Was Mirko von vielen Metallkünstlern unterscheidet: Sein Hauptmaterial kommt vom Schrottplatz. 80 Prozent Upcycling-Quote seit 1996, Ökostrom im Atelier seit 2000. „Das ist keine Idee, die ich mir erarbeitet habe als Konzeption, sondern sie kommt aus mir heraus.“ Schon als Jugendlicher hat er aus Glühbirnen Figuren gebaut.
„Ich bin kein Sammler, sondern gebt mir einen Auftrag und dann gehe ich erst an die Stellen, wo es einen Schrottplatz gibt.“ Manchmal findet er dort Material, das besser ist als sein Entwurf. „Man findet Sachen, wo man sagt, daran hätte ich nicht gedacht und das ist sogar die Lösung.“
Beuys in Oberschwaben
Joseph Beuys hat gesagt: Jeder Mensch ist ein Künstler. Mirko setzt das um. In Travemünde bauen Schulkinder unter seiner Anleitung fünfeinhalb Meter hohe Skulpturen. In Bettenreute hat ein Dorf gemeinsam einen Skulpturenweg gebaut, dokumentiert im Buch „Pillars of Freedom“. In Ravensburg hat er mit einem Gefängnisinsassen eine Oktaeder-Skulptur entwickelt. Der Häftling, 15 Jahre Haft, sagte dazu: „Das ist ja wie im richtigen Leben.“
Zwei Bücher dokumentieren diese Arbeit. „Metalldesign International“ beim Verlag Hephaistos und „Pillars of Freedom“ beim NIBE Verlag. Dreißig Seiten über einen Künstler, der von einem Dorf in Oberschwaben aus arbeitet, aber im Metal Museum Memphis vertreten ist. „Mit Metall kann man zaubern“, sagt er. Die Sammlung in Memphis gibt ihm recht.
Mirko Siakkou-Flodin bei pekuu audiostories.
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