„Unser klassischer London Dry Gin, mit dem wir den Titel zum weltweit besten London Dry Gin gewonnen haben, hat stolze 48 Volumenprozent.“ Wenn Moritz Steinhauser das bei Verkostungen sagt, ist das nicht Marketing-Statement, sondern technische Information. Die 48 Volumenprozent sind eine bewusste Wahl, keine zufällige Marketing-Zahl.
Die Frage „Wie viel Prozent hat Gin“ ist also nicht einfach mit einer Zahl zu beantworten. Es hängt davon ab, welcher Gin. Hier die Spannweite, und was sie bedeutet.
Die gesetzliche Untergrenze
In der EU muss Gin mindestens 37,5 Volumenprozent haben. Das ist die untere Grenze, ab der ein Produkt das Wort Gin auf dem Etikett tragen darf. Wer darunter bleibt, muss eine andere Bezeichnung wählen, etwa Gin-Likör oder einfach Spirituose mit Wacholder.
Viele Standard-Gins der großen Marken liegen bei genau 37,5 oder bei 40 Volumenprozent. Das ist trinkfertig, ergibt einen runden Gin Tonic im klassischen Mischungsverhältnis und ist die Massenmarkt-Erwartung.
Was höhere Stärken bewirken
Sobald ein Gin über 40 Volumenprozent geht, verändert sich die Wirkung im Glas. Mehr Substanz, mehr Präsenz, die Aromen wirken kompakter. Bei 43 oder 44 Volumenprozent merken viele Verkoster einen deutlichen Sprung in der Tiefe.
Bei 48 Volumenprozent, wie beim SeeGin, ist die Substanz so hoch, dass der Gin im Tonic seinen Charakter nicht verliert. Das ist nicht trivial. Tonic-Wasser ist eine geschmacks-aggressive Mischung, mit Chinin, oft mit Zucker, immer mit Kohlensäure. Bei vielen 37,5er-Gins drückt das Tonic den Wacholder weg. Beim SeeGin bleibt er stehen.
Moritz formuliert das so: „Den Preis haben wir pur verkostet gewonnen. Aber wenn man den Wacholder zu einem Tonic dazugibt, verliert er nicht an Stärke, der Wacholder bleibt präsent. So rundet sich das Gin Tonic sehr gut ab.“ Das ist die Logik hinter den 48 Volumenprozent.
Was Navy Strength bedeutet
Es gibt eine eigene Kategorie über 48: Navy Strength. Klassisch 57 Volumenprozent. Der Begriff kommt aus der britischen Marine. Schießpulver, das mit Gin in Berührung kam, konnte noch zünden, wenn der Gin diese Stärke hatte. Heute ist Navy Strength eine Stilbezeichnung für besonders starke Gins.
Navy Strength Gins sind nicht für den klassischen Gin Tonic im 1:3-Verhältnis gedacht. Sie verlangen entweder mehr Tonic oder einen anderen Trinkstil. Pur, mit Eis, oder in Cocktails wie Negroni, die den hohen Alkohol braucht.
Wo sich der SeeGin einordnet
Der SeeGin steht mit 48 Volumenprozent in einem Bereich, der oberhalb des Standard-Massenmarkts liegt, aber unter Navy Strength. Es ist eine Position, die ihn als premium-orientierten London Dry Gin positioniert, ohne ihn auf eine spezifische Cocktail-Nische zu beschränken.
Praktisch heißt das: Der SeeGin funktioniert pur, im klassischen Gin Tonic mit 1:3-Mischung, und in den meisten Gin-Cocktails. Bei einem Negroni oder einem Martini, wo der Gin nicht durch viel Mixer verdünnt wird, hat er die nötige Substanz. In einem Gin Tonic schiebt sich der Wacholder nicht weg.
Was die Stärke geschmacklich ändert
Höhere Volumenprozent geben dem Gin im Mund mehr Druck. Wer einen 40er-Gin pur trinkt und danach einen 48er-Gin, spürt den Unterschied sofort. Der 48er ist nicht zwingend „schärfer“ im negativen Sinn, er ist kompakter. Mehr Aroma pro Schluck, mehr Mundgefühl.
Beim Riechen ist der Unterschied ebenfalls deutlich. Höhere Volumenprozent trägt die Aromen besser in die Nase. Wacholder, Zitronengras und die anderen Botanicals im SeeGin steigen direkt auf. Bei einem 37,5er-Gin braucht es längeres Schwenken im Glas, um alle Aromen zu sehen.
Wer die 48 Volumenprozent verträgt
Es gibt Gin-Trinker, die mit 48 Volumenprozent nichts anfangen können. Wer Gin als leichten Aperitif trinkt, im klassischen Gin Tonic mit viel Tonic, hat oft kein Bedürfnis nach höherer Stärke. Wer Gin pur trinkt, wer cocktailorientiert trinkt, wer Gin Tonics mit weniger Mixer ansetzt, profitiert von den 48 Volumenprozent.
Wer noch nie einen hochprozentigeren Gin probiert hat, sollte ihn zürst pur testen. Im Brandstore Lindau gibt es diese Option an der Bar. Wer dann mit dem Tonic-Glas mischt, merkt schnell, was die höhere Stärke im Mund macht.
Wer Steinhauser ist
Die Steinhauser Bodensee Hausbrennerei und Weinkellerei wird in sechster Generation geführt. Brennrecht seit 1828. Standort Kressbronn. Beim SeeGin hat Steinhauser 2014 in London die IWSC-Trophy zum weltweit besten London Dry Gin geholt. Im Sortiment Brigantia-Whisky (2024 vom Verband als beste Whisky-Destillerie Deutschlands ausgezeichnet), SeeGin, Rubo-Rum, Obstbrände, Wein, Brandy, Liköre.
Mehr über den SeeGin, die 48 Volumenprozent und die Steinhauser-Familie im Podcast pekuu audiostories.
