Schrott Kunst aus altem Werkzeug – Vom Schrottplatz zur Skulptur

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Als Mirko Siakkou-Flodin einen Anruf aus Dubai bekam, sagten sie: Einen Metallkünstler haben wir schon. Wir brauchen einen Reifenkünstler. Mirko hatte bis dahin noch nie einen Autoreifen als Kunstmaterial benutzt. Er sagte: Gib mir zehn Minuten. Ging zum Autohändler im Dorf, nahm sich einen alten Reifen, bohrte rein, schnitt rein. Zehn Minuten später rief er zurück. Geht.

Drei Wochen später stand ein drei Meter hohes Rennpferd im Vollgalopp auf der Jumeirah Beach. So funktioniert Schrott Kunst aus altem Werkzeug bei Mo Metallkunst. Kein Material ist zu fremd.

80 Prozent Upcycling seit 1996

Mirko arbeitet mit einer Upcycling-Quote von 80 Prozent. Seit 1996. Seit dem Jahr 2000 läuft sein Atelier mit Ökostrom. Das war 15 Jahre bevor Nachhaltigkeit zum Marketing-Begriff wurde. Er hat das nie auf seine Website geschrieben, um damit zu werben. Er macht es einfach.

„Das ist keine Idee, die ich mir erarbeitet habe als Konzeption, sondern sie kommt aus mir heraus.“ Schon als Jugendlicher in Berlin hat er aus alten Glühbirnen Figuren gemacht. Treibholz gesammelt. Sachen mit Geschichte weitergenutzt. Schrott Kunst aus altem Werkzeug war bei ihm nie ein Trend, sondern Persönlichkeit.

Vom Schrottplatz ins Metal Museum Memphis

Mirkos Werkstatt steht in Zußdorf bei Ravensburg, in einer ehemaligen Scheune mit zwölf Metern Deckenhöhe. Aber sein eigentliches Atelier, sagt er, ist der Schrottplatz. „Ich bin kein Sammler, sondern gebt mir einen Auftrag und dann gehe ich erst an die Stellen, wo es praktisch einen gebrauchbaren Markt gibt oder einen Schrottplatz gibt.“

Dass aus diesem Ansatz museumswürdige Kunst entsteht, zeigt seine Präsenz im Metal Museum in Memphis, USA. Dort ist er mit Arbeiten in der permanenten Sammlung vertreten. Schrott Kunst aus altem Werkzeug, die neben Werken internationaler Metallkünstler hängt.

Dinosaurier auf Autos und Gesichter auf Bäumen

Für die Eröffnung des Odysseum in Köln hat Mirko Dinosaurier-Fußabdrücke in parkende Autos gedrückt und in der Stadt verteilt. Als Hingucker, als Aktion, als Irritation. Car-Art nennt er das. Ein eigener Katalog dokumentiert diese Arbeiten.

Ein Firmenbesitzer bei Ravensburg musste drei Obstbäume fällen. Mirko setzte an jede Schnittfläche ein Gesicht aus Schrottmaterial. Van Gogh aus Blech. Die Mona Lisa. Ein Roboterkopf. „Ich zeige praktisch dem Betrachter, was alles möglich ist vom Material“, sagt er. Schrott Kunst aus altem Werkzeug wird so zur Zeitreise. Weil jedes Fundstück seinen eigenen Charakter mitbringt.

Jeder Mensch ist ein Künstler

Was Joseph Beuys als Theorie formulierte, setzt Mirko in die Praxis um. In Travemünde bauen Schulkinder unter seiner Anleitung fünfeinhalb Meter hohe Skulpturen aus Recyclingmaterial. In Ravensburg hat er mit einem Gefängnisinsassen eine Oktaeder-Skulptur entwickelt, die man mit einer Seilwinde aus dem Boden kurbelt. Der Häftling, der 15 Jahre gesessen hat, sagte: „Das ist ja wie im richtigen Leben. Am Anfang ist es so schwer, aber umso höher man kommt, umso leichter geht es.“

In den USA hat ein Jugendlicher ihn im Internet gefunden und ihn eingeladen. Daraus wurde ein Projekt mit Schule, Universität und Stadtverwaltung. Schrott Kunst aus altem Werkzeug als Gemeinschaftserlebnis. „Ich lasse mitmachen und miterleben“, sagt Mirko. Weil er selbst so angefangen hat. In einem afrikanischen Dorf, wo er eine Glocke schmiedete und das ganze Dorf johlte.

„Mit Metall kann man zaubern.“ Und offenbar nicht nur mit Metall.


Die ganze Geschichte bei pekuu audiostories.

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