Metallkunst – Was Mirko Siakkou-Flodin aus Stahl und Schrott macht

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Wenn Mirko Siakkou-Flodin nach der Arbeit im Dorfladen einkaufen geht, wissen die Leute Bescheid. Sie schnuppern kurz und sagen: Du hast wieder Material geschnitten. Sein Atelier in Zußdorf bei Ravensburg riecht nach geschnittenem Stahl, nach Schweißrauch und nach Plasmaschneider. Das ist der Geruch von Metallkunst.

Mirko, den die meisten nur Mo nennen, baut seit über dreißig Jahren Skulpturen, Designelemente und kinetische Objekte aus Metall. Seine Arbeiten stehen in der permanenten Sammlung des Metal Museum in Memphis, USA. Sie stehen auf dem Alexanderplatz in Berlin, vor einem Kulturzentrum in Alaska und im Kreisverkehr in Horgenzell. Sein Basismaterial: Stahl, Kupfer, Edelstahl. Seine Hauptquelle: der Schrottplatz.

Metallkunst ohne Schublade

Ein französischer Galerist fragte ihn einmal: Wie soll ich denn mit dir Geld verdienen? Ich brauche eine Handschrift. Mirko verstand das. Aber er wusste innerlich, dass er kein Origami-Künstler sein will, nur weil er einmal Origami aus Stahl gemacht hat. Und kein Reifenkünstler, nur weil er in Dubai ein drei Meter hohes Rennpferd aus Altreifen gebaut hat.

Die Liste dessen, was er tatsächlich macht, ist absurd lang. Eine elf Meter hohe Skulptur namens Panta Rhai aus Edelstahl und Bronze in Ravensburg. Ein acht Meter hohes kinetisches Windspiel im Malchower Park in Berlin. Dinosaurier-Fußabdrücke auf parkenden Autos als Aktion zur Eröffnung des Odysseum in Köln. Pokale für Red Bull X-Fighters Motocross in Mexiko. Grabkreuze. Taufbecken. Spielplätze am Bodenseeradweg. Kalligraphie in Edelstahl. „Vielfalt ist meine Stilistik“, sagt er dazu.

Wie Metallkunst bei Mo Metallkunst entsteht

Statt einer festen Stilistik hat Mirko eine feste Methode. Er nennt sich selbst einen Kriminologen. „Ich sammle Indizien. Es geht noch gar nicht darum, dass man eine Idee fasst, sondern man sammelt alles, was man irgendwie dort hineinbringen kann.“ Wenn ein Auftrag kommt, analysiert er den Raum, die Architektur, die Geschichte des Ortes. Erst aus all diesen Spuren entsteht die Idee.

Für ein Kulturzentrum der Yupik in Alaska hat er monatelang über Inuit-Masken recherchiert. Was bedeuten die Masken? Welche Beziehung zwischen Jäger und Natur steckt dahinter? Am Ende stand eine zwei Meter große Maske am Haupteingang mit sechs Wildgänsen an der Fassade. Fünf fliegen weiter. Eine nicht. Die Löcher in den Händen der Maske bedeuten: Der Jäger soll nur nehmen, was er braucht. Dieses Konzept hat den Wettbewerb gewonnen.

Von Achim Kühn bis zum Museum Memphis

Metallkunst hat Mirko von 1980 bis 1986 im Atelier für Metallgestaltung von Achim Kühn in Berlin gelernt. Drei Jahre Lehre als Kunstschmied und Metallgestalter, drei Jahre als Geselle. Restaurationen, Großskulpturen, kinetische Objekte. „Da macht man eben“, sagt er. Danach Wanderjahre durch England, USA, Japan und Afrika. In einem afrikanischen Dorf hat er eine Glocke feuerverschweißt und das ganze Dorf johlte.

Heute ist seine Metallkunst im Metal Museum in Memphis in der permanenten Sammlung vertreten. Über seine Arbeit sind zwei Bücher erschienen: „Metalldesign International“ beim Verlag Hephaistos mit dreißig Seiten über seine Werkgruppen und „Pillars of Freedom“ über ein Gemeinschaftsprojekt in Bettenreute beim NIBE Verlag.

Metallkunst und Recycling seit 1996

Das Recycling ist bei Mirko keine aufgesetzte Philosophie. 80 Prozent Upcycling-Quote seit 1996 und 100 Prozent Ökostrom im Atelier seit dem Jahr 2000. Das war lange bevor Nachhaltigkeit zum Marketing-Wort wurde. „Das ist keine Idee, die ich mir erarbeitet habe als Konzeption, sondern sie kommt aus mir heraus.“ Schon als Jugendlicher hat er aus alten Glühbirnen Figuren gemacht.

Was Joseph Beuys mit „Jeder Mensch ist ein Künstler“ meinte, setzt Mirko in seinen Zusammenarbeitsprojekten um. Nicht als Theorie. Kinder bauen mit ihm Skulpturen an Schulen in Travemünde. Ein Gefängnisinsasse entwickelt mit ihm eine Oktaeder-Skulptur, die man aus dem Boden kurbelt. Der Häftling, der 15 Jahre gesessen hat, sagt: „Das ist ja wie im richtigen Leben.“ Metallkunst, die Menschen spiegelt.

„Mit Metall kann man zaubern“, sagt Mirko. Wer seine Werkstatt in Zußdorf besucht, eine ehemalige Scheune von 1837 mit zwölf Metern Deckenhöhe und eigener Kranbahn, bekommt eine Ahnung davon, was er damit meint.


Mirko Siakkou-Flodin war zu Gast bei pekuu audiostories. Die ganze Geschichte gibt es dort zum Anhören.

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