In Bettenreute, einem Teilort im Landkreis Ravensburg, steht ein Skulpturenweg. Keine gekauften Objekte, die ein Landschaftsarchitekt platziert hat. Sondern Skulpturen, die das Dorf selbst gebaut hat. Unter Anleitung von Metallkünstler Mirko Siakkou-Flodin. Das Projekt heißt „Pillars of Freedom“. Darüber ist ein eigenes Buch beim NIBE Verlag erschienen.
Wie Pillars of Freedom entstand
Mirko Siakkou-Flodin baut seit über dreißig Jahren Metallskulpturen. Die meisten sind Auftragsarbeiten für Firmen, Kommunen, Privatleute. Aber ein Teil seiner Arbeit folgt einem anderen Prinzip: Zusammenbauen. In Bettenreute hat er den Rahmen geschaffen, das Grundgerüst entworfen, die Werkzeuge mitgebracht. Dann hat das Dorf mitgebaut.
„Ich lasse mitmachen und miterleben. Kinder, Jugendliche, Erwachsene.“ Das klingt nach einem netten Wochenendprojekt. Ist es nicht. Was Joseph Beuys mit „Jeder Mensch ist ein Künstler“ meinte, setzt Mirko in die Praxis um. In Travemünde entstehen fünfeinhalb Meter hohe Skulpturen mit Schulkindern. In den USA hat ein Jugendlicher ihn über das Internet gefunden und ein Projekt mit Schule, Universität und Stadt organisiert.
In Bettenreute war das Ergebnis so bemerkenswert, dass der NIBE Verlag es als Buch dokumentierte. „Pillars of Freedom“, ISBN 978-3-947002-89-4.
Warum ein Dorf eine Skulptur braucht
Was passiert, wenn Menschen zusammen etwas bauen, das größer ist als sie selbst? Mirko hat das oft erlebt. In einem afrikanischen Dorf hat er eine Glocke feuerverschweißt. Das ganze Dorf johlte. In Ravensburg hat er mit einem Gefängnisinsassen eine Oktaeder-Skulptur entwickelt, die man mit einer Seilwinde aus dem Boden kurbelt. Am Anfang schwer, dann immer leichter. Der Häftling, 15 Jahre Haft, sagte: „Das ist ja wie im richtigen Leben.“
In Bettenreute entstand etwas, das bleibt. Ein Skulpturenweg, der als Geocaching-Station registriert ist und Besucher anzieht. Gemacht von den Menschen, die dort leben. Dokumentiert in einem Buch, das die Idee weiterträgt.
Der Künstler hinter dem Projekt
Mirko hat das Handwerk von 1980 bis 1986 bei Achim Kühn in Berlin gelernt. Seitdem arbeitet er mit einer Upcycling-Quote von 80 Prozent. Seine Skulpturen stehen in Berlin, Dubai, Alaska und in der permanenten Sammlung des Metal Museum in Memphis. Über seine Arbeit sind zwei Bücher erschienen: „Metalldesign International“ beim Verlag Hephaistos und eben „Pillars of Freedom“ beim NIBE Verlag.
Sein Atelier in Zußdorf bei Wilhelmsdorf, 20 Kilometer von Ravensburg, ist eine ehemalige Scheune von 1837 mit zwölf Metern Deckenhöhe. „Mit Metall kann man zaubern“, sagt er. In Bettenreute hat er gezeigt, dass auch ein Dorf zaubern kann.
Mirko Siakkou-Flodin bei pekuu audiostories.
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