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11.11.2011 11:11 Uhr. Wie der erste Brigantia entstand

Wer am 11.11.2011 gegen 11 Uhr vormittags durch das Anwesen der Steinhauser-Brennerei in Kressbronn ging, hörte schottischen Dudelsack. Im Hof stand die Familie. 111 Flaschen Whisky waren bereit. Eltern hatten am Vortag selber abgefüllt, etikettiert, jede Flasche durch die Hand gehen lassen. Pünktlich um 11:11 Uhr begann die Ausgabe.

Es war der erste Bodensee-Whisky aus dem Haus Steinhauser. Brigantia, ein Single Malt nach drei Jahren und einigen Monaten Reifung im Fass. Die 111 Flaschen waren in der Stunde weg. Auf dem Anwesen war Julia Norney als Gast dabei, die in der deutschen Whisky-Szene ein Name ist. Die Familie hatte das Datum bewusst gewählt: 11.11.2011 um 11:11 Uhr, die ersten 111 Flaschen. Eine Sache von Zahlen, die man sich merkt.

Warum es nicht 2020 wurde

Eigentlich hatte Moritz‘ Vater einen anderen Plan. Er wollte mit einem 12-jährigen Brigantia auf den Markt kommen. 2008 hatte er das erste Mal Whisky gebrannt. Wenn man rechnet, wäre der erste Verkauf 2020 gewesen. Acht weitere Jahre warten.

Aber Steinhauser ist ein Ladengeschäft. Es kommen Besucher nach Kressbronn. Die Brennerei macht Führungen, hat eine Aroma-Bar, einen über hundert Jahre alten Whisky-Stadl aus dem Allgäu, der seit Jahren mit Fässern befüllt wird. Wenn jemand vor diesen Fässern steht und nachfragt, wann der erste Whisky verkauft wird, kann eine Familie das nicht ewig vertagen.

„Es war allerdings die Nachfrage von Kunden und Besuchern bei uns hier vor Ort immer größer, und sie wollten wissen, wann der erste Whisky kommt, und so haben wir uns dann doch umentschieden“, sagt Moritz. Aus dem Zwölf-Jahres-Plan wurde ein Drei-Jahres-Plan. Der dreijährige Brigantia war handwerklich sauber, die Reifezeit das gesetzliche Minimum plus etwas mehr. Genug für ein Statement.

Was die Familie selber gemacht hat

Der Vater wollte nicht, dass eine Lohnabfüller die Sache übernimmt. Der erste Brigantia sollte durch die Hände der Familie gehen. Also füllten Moritz, sein Bruder, die Eltern und die Geschwister zusammen ab. Etiketten kamen drauf, jede Flasche einzeln. Verschlüsse wurden von Hand gesetzt. Es war ein Ritual und ein praktischer Vorgang in einem.

Diese Haltung blieb bei vielen Sondereditionen erhalten. Auch heute werden Single-Cask-Abfüllungen oft in Kleinmengen verarbeitet, das macht die Brennerei selbst, nicht im Lohnverfahren. Wer eine Sonderabfüllung kauft, kauft ein Produkt, das durch die Hand der Familie gegangen ist.

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Was der Dudelsack mit der Sache zu tun hatte

Steinhauser arbeitet nach schottischer Methode. „Wir stellen unseren Whisky her wie die Schotten“, sagt Moritz. Die Reifung im Fass orientiert sich an der schottischen Tradition, drei Jahre und ein Tag als gesetzliches Minimum, oft deutlich darüber. Der Dudelsack zum Launch war eine Geste an diese handwerkliche Linie. Kein Marketing-Gag, sondern ein Hinweis auf die Methode.

Schottland war zu der Zeit auch noch der Maßstab, gegen den jeder deutsche Whisky verglichen wurde. Deutscher Whisky galt lange als Whisky mit Obstbrandgeschmack, sagt Moritz heute. Der Brigantia war einer der ersten deutschen Single Malts, der mit schottischen Profilen mithielt. Später, 2024, hat der Verband der Deutschen Whisky-Brenner Steinhauser als Deutschlands beste Whisky-Destillerie ausgezeichnet. Bei einer ISW-Blindverkostung war ein Jury-Mitglied sicher, der Whisky komme von der Insel, also Islay. In Wirklichkeit lag im Glas ein Brigantia, im Eilerfass vollgereift.

Was seit 2011 dazugekommen ist

Aus den 111 Flaschen wurden über die Jahre 2000 Whiskyfässer im Lager. Bruchteil im Whisky-Stadl auf dem Anwesen in Kressbronn (in dem die Kressbronner Blasmusik aus Lautsprechern läuft, damit der Whisky nicht still ruht), der Rest in einer Halle im Industriegebiet, weil das Anwesen im Außenbereich liegt und nicht weiter bebaut werden durfte. Das älteste Fass ist von 2010.

2028 fallen drei Jubiläen zusammen. 200 Jahre Steinhauser, 20 Jahre Brigantia, und Moritz könnte den ersten volljährigen Brigantia auf den Markt bringen, einen 18-jährigen.

Wer Steinhauser ist

Die Steinhauser Bodensee Hausbrennerei und Weinkellerei steht in Kressbronn am Bodensee. Sechste Generation Brennkunst. Brennrecht seit 1828. Familienbetrieb mit Moritz und seinem Bruder als Nachfolge, Eltern weiter im Geschäft, Destillateur und Kellermeister im Team. Im Sortiment Obstbrände (Williams Nummer 1 als Bestseller), Wein aus der Kressbronner Berghalde, Whisky (Brigantia seit 2008), SeeGin (IWSC-Trophy 2017), Rum (Rubo seit 2021), 20-jähriger Brandy aus dem Opa-Fass, Liköre mit Fruchtsaft.


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